Zürcher Obergericht

26. September 2019 20:30; Akt: 27.09.2019 14:55 Print

Goldküsten-Nacht kommt erneut vor Gericht

von Jennifer Furer - Für die brutale Tötung seines Kollegen im Drogenrausch kassierte B. V. 12,5 Jahre Gefängnis. Jetzt kämpft er vor dem Zürcher Obergericht um eine mildere Strafe.

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Von einer «äusserst brutalen und grausamen Tat» sprach der Richter des Bezirksgerichts Meilen, als er sein Urteil im Fall des Blutbades in einer Goldküsten-Villa im August 2017 verkündete. Am 30. Dezember 2014 soll der heute 34-jährige Galeristensohn B. V.* den 23-jährigen schweizerisch-britischen Doppelbürger A. F.* in der Villa von V.s Eltern in Küsnacht getötet haben.

V. schlug seinem nach eigenen Aussagen «sehr guten, langjährigen Freund» mit verschiedenen Gegenständen den Schädel ein. Dafür benutzte er beispielsweise einen 6 Kilogramm schweren Kerzenständer und eine rund 1,9 Kilogramm schwere goldene Skulptur. Anschliessend rammte er dem noch lebenden 23-Jährigen eine Kerze in den Mund und erwürgte ihn mit seinen Händen. Der Täter stand zu diesem Zeitpunkt unter dem Einfluss von Ketamin und Kokain. V. bestritt nie, für den Tod seines Freundes verantwortlich zu sein.

Vergewaltigungsvorwürfe von Ex-Freundin

Was er hingegen stets bestritten hat, ist die Beschuldigung seiner Ex-Freundin. Laut ihren Aussagen soll V. sie im Herbst 2014 in einem Londoner Hotelzimmer vergewaltigt und sexuell genötigt haben.

Das Gericht urteilte auch noch über einen dritten Fall. Dabei ging es um eine Taxifahrt auf Ibiza. Die Ex-Freundin des Beschuldigten gab an, er habe sie aus dem fahrenden Taxi stossen wollen. Der Sachverhalt konnte sich aber nicht erhärten lassen. Der Beschuldigte wurde in diesem Punkt freigesprochen.

Härtere Strafe gefordert

Das Bezirksgericht Meilen befand den 34-Jährigen wegen vorsätzlicher Tötung, qualifizierter Vergewaltigung, mehrfacher sexueller Nötigung und verschiedensten Verkehrsdelikten für schuldig und verurteilte ihn zu 12,5 Jahren Gefängnis.

Wie Staatsanwalt Alexander Knauss 20 Minuten sagt, ficht der Beschuldigte V. das erstinstanzliche Urteil an – bis auf den Schuldspruch bezüglich der groben Verkehrsregelverletzung. «Daher wird vor Zürcher Obergericht nochmals über das Tötungsdelikt und die Sexualdelikte verhandelt», so Knauss. Die Verhandlung findet am 18. November statt.

Knauss selbst hat ebenfalls Berufung eingelegt. Er beanstande das Strafmass, also die Höhe der Strafe. Seine Begründung werde er erst vor Gericht darlegen. Er sagt aber so viel: «Mein Antrag lautet weiterhin auf 16 Jahre Freiheitsstrafe.»

«Verurteilung ist zu hart»
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Andreas Meili, einer von drei Anwälten, die V. verteidigen, sagt auf Anfrage, dass er sich vor der Verhandlung nicht äussern werde. Kurz nach der Urteilsverkündung am Bezirksgericht Meilen sagte er aber zu den Medien: «Mein Mandant bedauert die schreckliche Tat sehr. Aber die Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung ist zu hart.» Zudem beruhe die Verurteilung punkto Vergewaltigung nur auf Indizien, wichtige Argumente seien nicht gehört worden. Meili: «Deshalb geht mein Mandant in die Berufung.»

Die Verteidigung plädierte vor dem Bezirksgericht Meilen beim unbestrittenen Tötungsdelikt auf schuldig wegen «selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit». Die entsprechende Freiheitsstrafe soll zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben werden. Wie hoch die Freiheitsstrafe ausfallen soll, liege im Ermessen des Gerichts. Gemäss Strafgesetzbuch wäre die Maximalstrafe in so einem Urteil drei Jahre.

*Name der Redaktion bekannt.