Labitzke-Areal Zürich

10. Juli 2014 19:58; Akt: 10.07.2014 20:11 Print

Gemeinderäte machen sich für Besetzer stark

Die Besetzer des Labitzke-Areals in Zürich-Altstetten müssen das Gelände bis Ende Juli verlassen. Jetzt fordern Gemeinderäte den Stadtrat auf, nochmals zu verhandeln.

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Das Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten wurde am 7. August 2014 geräumt. Auch die Feuerwehr war vor Ort. Die Beamten versuchten sich durch ein Nebengebäude einen Zugang zum Areal freizuschweissen ... ... einige Polizisten nahmen den Weg durch die Büsche. Andere kamen übers Dach und verhafteten dort erste Besetzer. Auch er sass hier wohl nicht mehr allzu lange. Die letzten Besetzer hatten sich auf einem Turm verschanzt. Mit Sprechgesängen und Barrikaden versuchten die Besetzer die Räumung zu verhindern. Die Polizei forderte jene auf dem Turm auf, herunterzukommen. Vorerst ohne Erfolg. Zwischendurch gaben die Besetzer Rauchzeichen vom Turm. Einer der Besetzer wurde von einem 12 Meter hohen Holzturm geholt und abgeführt. Ein weiterer Aktivist wurde abgeführt. Auch für diesen Herrn war das Abenteuer vorerst beendet. Hier liessen sich drei Polizisten mit einer Drehleiter in die Höhe fahren, um die Besetzer auf dem Turm zu beobachten. Nun näherten sich die Polizisten dem Turm (links) auch über das Dach des Nebengebäudes. Um kurz nach 11.30 Uhr holte die Polizei einen Besetzer nach dem anderen vom Turm herunter. Auch für sie hatte nun das letzte Stündchen auf dem Areal geschlagen. Hier wurden die letzten Besetzer des Turms von der Polizei abtransportiert. Nun wurden grosse Fahrzeuge in Position gebracht, um das Gebäude zu räumen. Die Journalisten mussten sich mittlerweile hinter den Wasserwerfer begeben. Sympathisanten der Besetzer reagierten mit einer unbewilligten Demo auf der Hohlstrasse - sechs Personen wurden deswegen festgenommen. Die Polizei ist auf das Labitzke-Areal vorgedrungen. Eine erste Person wurde von der Polizei abgeführt. Auch die Feuerwehr und die Sanität waren vor Ort. Die ehemalige Farbfabrik war seit Jahren besetzt. Die letzten verbleibenden Mieter hätten im März 2014 das Gebäude verlassen müssen - gegangen sind sie schliesslich am 4. August. Das Labitzke-Areal am Tag der Räumung. Mit einem Grossaufgebot rückte die Zürcher Polizei in Altstetten an, um das Labitzke-Areal zu räumen. Die Polizei formierte sich auf der Hohlstrasse. Die Hohlstrasse war für jeglichen Verkehr gesperrt. Das Areal wurde grossräumig abgesperrt. Am Dienstag hatte ein besonders hartnäckiger Demonstrant seine Arme für Stunden in zwei mit Beton gefüllte Container gesteckt. Bereits letzten Winter begannen die Abrissarbeiten auf dem Labitzke-Areal. Dies störte die Besetzer und führte zu Demonstrationen. Das Labitzke-Areal war vom Autonomen Beauty Salon besetzt. Auf dem Areal der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke sollen acht Hochhäuser mit 245 Wohnungen gebaut werden. 750 bis 800 Menschen werden einst auf dem Gelände leben und arbeiten. Die Besetzer störten im Juni 2013 die Medienkonferenz, an der das Bauprojekt präsentiert wurde. Mobimo betreibe hier Abriss auf Vorrat, kritisieren die Besetzer: «Es geht doch nur darum, dass wir möglichst schnell ausziehen.»

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Noch besetzt der sogenannte Autonome Beauty-Salon das Labitzke-Areal in Altstetten. Die Immobiliengesellschaft Mobimo möchte die dortigen Gebäude allerdings Anfang August abreissen, obwohl ein Neubaugesuch noch hängig ist. Gemäss einer Petitionsantwort des Stadtrats ist dieser offenbar bereit, der Mobimo diesen vorzeitigen Abbruch zu erlauben und eine allenfalls nötige Räumung vorzunehmen. Obwohl dies ihrer bisherigen Räumungspolitik widerspricht, wie vier Zürcher Gemeinderäte am Donnerstag in einer Mitteilung schreiben.

Markus Baumann (GLP), Katharina Prelicz-Huber (Grüne), Alan Sangines (SP) und Christina Schiller (AL) haben deshalb den Stadtrat in einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung gebeten, nochmals zwischen der Bauherrschaft und den Besetzern zu vermitteln. Ziel ist es, dass der Autonome Beauty-Salon länger bleiben kann – im Sinne einer sinnvollen Zwischennutzung. «Ich unterstütze das kreative gemeinsame Wohnen, welches ja bereits Nachahmer gefunden hat, wie ein Projekt der Genossenschaft Kalkbreite zeigt», sagt beispielsweise Baumann.

Zwar teilte das Amt für Baubewilligungen bereits im September 2013 der Mobimo mit, dass einem Abbruch nichts im Wege stünde. Gestützt darauf hat das Unternehmen bereits die frühere Zuckerfabrik abgebrochen.

«Die Stadt entfernt sich de facto von seiner gängigen Handhabung»

Mit dem jetzt signalisierten Entgegenkommen für einen vorgezogenen Abbruch entferne sich der Stadtrat de facto von ihrer gängigen Handhabung von besetzten Liegenschaften. Und dies laut den vier Gemeinderäten ohne Not. Denn die vom AWEL (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) angeordnete Altlastensanierung auf dem bereits planierten Areal der ehemaligen Zuckerfabrik könne ohne weiteres vorgenommen werden, ohne dass weitere Gebäude abgerissen werden müssten.

Für eine Stellungnahme seitens der Mobimo war am Donnerstagnachmittag niemand verfügbar.

(kv)