Drama in Zürich

02. Juni 2019 14:07; Akt: 02.06.2019 19:59 Print

Geiselnehmer nötigte I. S., bei ihm zu bleiben

Ihr Ex-Freund nahm I. S. (34) als Geisel und erschoss sie. Dies, nachdem sie sich kürzlich getrennt hatten.

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Im Zürcher Kreis 3 nahm der 60-jährige P. C.* seine Ex-Freundin I. S.* (34) und ihre Mitbewohnerin M. S.* (38) am frühen Freitagmorgen als Geiseln. Wenige Stunden darauf erschoss er beide und richtete sich selbst.

Laut einem Familienmitglied von I. S., die ursprünglich aus der Nähe der kosovarischen Kleinstadt Kamenica kommt, hat sich die junge Frau vor wenigen Monaten von ihrem Ex-Freund getrennt: «Ich glaube, dass er sie aus diesem Grund erschossen hat.» In der Familie herrsche Fassungslosigkeit: «Es ist schwer zu begreifen, dass das alles wirklich passiert ist, und sie nicht mehr lebt.»

Die schwerkranken Eltern von I. hätten erst am Freitagabend erfahren, dass eine der Toten ihre Tochter ist. «Die anderen Töchter haben es den Eltern gesagt. Seither ist es kaum möglich, mit ihnen zu reden.» I. habe sieben Schwestern und einen Bruder.

«I. ging auf Distanz»

I. sei eine nette und lustige Person gewesen, mit der man gerne Dinge unternommen hätte: «Sie stand mir näher als meine eigene Schwester», sagt der Bekannte. Ähnlich beschreibt sie eine Freundin: «Sie war ein Engel auf Erden. Sie hat einem immer alles gegeben, war sehr hilfsbereit und hat für ihr Leben gekämpft.» I. sei eine Art «Mama für alle» gewesen: «Sie hat sich immer erkundigt, wie es einem geht und hat es sofort gemerkt, wenn jemand traurig, wütend oder enttäuscht war. Man wusste, bei ihr wird man verstanden und erhält gute Ratschläge.»

Laut dem Bekannten ist I. aber immer mehr auf Distanz gegangen. Begonnen habe das vor rund drei Jahren. Damals habe er auch von der Beziehung erfahren. «Nicht nur mit mir, eigentlich mit allen aus der Familie. Aber auch viele Verwandte gingen auf Distanz zu ihr.» Viele Familienangehörige seien gegen die Beziehung gewesen: «Ihre Eltern waren vor allem dagegen, weil ihr Freund so alt wie ihr Vater war. Sie waren der Meinung, dass sie jemand Besseres verdient. Das zweite Problem war, dass er kein Albaner gewesen ist.»

Beerdigung im Kosovo

Auch habe er erfahren, dass die Beziehung eher schwierig gewesen sei. «Es hiess, dass er sie genötigt hat, mit ihm zusammenzubleiben.» Nach der Trennung habe I. dann bei dem zweiten Opfer M. S. gewohnt. «Seither hat sie auch wieder einen besseren Kontakt zur Familie gepflegt, vor allem zu den Eltern.»

Laut dem Bekannten wird I. im Verlauf der nächsten Woche im Kosovo beerdigt. Noch sei ihr Leichnam in der Autopsie.

*Namen der Redaktion bekannt

(qll)