Bezirksgericht Horgen

25. Juli 2018 13:15; Akt: 25.07.2018 15:13 Print

Koksender Geisterfahrer kassiert Landesverweis

Ein Italiener musste sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Horgen verantworten. Er wurde zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt.

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In seinem Rausch übersah ein 46-jähriger Italiener sechs Einbahntafeln und landete mit seinem Audi so im April 2018 in Trübbach SG auf der falschen Autobahnspur. «Lange habe ich nicht realisiert, dass ich in Gegenrichtung unterwegs bin», sagte der Beschuldigte am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Horgen. Eine Analyse ergab: Er hatte 1,5 Promille sowie Kokain im Blut.

Nur mit Glück kam es bei der nächtlichen Irrfahrt durch vier Kantone nicht zu einem Unfall mit Schwerverletzten oder Toten. Immerhin kamen dem Italiener, dem der Fahrausweis wegen übersetzter Geschwindigkeit für einen Monat entzogen war, etwa 30 Autos entgegen. Auch eine Polizeisperre passierte er ohne anzuhalten.

«Ich träume jede Nacht davon»

Erst nach 86 Kilometern konnten die Beamten den Geisterfahrer in Horgen ZH stoppen und verhaften. Vor dem Richter sagt er, dass er den Fehler ungefähr in Lachen SZ bemerkt habe. «Ich konnte aber nicht wenden, weil dann ein Auto in mich geprallt wäre.» Dass er hätte anhalten können, sei ihm nicht in den Sinn gekommen.

Die Geisterfahrt mit durchschnittlich 143 Kilometern pro Stunde bezeichnet der Maler, der im Januar 2018 wegen Krankheit fristlos entlassen wurde, als Fehler. «Ich träume jede Nacht von Menschen, die Angst hatten, weil ich ihnen entgegenkam. So einen Fehler macht man nur einmal im Leben.»

36 Monate teilbedingt

Den Sachverhalt anerkannte der Beschuldigte vollumfänglich. Der Fall wurde deshalb im abgekürzten Verfahren behandelt. «Meine Lektion habe ich gelernt, das genügt», sagte er zum Schluss der Verhandlung, bei der unter anderem seine Schwiegermutter anwesend war.

Nach einer kurzen Beratung eröffnete das Gericht das Urteil. Es folgte der Anklage und sprach den Italiener wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln schuldig. Der Vater von zwei Töchtern, die mit seiner Ehefrau in Italien leben, wurde zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten, einer bedingten Geldstrafe von 1200 Franken und einer Busse von 500 Franken verurteilt. Zudem sprach das Gericht einen Landesverweis von zehn Jahren aus.

(tam)