Aargau

13. Dezember 2019 11:02; Akt: 13.12.2019 11:02 Print

Fünf Personen positiv auf Tuberkulose getestet

Bei den Untersuchungen der Lungenerkrankung an Aargauer Schulen wurden 63 Personen getestet. Fünf sind infiziert, jedoch nicht ansteckend.

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Die Eltern einer vierten Klasse der Schule Suhr haben im September 2019 diesen Brief erhalten. Im Schreiben heisst es: «Eine Ansteckungsgefahr besteht bei Personen, die mehr als 8 Stunden während der letzten 2 Monate mit der erkrankten Person in einem Raum verbracht haben. Da Ihr Kind diese Kontaktzeit zur erkrankten Person erfüllt, muss ein Bluttest durchgeführt werden, damit festgestellt werden kann, ob eine Ansteckung stattgefunden hat.» Das Mädchen der vierten Klasse ist an Lungentuberkulose erkrankt. Die Tuberkulose ist eine durch hustende Erkrankte über die Raumluft übertragbare Krankheit. Vom Tuberkulose-Fall betroffen: die Schule Suhr. Im selben Monat wurde zwei Fälle publik: An der Brugger Berufsfachschule Gesundheit und Soziales und der Kreisschule Mittleres Wynental. Gesamtschulleiterin in Suhr Denise Widmer sagt zu den Vorwürfen, dass der Vorfall nicht kommuniziert wurde: «Wir haben sämtliche Leute informiert, die informiert werden mussten.» Zudem seien sämtliche Anliegen, die an die Schule getragen worden seien, aufgenommen, ernst genommen und an die Fachpersonen weitergeleitet worden. «Wir haben uns bei der Kommunikation und bei den Massnahmen auf die Fachleute abgestützt, die uns eng begleiten.» Laut dem Bundesamt für Gesundheit ist Tuberkulose mit speziellen Antibiotika über Monate meist gut behandelbar. Ohne Behandlung verläuft sie, nach einer meist längeren Erkrankung, oft tödlich. An der Kreisschule Mittleres Wynental, zu der das Dorf Unterkulm AG gehört wurden die Eltern ebenfalls per Brief über einen Tuberkulose-Fall informiert.

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Im Kanton Aargau sind im September drei Fälle von an Lungentuberkulose erkrankten Schülerinnen und Schülern bekannt geworden. Fünf Personen wurden in der Folge positiv auf Tuberkulose getestet. Gemäss Angaben des Regierungsrats kam es bei diesen Personen zu keinen Erkrankungen.

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Bei den sogenannten Umgebungsuntersuchungen an den Schulen Suhr, Oberkulm und Brugg wurde das Blut von insgesamt 63 Personen getestet. Bei allen fünf Personen mit positivem Test handle es sich um infizierte, jedoch nicht erkrankte und damit nicht ansteckende Personen.

Das schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort vom Freitag zu einer Interpellation aus den Reihen der SVP.
Ob sich die Personen bei den aktuell erkrankten Mitschülerinnen und Mitschülern angesteckt hätten, könne nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es sei nicht auszuschliessen, dass eine Ansteckung bereits zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt sei, hält der Regierungsrat fest.

Eine Ansteckung ist erst nach zwei Monaten nachweisbar.
Im September hatte die Gesamtschulleitung von Suhr in einem Schreiben an 1350 Eltern über die Erkrankung einer Schülerin an der vierten Primarschulklasse informiert. Danach wurden noch je ein Fall an Schulen in Oberkulm und Brugg öffentlich bekannt.

Tuberkulose-Fälle sind selten

Tuberkulose-Fälle an Schulen sind gemäss Regierungsrat selten. Sie kämen aber jedes Jahr immer wieder vor. In diesem Jahr seien noch zwei weitere Personen, die Aargauer Schulen besuchten, an Tuberkulose erkrankt.

Im Aargau wurden in diesem Jahr mindestens 26 Tuberkulose-Fälle den Behörden gemeldet. 2018 wurden 34 Fälle der meldepflichtigen Krankheit registriert, im Jahr zuvor 41. Mehrheitlich sind Ausländer betroffen.
In der aktuellen Situation sieht der Regierungsrat nach eigenen Angaben keinen Anlass, die bestehenden Abläufe bei Tuberkulose-Fällen zu ändern oder zusätzliche Massnahmen zu ergreifen.

550 Erkrankungen pro Jahr

Schweizweit kommt es gemäss Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) pro Jahr zu rund 550 Erkrankungen. Vor Jahrzehnten war Tuberkulose in der Schweiz sehr verbreitet.
Tuberkulose ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit. In den meisten Fällen kommt es zu einer Erkrankung der Lunge, zum Teil sind jedoch auch andere Organe betroffen.

Ansteckend ist eine erkrankte Person einzig, wenn sie an einer Lungentuberkulose erkrankt ist und bakterienhaltige Tröpfchen ausgehustet werden. Tuberkulose ist keine höchstansteckende Erkrankung wie zum Beispiel eine Grippe oder Masern.

Ein relevantes Risiko einer Infektion besteht nur bei Kontaktpersonen, die sich insgesamt über längere Zeit mit einer ansteckenden Person im gleichen Raum aufhalten.

Klare Abläufe

In der Schweiz sorgen gemäss Aargauer Regierungsrat die Ärzteschaft, die Apotheken, die Kantonsärzte zusammen mit den kantonalen Lungenligen sowie der Bund für eine adäquate Diagnostik und Behandlung von Tuberkulose-Erkrankten und für die Abklärungen von möglichen Ansteckungen in deren Umfeld.

Die Abläufe beim Auftreten von Tuberkulose-Erkrankungen seien seit Jahren gut etabliert. Umgebungsuntersuchungen zur Ermittlung von angesteckten Personen führte die Lungenliga Aargau in Absprache mit dem Kantonsärztlichen Dienst und den behandelnden Ärzteschaft durch.

Die Tuberkulose-Fachstelle der Lungenliga habe langjährige Erfahrung und nehme diese Abklärungen mit grossem Know-how und Engagement vor. Die gesetzlich vorgegebene Meldepflicht sowie die laufende epidemiologische Überwachung erlaubten es, die Wirksamkeit der Massnahmen kontinuierlich zu überprüfen und wenn nötig weitere Massnahmen zu ergreifen, hält der Regierungsrat weiter fest.

(kat/sda)