Stadt Zürich

12. Juni 2019 10:17; Akt: 12.06.2019 10:17 Print

Klitoris-Wanderung und Bier am Frauenstreiktag

Rund um den Frauenstreik am Freitag finden zig Aktionen statt – 20 Minuten hat einige besondere Programmpunkte herausgepickt.

Bildstrecke im Grossformat »
In der Stadt Zürich läuft am Freitag einiges. Das bunte Programm beinhaltet unter anderem eine Klitoriswanderung oder auch «Menstruiern aufs Patriarchat». Eine mobile Klitoris wandert den ganzen Tag durch die Stadt. Abends können Streikende auch noch zur Vulvaschau. Was diese genau beinhaltet, wird nicht beschrieben. Eine Umfrage von 20 Minuten zeigt: 18 Prozent der Frauen haben vor, am 14. Juni am Frauenstreik teilzunehmen. Im Bild: die Kundgebung für Lohngleichheit im September 2018. Natascha Wey von der Gewerkschaft VPOD sagt, der Streik elektrisiere die Basis: «Auch die Bäuerinnen oder die Aargauer Kirchenfrauen streiken. Das sind beileibe keine Linksextremen.» «Frauen haben weniger Geld, weniger Zeit und weniger Anerkennung für die Arbeit, die sie leisten», schreiben die Verantwortlichen des Frauenstreiks. Die gewichtete Umfrage von 20 Minuten zum Frauenstreik bei 11'596 Personen zeigt nun, inwiefern sich Frauen in der Gesellschaft tatsächlich diskriminiert fühlen. 57 Prozent der Frauen fühlen sich diskriminiert, während 67 Prozent der Männer keine Benachteiligungen sehen. Für Helena Trachsel, Gleichstellungsbeauftragte des Kantons Zürich, ist die Notwendigkeit des Streiks ungebrochen, obwohl eine Mehrheit von 53 Prozent keine Diskriminierung der Frauen sieht. «Wir haben Fortschritte gemacht. Aber dass jede Vierte offenbar respektlosen Umgang erlebt, ist weiterhin alarmierend.» Dass zudem die Lohnungleichheit als grösstes Problem gesehen wird, erstaunt Trachsel nicht: «Das ist seit 20 Jahren das Topthema. Es ist objektiv messbar und bewegt daher am meisten.» Doch wie ist es zu erklären, dass 67 Prozent der Männer finden, Chancengleichheit sei gegeben oder gar sie selbst seien diskriminiert? «Männer müssen ins Militär und haben keinen Vaterschaftsurlaub. Sie können sich auch diskriminiert fühlen», sagt Trachsel. Da aber die Rechte der Frauen eher debattiert würden, wehrten sich die Männer, indem sie Frauen die Solidarität entzögen, so Trachsels Interpretation. «Im Vergleich zur Generation meiner Mutter sind wir privilegiert», sagt Claudine Esseiva von den FDP-Frauen. In den letzten Jahren habe man viel erreicht. Die Zahlen zeigten aber, dass es noch Nachholbedarf gebe – auch wenn die Hälfte der Befragten Frauen als nicht benachteiligt ansieht.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schweizweit gehen am Freitag, 14. Juni, Frauen auf die Strasse, um für die Gleichstellung zu demonstrieren. In Zürich finden ab dem Nachmittag Kundgebungen auf dem Helvetiaplatz statt, bevor um 17 Uhr die grosse Demo durch die Innenstadt führt.

Wer die grossen Massen meiden möchte, kann sich auch einer der dezentralen Aktionen anschliessen, denn davon gibt es einige, wie ein Blick ins Streikprogramm zeigt. Neben diversen Brunchs, Festen und Bars findet sich da beispielsweise auch eine Klitoris-Wanderung, die frühmorgens bei der Hardbrücke startet. Wie auf der Website des Kollektivs Zürich zu lesen ist, zieht eine «mobile Klitoris» durch die Stadt. Ihr Ziel: die Aufklärung ohne Sexismus.

