Bluttat in Würenlingen AG

10. Mai 2015 06:51; Akt: 10.05.2015 13:39 Print

Fünf Menschen wurden durch Schüsse getötet

In der Nacht kam es in einem Wohnquartier in Würenlingen zu einer Schiesserei, bei der mehrere Erwachsene getötet wurden. Der Fall passe in kein typisches Schema, so die Polizei.

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In einem Wohnquartier in Würenlingen kam es in der Nacht auf Sonntag, 10. Mai 2015, zu einem Tötungsdelikt. In diesem Haus am Langackerweg tötete Simon B. drei Personen mit mehreren Schüssen. Insgesamt starben fünf Erwachsene. Unter den Toten ist auch der Täter selbst. Das Haus (rechts im Bild) gehört den Schwiegereltern des Täters. Es handle sich um ein «aussergewöhnlich schlimmes Verbrechen», sagt ein Kapo-Sprecher. Der Tatort befindet sich in einem beschaulichen Quartier mit Einfamilien- und kleinen Mehrfamilienhäusern. Die Bluttat spielte sich an zwei Tatorten ab. Der zweite befand sich im Freien, wo der Täter sein Auto parkiert hatte. Er erschoss dort einen Nachbarn seiner Schwiegereltern, den 46-jährigen verheirateten Thierry K. Danach richtete er sich selbst. Laut Polizei war Thierry K. ein Zufallsopfer und befand sich vermutlich im Garten, als es zum Delikt kam. Die Angehörigen widersprechen: Es sei wenige Wochen zuvor zu einer Auseinandersetzung zwischen Simon B. und Thierry K. gekommen bei der die Polizei kommen musste. Drei Tage später wurde Simon B.s Wohnung durchsucht und er in die Psychiatrie eingewiesen. An der Pressekonferenz am Sonntagnachmittag informierte die Polizei über die Tat: Michael Leupold, Polizeichef Kanton Aargau (l.), Oberstaatsanwalt Daniel von Däniken und Kripochef Markus Gisin (r.). Nach Angaben der Polizei tötete der 36-jährige Täter am ersten Tatort seine Schwiegermutter (57), seinen Schwiegervater (58) und seinen Schwager (32). Danach traf er am zweiten Tatort auf einen 46-jährigen Nachbarn, erschoss diesen und richtete sich dann selbst. Ob es sich bei dem vierten Opfer um ein Zufallsopfer handelt, weiss die Polizei zurzeit noch nicht. Anwohner informierten die Polizei am Samstag kurz nach 23 Uhr über Schüsse. Im Freien sowie in einem Wohnhaus entdeckten die Beamten daraufhin mehrere leblose Menschen. Beim Tötungsdelikt handelt es sich um ein Beziehungsdelikt. Der Täter war der Polizei «einschlägig» bekannt. Laut Polizei fiel eine grosse Anzahl Schüsse. Die Kantonspolizei war die ganze Nacht mit einem Grossaufgebot im Einsatz und hat intensive Ermittlungen aufgenommen. Der im Kanton Schwyz wohnhafte Täter ist verheiratet und hat drei Kinder. Er lebte getrennt von seiner Frau und seinen Kindern. Sowohl der Täter als auch seine Familie waren fürsorgerisch untergebracht.

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Gegen 23.15 Uhr fielen am Samstag in einem Wohnquartier in Würenlingen AG Schüsse. Der Knall sei so laut gewesen, dass man hätte meinen können, die Schüsse seien im Nebenzimmer gefallen, sagt ein Anwohner zu 20 Minuten. Mehrere Nachbarn sagen, sie hätten erst drei Schüsse vernommen, danach zwei weitere.

Die alarmierte Polizei fand am Langackerweg im Freien sowie in einem Wohnhaus mehrere leblose Personen vor, wie es in einer Mitteilung der Kantonspolizei Aargau vom Sonntagmorgen heisst.
Laut Anwohnern gab es insgesamt fünf Todesopfer – darunter Vater, Mutter und Sohn der Familie L.*, der Sohn einer Nachbarsfamilie und eine weitere Person. Die Polizei sagte bisher noch nichts zur genauen Zahl der Getöteten.

Der Täter ist offenbar unter den Toten

Der Rettungsdienst konnte laut der Polizei bei allen Personen nur noch den Tod feststellen. Nachbarn spechen von zwei oder drei Menschen, die im Freien lagen. Ausserdem habe die Polizei nach ihrem Eintreffen in einem Nachbarhaus jeden Winkel durchsucht – wohl auf der Suche nach dem Täter.

Die Abklärungen zur Identität der Betroffenen, alles Erwachsene, seien im Gang, teilt die Polizei mit.Die Umstände des Verbrechens und mögliche Motive seien noch unklar. «Die Situation ist verworren», so Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau, zu Tele M1. Offenbar geht die Polizei mittlerweile nicht mehr davon aus, dass der Täter noch flüchtig ist. Auf die Frage, ob jemand festgenommen wurde, sagte Graser dem Lokalsender «Radio Pilatus», es sei davon auszugehen, dass der Täter sich unter den Toten befinde. Das werde derzeit rechtsmedizinisch überprüft. «Der Täter hat sich offenbar selber gerichtet», so Graser.

«Aussergewöhnlich schlimmes Verbrechen»

Kinder seien zu keiner Zeit in Gefahr gewesen, sagt Graser auf Anfrage von 20 Minuten. Bei den Opfern seien «verwandtschaftliche Aspekte vorhanden, aber nicht nur».

Es handle sich um ein «aussergewöhnlich schlimmes Verbrechen, atypisch für ein solch beschauliches Wohnquartier», sagt Graser. Der Fall passe in kein Schema und der Polizei seien noch nicht alle Zusammenhänge klar.

Die Kapo war die ganze Nacht mit einem Grossaufgebot im Einsatz. Die Staatsanwaltschaft hat vor Ort eine Strafuntersuchung eröffnet. Weitere Informationen gibt die Polizei am Sonntagnachmittag an einer Medienkonferenz in Aarau bekannt.

Update folgt...

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*Name der Redaktion bekannt.

(vro/kko/ann/lüs/sda)