Zu viele Widersprüche

05. Februar 2011 08:00; Akt: 04.02.2011 18:49 Print

Freispruch für Winterthurer Buschauffeur

von Attila Szenogrady - Laut Anklage hat ein Winterthurer Buschauffeur seine peruanische Ehefrau nicht nur mit einer Pistole bedroht, sondern auch vergewaltigt. Aufgrund von zahlreichen Widersprüchen der Geschädigten kam es vor Obergericht zu einem umfassenden Freispruch.

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Am Nachmittag vom 3. Juni 2008 erlebte ein Winterthurer Buschauffeur eine böse Ueberraschung. Er wurde unmittelbar nach seinem Dienst von der Polizei festgenommen und in Untersuchungshaft versetzt. Der Grund: Der heute 57-jährige Schweizer soll seine um fünf Jahre jüngere Ehefrau aus Peru nicht nur mittels seiner Pistole mit dem Tode bedroht, sondern auch bereits im Frühjahr 2005 in der gemeinsamen Winterthurer Wohnung vergewaltigt haben. Dies hatte die Frau der Polizei erzählt.

Massive Vorwürfe

Der verdächtige Man n wurde zwar nach 17 Tagen wieder aus der Haft entlassen. Trotzdem leitete die Staatsanwaltschaft eine umfangreiche Strafuntersuchung ein. Diese mündete im Februar 2010 in einer Anklageschrift. Demnach hatte der Beschuldigte am 3. Juni 2008 seine Frau mit einer Pistole bedroht und ihr erklärt, dass er sie umbringen werde. Der zweite Vorwurf lag drei Jahre weiter zurück. Danach hatte der der Buschauffeur die Geschädigte nach einem Streit im Schlafzimmer zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

Der Strafantrag der Anklagebehörde fiel mit 13 Monaten auf Bewährung dennoch recht milde aus. Bereits am Bezirksgericht Winterthur wurde im letzten Mai klar warum. So stand die Anklage auf so sehr schwachen Füssen, dass es zwingend zu einem umfassenden Freispruch kam.

Zerrüttete Ehe

Am Donnerstag stand die umstrittenene Angelegenheit nach einer Berufung der Geschädigten vor Obergericht zur Debatte. Dabei zeigte sich, dass die inzwischen geschiedene Ehe bereits seit Ende 2004 arg zerrüttetet war. Der Angeklagte hatte sich damals mehrere Liebhaberinnen zugelegt und lebte nach seinen Angaben mit seiner Gattin nur noch in einer Wohngemeinschaft zusammen.

Auch am 3. Juni 2008 hielt sich eine Freundin des Chauffeurs in der ehelichen Wohnung auf. Der Beschuldigte bestätigte, dass es deshalb zu einem Streit mit seiner Frau gekommen sei. Er habe sie aber niemals mit einer Pistole bedroht. Auch die frühere Vergewaltigung sei eine Erfindung, sagte er und liess seinen Verteidiger Peter Bettoni auf einen vollen Freispruch plädieren.

Zu viele Widersprüche

Mit Erfolg. So kamen auch die Oberrichter zu einem vollen Freispruch und lasteten der Geschädigten zu viele Wiedersprüche an. Vor allem bei der Vergewaltigung, welche das Opfer auf das Frühjahr 2005 datiert hatte. Der Schönheitsfehler war dabei, dass es sich damals längere Zeit alleine in Südamerika aufhielt. Beim angeblichen Vorfall mit der Pistole hatte die Freundin des Angeklagten als Zeugin erklärt, dass sie keine Waffe gesehen habe. Die Frau war unmittelbar nach der Verhaftung des Angeklagten einvernommen worden. Womit eine Absprache ausgeschlossen war. Der Gerichtsvorsitzende Peter Marti fand es zudem seltsam, dass die Geschädigte nach der angeblichen Vergewaltigung noch keine Strafanzeige eingereicht hatte. Gemäss ihren Angaben aus Angst vor ihrem Mann. Drei Jahre später habe sie dennoch Anzeige erstattet. Obwohl sie diesmal gar mit dem Tode bedroht worden sei.

Der freigesprochene Mann erhielt eine Genugtuung von 3400 Franken. Die Geschädigte muss dagegen die Berufungsgebühr von 3000 Franken tragen und ihrem Ex-Mann eine Prozessentschädigung von 6900 Franken entrichten.