Zürcher Obergericht

20. April 2010 16:47; Akt: 20.04.2010 16:47 Print

Geschäftspartner mit 6 Schüssen niedergestreckt

von Attila Szenogrady - Nach einem heftigen Streit hat ein Mazedonier in Zürich-Altstetten einen Landsmann mit sechs Pistolenschüssen ins Jenseits befördert.

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Es war mitten am Nachmittag, als am 5. Januar 2008 in Zürich-Altstetten im Eingangsbereich einer Liegenschaft an der Altstetterstrasse sechs Schüsse fielen. Wenig später fand die Polizei die Leiche eines 45-jährigen Familienvaters. Von sechs Pistolenkugeln in Rücken und Beinen getroffen, war der Mazedonier bereits verblutet.

Wenig später stellte sich der Täter freiwillig bei der Polizei. Es handelte sich um einen Bewohner der fraglichen Liegenschaft. Der heute 34-jährige Eisenleger war nicht nur ein Landsmann, sondern auch ein langjähriger Geschäftspartner des Opfers.

Täter sprach von Kurzschlusshandlung

Am Dienstag musste sich der Todesschütze vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Der Angeklagte gab seine Tat grundsätzlich zu, wies aber den Mordvorwurf zurück. So hatte er bereits bei der Polizei ausgeführt, dass er wegen einer Beleidigung seitens seines Landsmannes die Kontrolle verloren und im Rahmen einer Kurzschlusshandlung geschossen habe.

Vor Obergericht wurde klar, dass Täter und Opfer über mehrere Jahre hinweg gemeinsame Geschäfte im Metallhandel betrieben hatten. Im Herbst 2007 hatte sich das anfänglich gute Verhältnis der Parteien massiv verschlechtert. Der Streit drehte sich um umstrittene Geldbeträge. Zudem lief der Angeklagte aufgrund von Massnahmen des Geschädigten Gefahr, seine Stelle als Eisenleger zu verlieren.

17 Jahre wegen Mordes verlangt

Staatsanwältin Bettina Groth lastete dem Angeklagten einen Mord an und verlangte eine hohe Freiheitsstrafe von 17 Jahren. So habe der Beschuldigte den Geschädigten aus nichtigen Gründen skrupellos hingerichtet. Groth sprach von einem schweren Verschulden des Schützen.

Anders sah es der Verteidiger, der sich wegen Totschlags für einen Freiheitsentzug von vier Jahren einsetzte. Der Rechtsanwalt verwies darauf, dass sein Mandant über mehrere Monate hinweg vom Opfer bedrängt worden sei und um die Existenz seiner Familie gefürchtet habe. Die Schüsse seien aufgrund der Beleidigung sowie der Drucksituation im Affekt gefallen, plädierte der Anwalt.

Mit neun Jahren auf dem Mittelweg

Das Obergericht schlug einen klassischen Mittelweg ein. Einerseits schloss es einen Mord infolge fehlender Habgier, Rache oder Egoismus aus. Andererseits lehnte es einen Totschlag ab und verneinte damit eine Entschuldbarkeit der heftigen Gemütsbewegung. Somit gingen die Oberrichter von einer vorsätzlichen Tötung aus. Sie stützten sich zudem auf ein psychiatrisches Gutachten ab und hielten dem Familienvater eine verminderte Schuldfähigkeit im leichten Grade zugute. Zudem sein umfassendes Geständnis sowie Kooperation während der Untersuchung.
Die Sanktion lautete auf neun Jahre Freiheitsentzug. Der Angeklagte wurde verpflichtet, den Hinterbliebenen des Opfers Schmerzensgelder zu bezahlen. 60 000 Franken für die Witwe, je 15 000 Franken für die beiden Kinder.