Drogendelikte

21. Juli 2015 15:16; Akt: 21.07.2015 15:16 Print

Gericht fordert härtere Strafe für Kokain-Pfarrer

von A. Szenogrady - Ein Pfarrer, der am Flughafen-Zürich einen Drogenkurier mit Koks abgeholt hatte, hoffte auf eine bedingte Strafe. Das Gericht stuft dies als zu mild ein.

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Der freigestellte Pfarrer A. W. muss weiterhin damit rechnen, seine Strafe abzusitzen. (Bild: Screenshot TeleM1)

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Es war am 15. Dezember 2014, als die Fahnder den heute 44-jährigen reformierten Pfarrer A.W.* aus Subingen SO am Flughafen-Kloten zusammen mit einem Drogenkurier aus Brasilien festnahmen. Der Südamerikaner führte rund drei Kilogramm hochwertiges Kokain mit sich. Der Seelsorger wollte den Transporteur nach dem Grenzübertritt mit seinem Personenwagen nach Basel fahren. Dort sollten die harten Drogen an einen nicht näher bekannten Abnehmer verkauft werden.

Doch daraus wurde nichts. W. verschwand für zwei Monate in Untersuchungshaft und gab zu, dass er im Auftrag einer mit ihm befreundeten Dealerin serbischer Abstammung gehandelt hatte.

Drogendelikte und Geldwäscherei eingeklagt

Als die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland im letzten April Anklage erhob, lauteten die Vorwürfe nicht nur auf Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz, sondern auch auf mehrfach versuchte Geldwäscherei. So hatten die Ermittlungen ergeben, dass der deutsche Beschuldigte mit der serbischen Dealerin zwar nicht intim, jedoch fest befreundet war und ihr ein Darlehen für 10'000 Franken gewährt hatte. Für das Abholen des Drogenkuriers hatte sich W. eine Rückzahlung von noch ausstehenden 5000 Franken erhofft.

Zudem kam heraus, dass der Gottesmann für die Serbin zwischen Februar 2014 bis zu seiner Verhaftung immer wieder via Western Union Drogengelder nach Brasilien oder Portugal verschickt hatte. Auch tätigte er via Internet von Subingen aus diverse Buchungen für Flugreisen von Brasilien in die Schweiz oder nach Amsterdam. Mutmasslich ging es dabei auch um Drogentransporte.

Wobei W. die fraglichen Gelder für die Bezahlung der Tickets seiner Freundin jeweils vorstreckte und danach zurückerstattet erhielt. Obwohl er annehmen musste, dass die Gelder grösstenteils aus Drogengeschäften stammen könnten. Die Staatsanwaltschaft ging von einem gesamten Deliktsbetrag von rund 30'000 Franken aus.

Parteien einigten sich auf zwei Jahre bedingt

Am Dienstag musste sich der inzwischen freigestellte Pfarrer im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens am Bezirksgericht Bülach verantworten. Da er sich umfassend geständig zeigte, hatten sich die Parteien bereits im Vorfeld der Verhandlung auf einen Urteilsvorschlag geeinigt. Demnach sollte W. eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren erhalten.

Wer mit einem kurzen Prozess rechnete, täuschte sich allerdings gewaltig. Zuerst war es der Gerichtspräsident Rainer Hohler, der den Theologen einer peinlich genauen Befragung unterzog. Dabei kam heraus, dass bereits eine Ex-Frau des Beschuldigten eine Drogenkonsumentin gewesen war und er auf einem Schuldenberg von über 100'000 Franken sitzt.

Zur inzwischen ebenfalls verhafteten Serbin wollte Hohler wissen: «Was bedeutete für sie diese Freundin?» Er könne es sich nicht erklären, antwortete W. Er sei jedenfalls von ihr abhängig gewesen, räumte er ein. «Ich habe den Punkt der Abgrenzung von ihr verpasst», blickte er selbstkritisch zurück. Seine heutige Ehefrau habe natürlich keine Freude daran gehabt.

Staatsanwältin geht von Helfersyndrom aus

Die zuständige Staatsanwältin Daniela von Känel ergriff danach das Wort und bezeichnete den Pfarrer als einen Menschen, der einfach nicht nein sagen könne. Ja, er leide sogar an einem Helfersyndrom, zeigte sich die Anklägerin überzeugt und lastete die Hauptverantwortung der Serbin an. Bei dieser handle es sich um eine sehr manipulative Person, plädierte sie, und setzte sich deshalb für die Bewährungsstrafe von zwei Jahren ein.

Der Verteidiger Daniel Petazzi schloss sich diesem Antrag an und hob hervor, dass sein Mandant keine Bereicherungsabsichten verfolgt habe. Triebfeder seien vielmehr die Hilfsbereitschaft und eine ebenso grosse Portion Naivität gewesen. Petazzi sprach von einer äusserst geringen kriminellen Energie und einer grossen Kooperationsbereitschaft seines Klienten. Zudem habe W. inzwischen nicht nur seine Arbeit, sondern auch seine Wohnung verloren.

Gericht lehnte Deal als zu milde ab

Das Bülacher Gericht sorgte zum Schluss für eine grosse Ueberraschung. So verzichtete es auf ein Urteil und wies den Fall an die Anklagebehörden zurück. Einerseits aus rechtlichen Erwägungen, da die Anklage nicht den Akten entsprechen würde. So liege beim Empfang des Drogenkuriers nicht nur eine versuchte Förderung der Kokaineinfuhr, sondern womöglich Gehilfenschaft oder gar Mittäterschaft vor.

Andererseits stufte das Gericht den Strafantrag der Parteien aufgrund des Sachverhaltes als deutlich zu tief ein und lehnte damit den Deal als zu milde ab. «Der Angeschuldigte wusste, worum es ging, und hat mehrfach mitgewirkt», führte Hohler aus. Zudem habe der Pfarrer ohne Not und ohne Sucht gehandelt.

W. nahm den Beschluss sichtlich geschockt entgegen. So hatte er sich vor dem Prozess optimistisch gezeigt und im Warteraum witzige Sprüche von sich gegeben. Nun war ihm das Lachen vergangen. Kein Wunder, so droht ihm wieder der Gang hinter Gitter, denn eine Freiheitsstrafe von über zwei Jahren kann nicht mehr auf Bewährung ausgesetzt werden.

*Name der Redaktion bekannt