Landfriedensbruch

03. Oktober 2011 15:15; Akt: 04.10.2011 14:52 Print

Gewaltbereiter YB-Hooligan verurteilt

von Attila Szenogrady - Richter vom Bezirksgericht Zürich haben einem nicht geständigen Schreinerlehrling eine unbedingte Geldstrafe wegen Hooliganismus aufgebrummt. Er ist ein vorbestrafter YB-Fan.

Bildstrecke im Grossformat »
Am Anfang der öffentlichen Debatte um Hooliganismus in der Schweiz stand die sogenannte Fans stürmten nach der Niederlage des FC Basel gegen den FC Zürich in der Finalissima das Spielfeld. Es kam zu einem Im Hinblick auf die Euro 2008 in Österreich und in der Schweiz berief der Bund einen Runden Tisch ein. Im Bild ein in Genf für allfällige Hooligans. führte den Runden Tisch, an dem alle Beteiligten vertreten waren, weiter. Im Bild empfängt Maurer 2010 Captain Alex Frei und die Nationalmannschaft im Bundeshaus. Kritiker werfen Maurer vor, und zu wenig Wille für eine politische Lösung aufzubringen. Das Bild zeigt Maurer im Juni 2011 in Dänemark zusammen mit Peter Gillieron (M) vom Fussballverband und Uefa-Präsident Michel Platini (l.). Doch das Hauptproblem des Runden Tisches sind seine fehlenden Kompetenzen. Entscheide waren nur möglich mit Einwilligung aller Beteiligten - was längst nicht mehr der Fall ist. Am 1. September 2011 gab Maurer bekannt, . Da die meisten Kompetenzen im Bereich Hooliganismus bei den Kantonen liegen, kam mit dem Ende des Runden Tisches der (KKJPD) eine Schlüsselrolle zu. Im April 2010 präsentiert die damalige KKJPD-Präsidentin Karin Keller-Sutter in Bern ein Massnahmenpaket gegen Gewalt an Sportanlässen. Die FDP-Politikerin Keller-Sutter ist ein gegen gewalttätige Fussballfans. Auf Seiten der Fans hat sie sich zu einer Hassfigur entwickelt. Keller-Sutter stand seit November 2010 als Präsidentin der KKJPD und St. Galler Justizdirektorin im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Mit dem Niederlegen der Ämter 2012 nach ihrer Wahl zur Ständerätin dürfte dies ändern. Konkret mit den Fussball-Hooligans beschäftigen müssen sich die Ihr Verband unterstützt schärfere Massnahmen. Gleichzeitig funktionieren auf lokaler Ebene die Beziehungen zu Clubs und Fanarbeiter oft gut. Auf dem Bild sind FCZ-Fans auf dem Weg zum Bahnhof Wankdorf. Stark betroffen vom Hooliganismus sind auch die die mit Extrazügen Fans befördern müssen. Die Bundesbahnen wollen, dass die Clubs für die Schäden ihrer Fans aufkommen und die Extrazüge chartern müssen. Mit YB haben sie seit August 2011 eine freiwillige Vereinbarung, die dem Club die Verantwortung für die Ordnung in den Extrazügen übergibt. Im Bild SBB-CEO Andreas Meyer im Februar 2010. Unterstützung erhalten die SBB vom Dessen Direktor Peter Füglistaler lässt eine Gesetzesänderung ausarbeiten, damit die Clubs für Schäden in die Pflicht genommen werden können. Laut dem heute gültigen Transportgesetz müssen die SBB alle Personen transportieren, die einen gültigen Fahrausweis besitzen. Lange zurückhaltend gaben sich der So argumentierte SFL-Präsident Thomas Grimm Ende noch Ende 2010, man können einen Club auch nicht für einen Überfall verantwortlich machen, nur weil der Räuber ein Shirt des Clubs getragen habe. Inzwischen arbeitet der Verband aber an einem bei dem Gästefans von Fanarbeitern und nicht von maskierten Polizisten mit Schlagstöcken empfangen werden. Grimm (l.) mit SFV-Präsident Peter Gillieron an der Nacht des Fussballs im August 2009 in Bern. Sehr unterschiedlich ist das Engagement der Während einige insbesondere in der Prävention aktiv sind, sind andere dem Vernehmen nach nicht an einer Lösung interessiert. FCZ-Präsident Ancilo Canepa (l.) und GC-CEO Marcel Meier im Juli 2011 in Zürich. Eine eigentliche Funktion zwischen den Fronten nehmen die ein. So ist manchmal von einer anwaltschaftlichen Beziehung zu den Fans die Rede. Während sie das Vertrauen der Fans brauchen und oft finanziell vom Club abhängig sind, brauchen sie einen guten Draht zu den Sicherheitskräften und den SBB. Urs Frieden (vorne links), Vorstandsmitglied der Fanarbeit Bern, am FCB-Umzug durch die Berner Innenstadt im Juli 2011. Der wohl wichtigste Akteur beim Thema Hooligans sind schliesslich die die meist in Gruppierungen organisiert sind. Obwohl nur eine Minderheit gewaltbereit ist, findet eine Solidarisierung statt. Feuerwehrleute vor YB-Fans in Collombey-Muraz, Oktober 2010. Insbesondere beispielsweise auch die Hooligan-Datenbank des Bundes, sind die Fangruppen geschlossen. Ebenso lehnen sie das Pyro-Verbot in den Stadien ab. Fans des FC Luzern im Mai 2010 in Bern.

