Winterthur

17. Dezember 2011 08:00; Akt: 16.12.2011 18:09 Print

Frauenwürger muss zum Psychiater

von Attila Szenogrady - Ein krankhaft eifersüchtiger Winterthurer hat innerhalb von einem Jahr gleich drei Freundinnen verprügelt und gewürgt. Nun hat das Obergericht vor einem Strafurteil eine psychiatrische Begutachtung des möglicherweise gefährlichen Täters angeordnet.

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Die Vorwürfe gegen den heute 25-jährigen Winterthurer wogen schwer. So hat er innerhalb eines Jahres gleich drei Freundinnen nicht nur bedroht und verprügelt, sondern auch jeweils am Hals gewürgt. Die ersten Gewaltakte geschahen im Sommer 2008, als der Beschuldigte einer damals 22-jährigen Freundin aus Winterthur während einer Autofahrt bei einem Streit ins Gesicht schlug. Einen Monat später ging der Verkäufer erneut auf die Geschädigte los. Diesmal in der gemeinsamen Wohnung, wo er sie mit beiden Händen am Hals packte und würgte. Nach zehn Sekunden liess er sie glücklicherweise los.

Krankhaft eifersüchtig

Im Januar 2009 war der Beschuldigte mit einer neuen Freundin zusammen. Schon bald wurde der krankhaft eifersüchtige Sohn eines Nordafrikaners und einer Schweizerin wieder gewalttätig. Die Anklage berichtet, wie er die damals 20-jährige Frau in seiner Wohnung einsperrte und ihr Handy kontrollieren wollte. Als sie sich weigerte, schlug er sie drei Mal gegen die Wand und würgte sie zehn Sekunden lang. Nur einen Tag später ging der Täter noch brutaler vor, als er die Geschädigte beim Unteren Graben in Winterthur spitalreif prügelte.

Endlich verhaftet und angeklagt

Der Angeklagte hatte zunächst Glück, da die Polizei von einer Verhaftung absah. Bis zum 17. Juni 2009, als er eine dritte Freundin in ihrer Wohnung erneut würgte, bedrohte und zusammenschlug. Die heute 27-jährige Deutsche erstattete kurz darauf Strafanzeige, worauf der Winterthurer endlich festgenommen wurde und danach mehrere Monate in Untersuchungshaft verbrachte.

Im Januar 2011 musste sich der teilgeständige Beschuldigte zunächst vor dem Bezirksgericht Winterthur verantworten. Er wurde damals wegen Erpressung, Freiheitsberaubung, mehrfacher Körperverletzung und weiteren Delikten zu einer gerade noch bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Allerdings widerriefen die Richter eine ehemals bedingte Vorstrafe von acht Monaten.

Unbedingte Strafe verlangt

Die Staatsanwaltschaft legte Berufung gegen das Winterthurer Urteil ein und verlangte am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht aufgrund des schweren Verschuldens eine markante Straferhöhung auf 24 Monate unbedingt. Während des Strafvollzugs sollte sich der Mann einer ambulanten Psychotherapie unterziehen.

Der Angeklagte führte aus, dass er inzwischen freiwillig eine Therapie besucht habe und heute schon seit einem Jahr mit einer festen Freundin zusammenlebe. Er sei jetzt nicht mehr gewalttätig und kürzlich sogar Vater geworden. Die Verteidigung verwies auf die veränderte Lebensführung ihres Klienten und lehnte eine Straferhöhung ab. Der Anwalt verlangte sogar das Absehen vom Widerruf der Vorstrafe.

Psychiatrisches Gutachten angeordnet

Das Obergericht kam zu einem überraschenden Entscheid. So soll sich der Beschuldigte im Hinblick auf einem mögliche Massnahme zuerst einer psychiatrischen Begutachtung unterziehen. Ein erstes Gutachten, welches dem Angeschuldigten bloss eine gewisse Unreife attestiert hatte, stuften die Oberrichter als schlicht unbrauchbar ein. Der neue Bericht sollte sich vor allem mit der Rückfallgefahr für neue Delikte befassen, führte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti aus. Erst dann sei der Fall spruchreif. Das Muster des Würgens habe das Obergericht aufhorchen lassen, sagte Marti. Zum Schluss warnte er den Angeklagten vor neuen Gewaltausbrüchen. «Wir haben den Beschuldigten heute als guten Verkäufer erlebt, doch wir wissen nicht, was wirklich dahinter steckt», schloss Marti die Verhandlung.