Rümlang ZH

09. Dezember 2011 08:00; Akt: 08.12.2011 22:22 Print

Grösster Heroinfall der Schweiz

von Attila Szenogrady - Im bisher grössten aufgeflogenen Heroinfall der Schweiz hat das Bezirksgericht Zürich einen kosovarisch-schweizerischen Doppelbürger aus Rümlang zu einer hohen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Reiseunternehmer hat rund 107 Kilogramm Heroin importiert, in Regensdorf gelagert und über 20 Kilogramm davon weiterverkauft.

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Der zuständige Staatsanwalt Christian Meier sprach vom bisher grössten aufgeflogenen Heroinfall der jüngeren Schweizer Kriminalgeschichte. So hätten die Untersuchungsbehörden noch nie eine so grosse Menge an Heroin auf einen Schlag beschlagnahmt. Es war am 10. März 2010, als die Drogenfahnder in einer Tiefgarage an der Gerenstrasse in Regensdorf zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zuschlugen. Sie stellten in einem parkierten Fahrzeug nicht weniger als 86 Kilogramm Heroin mit einem Reinheitsgrad von 45 Prozent sowie 66 Kilogramm Streckmittel sicher. Kurz darauf nahmen sie einen heute 30-jährigen Inhaber eines Reisebüros fest. Der kosovarisch-schweizerische Doppelbürger aus Rümlang war von Heroinresten überdeckt. Seine Kleider waren wie ein Schnitzel von den harten Drogen paniert. Er gab zu, dass er den unauffälligen Drogenbunker auf eigene Faust eingerichtet hatte.


Ueber 107 Kilogramm Heroin eingeführt

Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass der Kaufmann bereits einen Monat vor seiner Verhaftung rund 107 Kilogramm Heroin importiert hatte. Von Regensdorf aus belieferte er danach mehrere albanische Gruppierungen in Zürich und Dällikon. Wobei er über 20 Kilogramm Heroin absetzte und einen Gewinn von mehrere 10 000 Franken verdiente.

Seit dem letzten Juni musste er sich vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der Unternehmer legte grundsätzlich ein Geständnis ab, schob aber die Verantwortung auf einen unbekannten Drogenhändler ab. Dieser habe ihn unter Druck gesetzt, erklärte er.


14 Jahre Freiheitsentzug gefordert

Staatsanwalt Christian Meier verlangte am Donnerstag vor Gericht eine hohe Freiheitsstrafe von 14 Jahren und verwies auf eine erdrückende Beweislage. So hatte die Polizei den Drogenboss schon seit längerem überwacht. Verteidiger Till Gontersweiler sprach dagegen von einem kleinen Fisch und setzte sich für eine Freiheitsstrafe von vier Jahren ein. Der Angeklagte erklärte in seinem Schlusswort, dass er heute alles bereue und es unerträglich finde, mit dem Mörder seines Onkels im gleichen Gefängnis zu sitzen.


Schweres Tatverschulden

Das Gericht sprach von einem schweren Tatverschulden und führte aus, dass der Zürcher Unterländer auf einer oberen Hierarchiestufe anzusiedeln sei. Die Version, dass er von einem Chef bedrängt worden sei, stufte das Gericht als nicht glaubhaft ein. Aufgrund seiner Teilgeständnisse und seiner anfänglichen Kooperation – bei welchem er mehrere Abnehmer beim Namen genannt hatte – senkte das Gericht die Strafe deutlich. Der Beschuldigte wurde verpflichtet, vom unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil in der Höhe von 13 000 Franken dem Kanton Zürich abzuliefern.