Bezirksgericht Dietikon

11. Juli 2014 10:06; Akt: 11.07.2014 10:10 Print

Für Luxus Geld von Versicherten abgezweigt

Ferrari, Porsche, Bentley – um sich ein Leben in Saus und Braus zu gönnen, schädigten zwei Zürcher Stiftungsräte eine Pensionskasse um Millionen. Das Gericht verurteilte sie nun.

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Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte die beiden Männer zu je drei Jahren Freiheitsstrafe. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Ihr Lebensstil war luxuriös: Die beiden in der Schweiz aufgewachsenen Italiener im Alter von 45 und 46 Jahren leisteten sich teure Uhren, Rennsportkurse, Ferien und Autos. Laut Medienberichten besass der eine zwei Ferraris, einen Bentley und einen Audi A8 – der andere zwei Porsches und zwei Ferraris. Doch inzwischen weht ein anderer Wind: Im März 2013 flog auf, wie die beiden im Kanton Zürich wohnhaften Männer das Ganze finanziert hatten. Sie bedienten sich an den Altersguthaben von Versicherten. Das Duo sass im Stiftungsrat der Sammelstiftung Fortius, die rund 4000 Versicherte umfasst.

Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte die Männer am Donnerstag unter anderem wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung zu je einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, wie die «NZZ» schreibt. Sie müssen aber nicht ins Gefängnis. Die je 270 Tage, in denen sie in Untersuchungshaft sassen, erklärte das Gericht als vollziehbar, der Rest wird bedingt aufgeschoben. Es segnete damit einen Urteilsvorschlag ab, dem ein Deal zwischen Verteidigung und Anklage vorausgegangen war. Beide Männer haben Geständnisse abgelegt, wonach sie je drei Millionen Franken unrechtmässig bezogen hatten. Der Prozess fand im abgekürzten Verfahren statt.

Beide sind jetzt arbeitslos

Gemäss Anklage veranlassten die Verurteilten als Stiftungsräte «wiederholt wirtschaftlich unsinnige Dispositionen». Zudem spekulierten sie mit Immobilien, betrieben ein komplexes Firmengeflecht und berechneten der Pensionskasse viel zu hohe Verwaltungskosten. Das Gericht stellte gemäss «NZZ» in der Urteilseröffnung ein «durchaus schweres Verschulden» fest. Das milde Urteil wurde als «vertretbar» bezeichnet, weil durch das Geständnis und die Kooperation der Beschuldigten das Verfahren «namhaft entlastet» worden sei.

Durch die sichergestellten Vermögenswerte könne man den Schaden wohl decken, meinte der Richter. Allerdings werden die Kosten der amtlichen Verteidigungen, die rund 102'000 Franken betragen, vorerst durch die Staatskasse gedeckt. Die Täter müssen dies zurückzahlen, so sie denn wieder zu Geld kommen. Die beiden Familienväter sind arbeitslos. Sie würden finanziell von ihren Familien unterstützt. Der 45-Jährige gab als Beschäftigung an, er passe jetzt auf die Kinder auf.

(rom)