«Schande von Zürich»

19. Oktober 2012 00:17; Akt: 19.10.2012 01:43 Print

GC-Fan wurde Fanhalstuch zum Verhängnis

von Attila Szenogrady - Im Nachgang zum abgebrochenen Zürcher Skandalderby vom 2. Oktober 2011 wurde nun auch ein GC-Fan verurteilt. Der angehende Politikwissenschaftler hatte sich nach Ansicht des Gerichts vermummt.

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Skandalderby vom 2. Oktober 2011: Jetzt wurde ein GC-Fan wegen Vermummung verurteilt.

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Das skandalöse Fussball-Derby beschäftigt immer noch die Zürcher Justiz. Am Donnerstag musste sich ein 30-jähriger Fan des Zürcher Grasshopper Clubs wegen Widerhandlung gegen das Vermummungsverbot vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der Student hatte sich nach dem abgebrochenen Spiel mit einer Gruppe von rund 150 GC-Fans zum GC-Fanlokal in der Heinrichstrasse begeben.

Halstuch in Wildwest-Manier über Mund und Nase gezogen


«Ich ging mit, da wir Angst vor den FCZ-Fans hatten», sagte der Student vor Gericht. Fest steht, dass die angespannte Situation in der Limmatstrasse plötzlich eskalierte. Aufgrund des Gerüchts, dass gegnerische Fans vor dem GC-Lokal aufgetaucht seien, griffen etliche GC-Fans zu Stecken und Stangen und rannten los.
Ein Polizeivideo zeichnete die hektischen Szenen auf und hielt auch fest, wie sich einige Anhänger vermummten. Laut Anklage auch der Beschuldigte, der sich mit seinem schwarzen GC-Halstuch in Wildwest-Manier das Gesicht verhüllte. Obwohl sich die Lage bald wieder beruhigte, leiteten die Behörden gegen einige der GC-Fans ein Strafverfahren ein.

«Stets erkennbar gewesen»

Das Statthalteramt des Bezirksgerichts Zürich stellte im letzten Januar einen Strafbefehl gegen den Studenten aus. Wegen Widerhandlung gegen das Vermummungsverbot büsste es den langjährigen GC-Fan mit 350 Franken. Hinzu kamen die Verfahrenskosten von weiteren 300 Franken. Der Vater des Verzeigten, ein Rechtsanwalt, legte Einsprache ein und forderte gestern vor dem Bezirksgericht Zürich einen vollen Freispruch.

Der Beschuldigte führte aus, dass er seinen Schal bloss bequemer platziert habe. Er sei immer erkennbar und deshalb nicht vermummt gewesen. Das Gericht liess darauf den Film der Polizei abspielen. Darauf war ersichtlich, dass der Beschuldigte das Halstuch tatsächlich für eine kurze Zeit bis unter die Augen nach oben gezogen hatte. Auf die richterliche Frage, weshalb er die aufgebrachte GC-Gruppe nicht sogleich verlassen habe, konnte er keine Antwort geben. Allerdings distanzierte er sich deutlich von jeglicher Gewalt im Fussball.

Auch teilweise Vermummung ist strafbar

Der Verteidiger machte geltend, dass sein Sohn zu keinem Zeitpunkt komplett vermummt gewesen und deshalb erkennbar gewesen sei. Da irrte er jedoch. Das Gericht kam zu einem Schuldspruch und hielt klipp und klar fest, dass es bereits reiche, wenn wesentliche Teile des Gesichts verdeckt seien. Eine komplette Vermummung sei für einen Schuldspruch nicht nötig. «Der Beschuldigte hat sich im Hinblick auf eine Konfrontation – sei es mit FCZ-Fans oder mit der Polizei – unkenntlich gemacht», zeigte sich der Richter überzeugt und bestätigte die Busse.

Befangenheit muss bei diesem Urteil nicht angenommen werden: Der Gerichtsvorsitzende outete sich als langjähriger GC-Fan.