Würenlingen AG

21. Februar 2020 16:16; Akt: 22.02.2020 02:08 Print

Für jedes Absturz-Opfer eine Kerze angezündet

Vor 50 Jahren ist in Würenlingen AG eine Swissair-Maschine abgestürzt. Im Flugzeug war eine Bombe explodiert. Am Freitag fand ein Gedenkanlass statt.

Viele Personen haben am Gedenkanlass in Würenlingen teilgenommen. (Video: Keystone-SDA/Tamedia)
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In einem Waldstück in Würenlingen AG ist am Freitag der 47 Opfer des Bombenanschlags auf eine Swissair-Maschine vor 50 Jahren gedacht worden. Die Teilnehmenden des privat organisierten Gedenkanlasses legten Kränze und Gebinde nieder. 47 Kerzen wurden angezündet.

Die vielen Besucher zeigten, dass der Tag nicht vergessen werde, sagte Ruedi Berlinger, Mitorganisator des Gedenkanlasses und Sohn des beim Absturz getöteten Flugkapitäns.

Es gehe um das Gedenken und nicht um Geschichtsaufarbeitung oder um politische Abrechnungen, sagte Arthur Schneider, langjähriger Gemeindeammann von Würenlingen und Mitorganisator. Die Angehörigen der Opfer erwarteten jedoch weiterhin Antworten zu den Hintergründen des Attentats. «Wir kämpfen weiter für Gerechtigkeit und gegen das Vergessen», sagte er.

Der Absturz von Würenlingen

Schneider erinnerte daran, dass es für die Angehörigen vor 50 Jahren kein Care-Team gegeben habe. Trost und Anteilnahme hätten gegenseitig angeboten werden müssen. Bundesstellen, Parlament und Bundesanwaltschaft hätten kein Mitgefühl gezeigt, hielt er fest. Die Angehörigen der Opfer seien die «Helden von Würenlingen».

Wunsch nach Aufklärung

Der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati sagte in einem Grusswort, der Absturz der Swissair-Maschine sei der bis heute grösste Terroranschlag, den die Schweiz getroffen habe. Leider sei es den Bundesbehörden nicht gelungen, die Verantwortlichen des Attentats zur Rechenschaft zu ziehen und die Hintergründe vollständig aufzuklären. Der Aargau habe alles in seiner Macht stehende getan, damit die Hintergründe aufgeklärt würden.

Unter den 47 Opfern waren auch 15 israelische Staatsbürger. Am Gedenkanlass nach 50 Jahren wurde unter anderem das jüdische Totengebet «Kaddish» vorgetragen. Ein katholischer Seelsorger und ein reformierter Pfarrer sprachen Gebete.

«Unschuldige Opfer eines Terroranschlags»

Jacob Keidar, Botschafter Israels in Bern, sagte, man gedenke jedem einzelnen der 47 Menschen. Israel werde die Opfer nie vergessen. Er schliesse sich der Hoffnung auf Informationen an, die vielleicht mehr Licht ins Dunkel zu den Hintergründen bringen könnten.

Die Passagiere und die Besatzung seien die unschuldigen Opfer eines Terroranschlags, der vom Generalkommando der Volksfront für die Befreiung Palästinas durchgeführt worden sei. Dieser mörderische Terroranschlag sei Teil einer sehr langen Liste von bösartigen Anschlägen gegen Zivilisten.

Das war passiert

Vor 50 Jahren, am 21. Februar 1970, war in Würenlingen AG die Swissair-Maschine auf dem Flug nach Tel Aviv abgestürzt. Der Swissair-Flug SR330 startete um 13.14 Uhr auf dem Flughafen Zürich-Kloten. Neun Minuten nach dem Abheben des Flugzeugs Convair CV-990 (Coronado) mit dem Namen «Nidwalden» explodierte auf einer Höhe von 4500 Metern über Meer im hinteren Laderaum eine Bombe.

Der Kapitän Karl Berlinger meldete den Druckabfall und wollte zurück nach Kloten. Das gelang nicht – und die Swissair-Maschine stürzte in den Wald in Würenlingen. Die Bombe war in München mit einem Luftpostpaket nach Jerusalem aufgegeben worden. Vor ihrem letzten Flug war die Swissair-Maschine von München kommend um 11 Uhr in Zürich-Kloten gelandet. Die Bombe im Paket war mit einem Höhenmesser auf einer bestimmten Höhe gezündet worden.

Die Hintergründe des Attentats wurden in der Öffentlichkeit nie restlos geklärt. Im August 2018 hielt die Bundesanwaltschaft fest, das Strafverfahren zum Flugzeugabsturz sei verjährt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marko 34 am 21.02.2020 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich diese Tat

  • Pyrat am 21.02.2020 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verjährung

    Wie kann ein Anschlag oder ein Mord verjähren - unglaublich

  • Unvergessliches Andenken am 21.02.2020 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Terroristen u. Mörder

    Sowas verjährt nie! Unsere Behörden sollen sich schämen ein Verjährungsaufschub verpasst zu haben. Das gleiche Beschähmnis ist die Aktenvernichtung der Kristallhöhlenmorde. Diese Familien der beiden Mädchen haben immer noch u. ebenfalls eine Aufklärung zu gut.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Neumann am 21.02.2020 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich diese Tat.

  • Rechtsstaatlichkeit vs. Ungerechtigkeit am 21.02.2020 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schreckliche Menschheit

    Schrecklicher Vorfall, auch der Neuste in Hanau oder auch der von Baruch Goldstein etc, Gewalt ist Schrecklich. Das Leben wäre so schön und es hätte berechtigterweise genug Platz für alle um in Ruhe mit- und führeinander zu Leben dürfen..

  • Besen am 21.02.2020 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allein gelassen...

    Schön, dass sie mit Kerzli anzünden der Absturz-Opfer gedenken. Eine traurige Begebenheit dieser Absturz und dessen Grund dafür. Aber dass es damals nicht einmal Hilfe für die Angehörigen der Opfer gab, ist eine Schande. Gut sieht man das Jahre danach auch so. Unbegreiflich! Zum Glück wäre so etwas heute undenkbar ohne ein Care Team! Eine Schande auch von Parlament, Bundesstellen und Bundesanwaltschaft!

  • Zugo am 21.02.2020 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verjährung, was soll das?

    Warum ein solcher Terroranschlag "verjähren" kann, ist mir persönlich ein Rätsel, den Angehörigen gegenüber ein Affront und die Terroristen machen die Schweiz zur Lachnummer! Ich kann und will das nicht verstehen.

    • Neumann am 22.02.2020 02:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zugo

      Ganz einfach, drei Geheimdienste habens verschlampt durch Fehlinfos und demzufolge falschem Handeln. Darum wirds nie aufgeklärt werden, das soll es eben nicht.

    einklappen einklappen
  • Neumann am 21.02.2020 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Schrecklich diese Tat.