Kriegsbemalung und Prosecco

Ein weiterer Programmpunkt: menstruieren auf das Patriarchat um acht Uhr morgens beim Bucheggplatz. Aktivistin.ch relativiert den etwas expliziten Aufruf in der Beschreibung. Es gehe um eine «Aktion mit Kreide». Worum es hingegen bei der Vulvaschau in Niederweningen um 20 Uhr geht, ist aus dem Programm nicht ersichtlich.

Offizielle Streikfarbe ist übrigens Violett. Wem das nicht bunt genug ist, der dürfte auf dem Kanzleiareal sein Glück finden. Zwischen 12 und 15 Uhr wird dort «glitzernde Kriegsbemalung» angeboten. Wer sich schminken lässt, kann gleichzeitig für die Dachorganisation der Frauenhäuser spenden.

Mit Prosecco lockt das Xenix nebenan. Frauen aus der Film- und Theaterbranche sollen dort vor dem Kino auf dem roten Teppich streiken.

Sogar ein eigenes Bier hat das Kollektiv Zürich zusammen mit Turbinenbräu zum Frauenstreik herausgebracht. Das Pivo Strike ist bereits ausverkauft und die Einnahmen wurden in die Vorbereitungen des Streiks investiert.


(Foto: Intercomestible)

Alle Aktionen zum Frauenstreik in Zürich finden Sie auf der Website.

(bla)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nervi am 12.06.2019 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nervt

    Mich als Frau nervt das ganze Getue um den Frauenstreik einfach nur noch.

    einklappen einklappen
  • Mutti am 12.06.2019 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Frage

    Nach meinem Verständnis ist das eine Demonstration, kein Streik. Warum wird es dennoch Streik genannt?

    einklappen einklappen
  • Schwegi.AS am 12.06.2019 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Egal ob Frau oder Mann

    Anstand und Respekt wird benötigt

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 12.06.2019 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterstützen

    Ich wünsche allen Frauen zufriedenhei....das gleiche aber auch uns Männern. Es gibt ganz sicher punkte in unserer Schweiz wo gleichheit fehlt...die Disskussionen verlangen..ich bin nicht freund des Streikes...eher der Verhandlungen...und lösungen. Und Männer...unterstützt eure Lieben...damit alles friedlich über die Bühne geht...gönnt Ihne einen sonnigen Tag am Freitag....

  • Simone am 12.06.2019 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Macht mir etwas angst

    Gehe zwar an den Frauenstreik aber die Themen finde ich jetzt nicht so toll. Gibt es da auch noch etwas geistreichere Veranstaltungen oder sind das radikale?

  • Feminist am 12.06.2019 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Frauen

    Mir ist aufgefallen, dass ich unter den Organisatorinnen und Exponentinnen dieser Veranstaltung keine Frauen (richtige) gesehen und gehört habe. Echte Frauen haben dieses Getue gar nicht nötig.

  • N. B. am 12.06.2019 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grundsätzlich gute Idee

    Ich finde es in Ordnung, dass Frauen für zum Beispiel Lohngleichheit auf die Strasse gehen. Denn gleiche Arbeit verdient auch gleichen Lohn, unabhängig davon ob eine Frau wegen Mutterschaft dann aufhört zu arbeiten oder deswegen eine längere Auszeit vom Arbeitsmarkt nimmt. Da hat die Schweizer Wirtschaft noch erheblichrs Verbesserungspotential, genauso bei den Aufstiegschancen für die Frauen. Zugleich bin ich aber auch der Meinung, wenn schon Gleichberechtigung, dann in allen Bereichen. Das heisst auch Militärdienstpflicht für Frauen sowie Vaterschaftsurlaub für die Männer.

  • Seppli am 12.06.2019 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    warum Frauen Frauen und Frauen? Sind denn mittlerweile die Frauen die besseren Männer? Warum nicht endlich ein miteinander?