Blutbad an Goldküste

15. Oktober 2019 04:48; Akt: 15.10.2019 11:16 Print

Galeristensohn B. V. holt sich dritten Staranwalt

von Jennifer Furer - B. V., der seinen Kollegen in Küsnacht getötet hat, hat einen neuen privaten Anwalt. Mit ihm will er vor Obergericht eine mildere Strafe erkämpfen.

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In der Villa seiner Eltern soll der Galeristensohn B. V.* seinen Kollegen A. F.* getötet haben. V. soll laut Anklage am 30. Dezember 2014 mit verschiedenen Gegenständen dem 23-Jährigen den Schädel eingeschlagen haben, dem noch lebenden A. F. eine Kerze in den Mund gerammt und ihn mit seinen Händen erwürgt haben. Der mutmassliche Täter sei zu diesem Zeitpunkt unter dem Einfluss von Ketamin und Kokain gestanden. V. bestritt nie, den Tod seines Freundes bewirkt zu haben.

Das Bezirksgericht Meilen verurteilte B. V. zu einer Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren. Das Gericht befand den Mann auch betreffend eines Vorfalls im Herbst 2014 in einem Londoner Hotelzimmer schuldig: Er soll seine damalige Verlobte vergewaltigt und sexuell genötigt haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es gilt die Unschuldsvermutung.

«Selbstverschuldete Unzurechnungsfähigkeit»

Am 18. November wird der Goldküsten-Fall vor dem Zürcher Obergericht verhandelt. Sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft zogen das erstinstanzliche Urteil weiter. Der Staatsanwalt Alexander Knauss fordert eine Freiheitsstrafe von 16 Jahren. Die Verteidigung findet eine Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren zu hart.

Vor dem Bezirksgericht Meilen plädierte die Verteidigung beim unbestrittenen Tötungsdelikt auf «selbstverschuldete Unzurechnungsfähigkeit». Die Verteidigung beantragte keine bestimmte Höhe der Freiheitsstrafe, diese würde im Ermessen des Gerichts liegen.

Private Anwälte

Vor dem Zürcher Obergericht geht es um viel. Das zeigt nun auch der Fakt, dass B. V. für seine Verteidigung einen Staranwalt engagiert hat: Thomas Fingerhuth. Er ist unter anderem für die Investigo AG tätig, die den Ex-Credit-Suisse-Mitarbeiter und Top-Banker Iqbal Khan beschattete.

Damit verfügt der Galeristensohn B. V. nun über drei Staranwälte. Nebst Fingerhuth wird er vor Obergericht von Thomas Sprenger verteidigt. Er ist unter anderem Anwalt von Urs Schwarzenbach, Kunstsammler und Besitzer des Hotels Dolder. Das Trio komplett macht der bekannte Medienanwalt Andreas Meili. Alle drei Staranwälte werden privat von Familienangehörigen von B. V. finanziert.

Amtlicher Verteidiger vor Bezirksgericht

Vor Bezirksgericht wurde B. V. vom privaten Verteidiger Thomas Sprenger und einem amtlichen Verteidiger vertreten. Dieser wurde dem Beschuldigten vom Staat zur Verfügung gestellt. Sprich: Die Kosten für den amtlichen Verteidiger übernimmt vorerst die Gerichtskasse, die vom Steuerzahler berappt wird. Laut der Strafprozessordnung muss eine beschuldigte Person, wenn sie zu den Verfahrenskosten verurteilt wird, dem Kanton die Entschädigung zurückzahlen. Dieser Anspruch verjährt nach 10 Jahren.

Als B. V. mit Thomas Sprenger einen privaten Verteidiger vor dem Prozess am Bezirksgericht Meilen engagierte, habe er den amtlichen Verteidiger nicht einfach entlassen können, sagt der neue Verteidiger Thomas Fingerhuth. «Das ist nicht Sache des Beschuldigten, sondern des Gerichts. Im vorliegenden Fall hat das Bezirksgericht Meilen entschieden, den amtlichen Verteidiger trotz des zusätzlichen privaten Anwalts nicht zu entlassen.»

Nicht unzufrieden mit amtlichen Verteidiger

Wie Thomas Fingerhuth sagt, sei dies erfolgt, weil man den Prozess nicht habe gefährden und die Verteidigung für B. V. habe sicherstellen wollen. «Wäre der private Verteidiger abgesprungen und es hätte keinen amtlichen Rechtsbeistand gegeben, hätte der Prozess verschoben und ein neuer Verteidiger gesucht werden müssen», sagt Fingerhuth. Das wäre mit erheblichem Kosten- und Zeitaufwand verbunden gewesen. Das Zürcher Obergericht habe die Lage nun anders eingeschätzt und entschieden, den amtlichen Verteidiger zu entlassen, so Fingerhuth.

Der Anwaltswechsel ist laut Fingerhuth nicht deshalb erfolgt, weil der Beschuldigte mit dem amtlichen Verteidiger unzufrieden gewesen sei. «Manchmal wünscht sich ein Beschuldigter einen neuen Anwalt, weil er sich davon neuen Input erhofft und diesen vor Obergericht präsentieren kann.»

Auf eine schriftliche Anfrage zum Anwaltswechsel und dessen Gründe äussert sich der ehemalige amtliche Verteidiger wie folgt: «Ich bedauere, Ihnen die gewünschte Auskunft nicht geben zu können. Dem Anwaltsgeheimnis untersteht schon die Tatsache, ob ein Mandatsverhältnis besteht oder nicht, weshalb ich Ihnen keine Angaben darüber machen kann.» Bei den zuständigen Gerichten will man sich wegen des hängigen Prozesses nicht äussern.

*Namen der Reaktion bekannt.