Krawalle in Zürich

19. August 2018 14:04; Akt: 19.08.2018 15:18 Print

«Gewalt hat eine neue Dimension angenommen»

Von Tränengas, Gummischrot und einem Messerangriff: Als die Polizei am Samstagabend zu einem Einsatz ausrückte, eskalierte die Situation.

Die Polizei setzte offenbar auch Tränengas ein. (Video: Tamedia/Leser-Reporter)
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In der Zürcher Innenstadt ist es am Samstagabend um 23 Uhr zu einem Grosseinsatz der Polizei und der Rettungskräfte gekommen. Laut einem Leser-Reporter ist es zu einer Messerstecherei gekommen. In der Folge soll sich eine grosse Anzahl von Gaffern versammelt haben, die später die Polizei mit Flaschen bewarf.

(Quelle: Leser-Reporter)

Die Polizei bestätigt die Angaben. Einsatzkräfte seien aufgrund einer Messerstecherei ausgerückt. «Als die Rettungskräfte vor Ort eintrafen, wurden sie sofort von zahlreichen zum Teil vermummten Unbekannten, die mit FCZ-Fankleidung unterwegs waren, mit Flaschen und Steinen angegriffen», heisst es in der Polizeimitteilung. Zwei Polizisten wurden verletzt.

Die Polizei forderte Verstärkung samt Wasserwerfer an. «Mit vereinten Kräften und dem Einsatz von Gummischrot und Reizstoff gelang es in der Folge den Mob zurückzudrängen.» Ein 18-Jähriger wurde verhaftet.

Polizeieinsatz in Zürich

«Man hat das Tränengas auf 200 Meter Entfernung gespürt», berichtet ein Leser.

(Quelle: Leser-Reporter)

Bei der Messerstecherei an der Seepromenade sind drei Personen verletzt worden. Ein 18-Jähriger erlitt lebensgefährliche Stichverletzungen und musste notoperiert werden, zwei Polizisten mussten ebenfalls ins Spital. Die Täter sind auf der Flucht.

Auch SRF-Journalist Thomas von Grünigen twittert vom Grosseinsatz an der Seepromenade in Zürich.


«Messer im Rücken, Messer im Rücken!»

Auch 20-Minuten-Leser Fabian Egli war mit Freunden an der Seepromenade, als die Rettungskräfte kamen. «Jemand rief, Messer im Rücken, Messer im Rücken», sagt Egli. Da seien etwa zehn FCZ-Fans von der Südkurve gekommen – Flaschen flogen, so Egli: «Meine Freundin wurde getroffen. Wir bekamen Angst und zogen uns zurück.»

Er habe die Meute noch auf dem Sechsenläutenplatz gesehen und wie die Polizei mit Wasserwerfern einschritt: «Es waren viel mehr FCZ-Fans als am See. Das waren schon krasse Szenen.»

«Einsatz war übertrieben»

Ein anderer Leser-Reporter hielt den Polizei-Einsatz für unverhältnismässig: «Die Polizei hätte die Jugendlichen nicht mit Tränengas angreifen sollen.» Ein weiterer Unbeteiligter erzählt, dass ohne Vorwarnung von der Polizei mit Gummischrott und Tränengas beschossen wurde. «Ich habe Ausschläge am ganzen Körper und kann nicht richtig sitzen.» Wenn es nicht besser werde, müsse er am Montag zum Arzt. «Dieser Einsatz war übertrieben.»

Ganz anders sieht das Judith Hödl, Sprecherin der Stadtpolizei: «Die ausgerückten Polizisten wurden von allen Seiten, vor allem von den FCZ-Fans, angegriffen und mit Flaschen sowie Steinen beworfen», so Sprecherin Judith Hödl.

Polizeiarbeit behindert

Es sei deswegen nötig gewesen, Verstärkung anzufordern und Gummischrot wie auch Reizgas einzusetzen. «Die Polizisten wie auch die Rettungssanitäter mussten zu einer schwer verletzten Person vordringen und wurden mehrfach daran gehindert.»

Dieser Einsatz hätte gezeigt, dass die Gewalt neue Dimensionen angenommen hat. «Nicht nur die Polizisten, sogar die Rettungssanitäter wurden angegriffen.» Das sei wirklich tragisch und auf keinen Fall akzeptabel, so Hödl.

(fur/roy)