Winterthur

18. März 2016 14:15; Akt: 18.03.2016 15:19 Print

Fünf Frauen geschlagen und sexuell missbraucht

von Attila Szenogrady - Ein südamerikanischer Frauenquäler aus Winterthur muss für vier Jahre hinter Gitter. Nebst seiner Ehefrau hat er auch vier Freundinnen geschlagen und genötigt.

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Der Prozess fand am Zürcher Obergericht statt. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Unter «Todesangst» meldete sich am 10. September 2013 eine heute 23-jährige Frau aus Winterthur bei der Polizei und erstattete Anzeige gegen ihren gewaltbereiten Freund: Er habe sie geschlagen, gewürgt und sexuell missbraucht. Die Fahnder nahmen die Vorwürfe ernst und verhafteten den heute 47-jährigen Mann bereits am nächsten Tag. Es handelte sich um einen Temporär-Angestellten aus Venezuela, der zunächst seine Unschuld beteuerte.

Allerdings entpuppten sich die Behauptungen des Südamerikaners als wenig glaubhaft. Die Ermittlungen der Polizei brachten gar eine erschreckende Serie eines manipulativen und sadistischen Frauenquälers ans Licht. So konnten die Untersuchungsbehörden gleich vier weitere Opfer des Beschuldigten ausfindig machen. Unter ihnen seine Schweizer Ex-Frau, die er bereits 1999 geheiratet hatte und mit der er in die Region Winterthur gezogen war. Auch die heute 41-jährige Ehefrau hatte er damals unterdrückt und krankhaft kontrolliert.

Sadistischer Frauenquäler

Zudem kam es regelmässig zu sexuellen Übergriffen, indem er immer wieder an der schlafenden Geschädigten den Analverkehr vollzog, obwohl sie sich dagegen klar ausgesprochen hatte. Nach der Scheidung lebte der Beschuldigte mit einer heute 29-jährigen Schweizerin in Winterthur zusammen – wobei er auch diese Frau sexuell nötigte, schändete und ihr eine Rippe brach.

Im Januar 2010 fand die erschreckende Serie eine Fortsetzung, als der Täter mit einer bekannten Winterthurer Maskenbildnerin zusammenzog und auch diese wiederholt zusammenschlug: «Zuerst lief alles tipptopp, dann legt es bei ihm einen Schalter um und er prügelt auf einen ein», erinnerte sich die Künstlerin später bei der Polizei an diese Zeit. Im Sommer 2011 lebte der eifersüchtige Macho mit einer weiteren Schweizerin zusammen. Auch sie wurde von ihm wiederholt im Schlaf geschändet.

Vier Jahre Freiheitsstrafe

Nach einer Untersuchungshaft von 184 Tagen musste sich der Beschuldigte im April 2015 zunächst am Bezirksgericht Winterthur verantworten. Er machte dort vergebens ein Komplott und einen Rachefeldzug seiner Ex-Partnerinnen geltend.

Er wurde aufgrund der glaubhaften Belastungen der Geschädigten wegen mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher Schändung, mehrfacher Körperverletzung, Tätlichkeiten, Drohungen und weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Nur sechs Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte sich vergeblich für gewichtige Teilfreisprüche sowie eine wesentlich mildere Strafe von neun Monaten Gefängnis auf Bewährung eingesetzt.

Urteil rechtskräftig

Der Beschuldigte legte Berufung ein und sollte sich diese Woche am Zürcher Obergericht verantworten. Allerdings zog er seine Anträge am letzten Montag überraschend zurück. Womöglich befürchtete er wegen einer Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft eine höhere Freiheitsstrafe. Jedenfalls ist das Urteil jetzt rechtskräftig, wie das Obergericht am Freitag eröffnete.

Demnach muss der Beschuldigte den Opfern hohe Schmerzensgelder bezahlen. Dem Hauptopfer und Anzeige-Erstatterin muss er 12'000 Franken entrichten. Seiner Ex-Frau soll er 5000 Franken Genugtuung bezahlen. Auch die weiteren Geschädigten erhalten Abfindungen. Nach der Haftverbüssung muss der Beschuldigte mit seiner Ausschaffung aus der Schweiz rechnen.