Die Akteure im Kampf gegen den Hooliganismus.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Bezirksgericht Zürich hat am Montag einen gewaltbereiten Fussball-Fan der Young Boys wegen Landfriedensbruchs zu einer unbedingten Geldstrafe von 120 Tagesätzen zu zehn Franken verurteilt. Der vorbestrafte Angeschuldigte hat im letzten März am Bahnhof Altstetten an schweren Ausschreitungen gegen die Polizei teilgenommen.

Es war am vergangenen 5. März, als die Grasshoppers die Berner Young Boys im Letzigrund-Stadion 3:2 besiegten. Nach dem Spiel entlud sich die aufgestaute Wut der enttäuschten YB-Fans am Bahnhof Altstetten. Auslöser der Ausschreitungen war eine Frau, die beim Abgang zu den Geleisen inmitten der Fans einen Schwächeanfall erlitt und in Ohnmacht fiel. Als eine Patrouille der Stadtpolizei Zürich der Frau zu Hilfe eilen wollte, wurde sie von diversen YB-Fans angegriffen. Dabei bewarfen die vermummten Hooligans die Polizeibeamten nicht nur mit Bierdosen, sondern auch mit Schottersteinen.

Verhaftet und angeklagt

Erst eine Verstärkung der Polizei konnte die Lage mit einem Gummischroteinsatz wieder unter Kontrolle bringen. Sie konnten die Berner Chaoten zurückdrängen.

Dabei gelang es der Polizei, einen der Angreifer zu verhaften. Es handelte sich um einen heute 24-jährigen Schreinerlehrling aus dem Kanton Solothurn.

Der mehrfach einschlägig vorbestrafte YB-Fan musste sich am Montag wegen Landfriedensbruchs am Bezirksgericht Zürich verantworten. Ihm drohte nicht nur eine unbedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 30 Franken, sondern auch der Widerruf von zwei ehemals bedingt festgelegten Geldstrafen.

Missverständnis geltend gemacht

Der Angeklagte beteuerte vor Gericht seine Unschuld. So habe er bloss der bewusstlosen Frau helfen wollen. Da sei er plötzlich von der Polizei mit Pfefferspray attackiert worden, gab er zu Protokoll und sprach von einem Missverständnis.

Allerdings kaufte ihm das Gericht die Unschuldsversion nicht ab. Der Angeschuldigte habe die Gewalttätigkeiten mitgetragen, befand der Einzelrichter und stützte sich dabei einerseits auf die belastenden Zeugenaussagen eines Polizeibeamten. Andererseits sei der Beschuldigte vermummt gewesen. Nicht zuletzt habe der YB-Fan bei der ersten polizeilichen Einvernahme jegliche Aussage verweigert und sogar gelacht, was eine unschuldige Person mit weisser Weste wohl nicht getan hätte.

Es wird teuer ...

Nun wird es für den Lehrling teuer. Er wurde bei der Hauptsanktion zu einer unbedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu zehn Franken verurteilt. Hinzu kommen die beiden Vorstrafen von 15 Tagessätzen zu 50 Franken sowie von 30 Tagessätzen zu 30 Franken. Nicht zuletzt soll der Beschuldigte die Gerichtskosten von 1 500 Franken tragen.

Der Mann zeigte sich mit dem Schuldspruch nicht zufrieden und kündigte Berufung an. Der Fall wird also in absehbarer Zeit auch das Zürcher Obergericht beschäftigen.