Bezirksgericht Zürich

09. Juli 2014 19:44; Akt: 09.07.2014 19:57 Print

Fussballer onaniert im Auto – Busse kassiert

von Attila Szenogrady - Ein Fussballer hat beim Zürcher Juchhof-Sportplatz im Auto onaniert. Das Gericht büsst den Sportler nun wegen sexueller Belästigung. Eine Zeugin hatte die Polizei eingeschaltet.

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Der Sportplatz Juchhof in Zürich-Altstetten hier ereignete sich der Vorfall. (Bild: Google Street View)

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«Ich habe so etwas nicht nötig», erklärte der Beschuldigte am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich. Anders sah es die Staatsanwaltschaft, die in ihrer Anklage einen Vorfall vom 20. Oktober 2013 auf dem Altstetter Fussballplatz Juchhof 2 schilderte. Damals besuchte der Spieler eines Limmattaler Fussballclubs am Nachmittag ein Fussballspiel und parkierte seinen Personenwagen mit der Front in Richtung Spielfeld. Da es regnete, verblieb der Beschuldigte in seinem Fahrzeug.

Am Spielfeldrand befand sich eine Zuschauerin, die während des Spiels ihrem Freund zuschaute. Als sie plötzlich das Geräusch eines Scheibenwischers hörte, drehte sie sich um und erschrak. So erblickte sie, wie der Beschuldigte in seinem Wagen an seinem entblössten Glied herum hantierte und sich selber befriedigte. Laut Anklage übte der Unhold diese Tätigkeit über zehn Minuten lang aus. Die verängstigte Geschädigte drehte sich wiederholt um und fotografierte mit ihrem Handy das Tatfahrzeug. Später informierte sie die Polizei.

Nur uriniert?

Die Staatsanwaltschaft leitete eine Strafuntersuchung ein und stufte dabei die Belastungen der Zeugin als glaubhaft ein. Mit der Folge, dass der zuständige Untersuchungsrichter trotz der vehementen Bestreitungen des verdächtigen Fussballers im letzten März Anklage erhob. Nicht nur wegen Exhibitionismus, sondern auch wegen sexueller Belästigung. Der Antrag des Anklägers lautete auf eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 80 Franken sowie auf eine Busse von 600 Franken.

Der Beschuldigte beteuerte vor Gericht seine Unschuld und machte ein Missverständnis geltend. Er habe zuerst neben seinem Fahrzeug uriniert. Danach habe er im Autositz seinen Penis mit einem Feuchttüchlein geputzt. Dieser Vorgang habe etwa 30 Sekunden lang gedauert, gab er zu Protokoll. Eine Selbstbefriedigung wies er zurück. So sitze er mit seiner Frau nicht immer nur vor dem Fernseher, erklärte er.

Der Zeugin geglaubt

Zum Schluss kam das Gericht zu einem Schuldspruch wegen sexueller Belästigung und verurteilte den Fussballer zu einer Busse von 500 Franken. Zudem soll er die Gerichtkosten von 1 200 Franken tragen. «Die Zeugin konnte die Masturbationsbewegungen erkennen», führte der Einzelrichter dazu aus. Besonders da die Parkplätze beim Juchhof 2 laut Urteil tiefer liegen, als der Zuschauerbereich. Zudem spreche auch die Zeitdauer gegen die Version des Beschuldigten. So habe die Frau den Sportler nicht nur für wenige Sekunden, sondern über eine längere Dauer gesehen.

Dass das Gericht den Exhibitionismus als nicht erstellt einstufte, war für den Mittzwanziger nur ein schwacher Trost. So habe der Beschuldigte niemanden in Aufregung versetzen wollen. Ihm sei es vielmehr egal gewesen, erklärte der Gerichtsvorsitzende zum Schluss. Der verurteilte Fussballer kann den Fall an das Obergericht weiterziehen.