Bluttat in Zürich

02. Juli 2014 08:11; Akt: 02.07.2014 10:22 Print

Getöteter Kampfsportler - Täterin angeklagt

Die Frau, die 2012 einen brasilianischen Kampfsportler erschoss, muss bald vor Gericht - angeklagt wird sie wegen vorsätzlicher Tötung. Sie macht jedoch Notwehr geltend.

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«Erst fielen zwei, dann nochmals drei Schüsse. Sekunden später sah ich durch den Spion, wie die mutmassliche Täterin das Treppenhaus hinunterrannte», schilderte ein Nachbar Ende November 2012 die Bluttat von Zürich-Affoltern. Eine damals 31-jährige Schweizerin hatte den brasilianische Kampfsportler Luis C.* nach einem heftigen Streit erschossen. Der 34-Jährige starb trotz sofortiger Wiederbelebungsversuche an Ort und Stelle. Polizisten konnten noch vor seinem Haus die Täterin widerstandslos festnehmen.

Die Frau ist bezüglich der abgegebenen Schüsse geständig, sie ist im Sommer 2013 aus dem Gefängnis entlassen worden. «Es gab keine Haftgründe mehr», sagt der zuständige Staatsanwalt Matthias Stammbach zum «Tages-Anzeiger», also weder Kollusions- noch Fluchtgefahr. Stammbach wird sie wegen vorsätzlicher Tötung anklagen. Die Untersuchung ist abgeschlossen, der Fall kommt vor das Bezirksgericht Zürich, der Termin ist noch offen. Das geforderte Strafmass wird der Staatsanwalt an der Hauptverhandlung bekannt geben.

Eifersucht oder Notwehr als Tatmotiv?

Laut Stammbach hat die Frau den Brasilianer mit ihrer eigenen Pistole erschossen. Da sie in der Sicherheitsbranche arbeitete, hatte sie die Waffe legal erworben. Als Tatmotiv habe sie Notwehr geltend gemacht. Zu den Details äusserte er sich nicht. Klar aber ist: Der 1.90 Meter und 130 Kilo schwere Brasilianer war schon früher wegen Gewalttätigkeiten aufgefallen, wie Stammbach bestätigt. Nachbarn hatten nach der Tat davon gesprochen, dass er Wutausbrüche gehabt habe und es in seinen Beziehungen immer wieder zu Streit gekommen sei. Die Polizei habe mehrmals intervenieren müssen. Das Opfer arbeitete als Türsteher in Clubs und war vor seinem Tod in einem Casino beschäftigt. In seiner Freizeit betrieb er Kampfsport auf höchstem Niveau.

Hintergrund der Bluttat könnte aber auch Eifersucht gewesen sein. Der gut aussehende und sportliche Brasilianer empfing gemäss Nachbarn öfter Frauen in seiner Wohnung. Er war Vater von zwei Kindern aus zwei früheren Beziehungen.

*Name der Redaktion bekannt

(som)