Digitale Werbetafeln

12. November 2019 19:30; Akt: 12.11.2019 19:30 Print

«Leute wollen in der Stadt keine Werbung sehen»

von Jennifer Furer - In der Stadt Zürich sollen 12 neue digitale Werbeflächen entstehen. Das stösst einer Interessengemeinschaft sauer auf. Sie wird nun aktiv.

So funktionieren die digitalen Werbetafeln – ein Zeitraffer. (Video: tam)
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Zwischen den penibel in einer Reihe angeordneten Strassenbäumen an der Zürcher Bahnhofstrasse prangt ein rechteckiger, schwarzer Bildschirm. Er leuchtet, blinkt und zeigt verschiedene Werbebilder und -videos. 34 weitere solche digitale Werbebildschirme und City-Pläne stehen in Zürich, 12 weitere sollen folgen.

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Dagegen regt sich Widerstand. Die Interessengemeinschaft Plakat, Raum, Gesellschaft will verhindern, dass die Stadt einen Vertrag mit einer Pächterin unterschreibt, die die Werbeanlagen künftig bewirtschaften wird. Potenzielle Kandidaten konnten sich bis Dienstag bewerben. Präsident Christian Hänggi hat am Donnerstag einen vierseitigen Brief an den zuständigen SP-Stadtrat André Odermatt verfasst. Er liegt 20 Minuten vor.

«Keinen gesellschaftlichen Nutzen»

«Wir fordern Sie auf, auf eine Vertragsunterzeichnung im Zusammenhang mit den jetzt ausgeschriebenen Werbebildschirmen zu verzichten und Aussenwerbung in der Stadt Zürich sukzessive abzubauen», heisst es. Wenn die Stadt Zürich innert nützlicher Frist auf 2000 Watt oder netto null kommen wolle, geschehe dies nicht dadurch, dass energieintensive Anlagen aufstellt würden. «Sie haben keinen gesellschaftlichen, dafür einen negativen ökologischen Nutzen», so Hänggi.

Er habe noch keine wissenschaftlich fundierte Studie gesehen, die beweisen würde, dass Aussenwerbung wirkt. «Wenn Aussenwerbung nicht wirkt, dann ist sie auch nicht notwendig und kann zugunsten des Stadtbildes entfernt werden», schreibt der Präsident der Interessengemeinschaft. Wenn Aussenwerbung aber funktioniere, dann sei die Sache ebenso problematisch.

Bevölkerung gegen Aussenwerbung

Aktive Kunden von Aussenwerbung seien unter anderem die Auto- sowie die Fleischindustrie und Fluggesellschaften. «Wenn Aussenwerbung wirkt, dann führt sie über das Konsumverhalten auch zu höheren CO2-Emissionen.»

Es sei zudem nicht Aufgabe der Stadt, Werbeträger für die Grossen und Grössten der jeweiligen Konsumgüter- und Dienstleistungsbranchen bereitzustellen. «Die Stadt Zürich sendet mit den Werbebildschirmen klare Signale an die Bevölkerung und das Gewerbe: Konsum ist per se wünschenswert, egal, welcher.» Dabei wolle die Mehrheit der Leute gar nicht, dass man sie in der Stadt auf öffentlichem Grund mit Werbung konfrontiere.

Gemeinderat involvieren

Hänggi hofft, mit seinem Brief eine Diskussion über die Werbeanlagen anzustossen und so womöglich eine Kursänderung der Stadt zu erreichen, wie er zu 20 Minuten sagte. «Dafür brauche ich aber auch politische Unterstützung.» Deshalb werde er Mitglieder des Gemeinderats anschreiben und in sein Vorhaben involvieren.

Beim Hochbaudepartement bestätigt man den Eingang des Schreibens. Eine Sprecherin sagt, dass dieses nun geprüft werde. «Es wird Zeit in Anspruch nehmen, diese Fragen zu beantworten.» Das Hochbaudepartement will sich auf Anfrage auch nicht äussern, warum sie digitale Werbeflächen auf öffentlichem Grund vorantreiben will.

Eines steht fest: Für die Stadt geht es auch um viel Geld. Für den Betrieb von 15 digitalen Stadtplänen mit Werbebildschirmen auf einer Seite zahlt Clear Channel der Stadt zurzeit knapp 45'000 Franken pro Monat.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • john tobler am 12.11.2019 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alle tafeln entfernen

    wie wärs, wenn alle werbetafeln entfernt werden würden. die tafeln verschandeln dass stadtbild und autofahrer werden abgelenkt.

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  • siMond am 12.11.2019 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nervige Werbung

    Die braucht es DEFINITIV nicht!!

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  • Sue am 12.11.2019 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Mit was wird diese Tafel betrieben? Strom, Batterien? Und wir sollen aufs Fliegen, Fleisch essen etc. verzichten. Alles soll nur noch elektrisch betrieben werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 13.11.2019 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    digitale Werbeflächen

    Es ist schon seltsam, dass solche digitalen Werbeflächen auf öffentlichem Raum bewilligt werden. Will doch die Stadt mit der 2000 Watt Gesellschaft zum bewussten Umgang mit der Energie ein Vorbild sein. Diese Wände verbrauchen jedoch elektrische Energie. Auch wenn sie selbst Stromsparend sind, mit der Vielzahl wird dieser Vorteil wieder um ein vielfaches kompensiert, abgesehen von der ständigen flimmerei. Hier ist die Klimajugend nirgends präsent, da offenbar die elektrische Energie aus der Steckdose kommt! Um die Erzeugung der elektrischen Energie machen sie sich keine Gedanken!

  • Ronaldo Meyer am 13.11.2019 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Was wäre ohne Werbung.........

    Wenn ich all diese superschlauen Kommentare lese, huscht ein sanftes schmunzeln über meine Lippen. Wer masst sich schon an, in der heutigen digitalisierten Welt notabene die digitalen Werbeträger zu verurteilen. Ich für mich nehme in Anspruch, dass ich glücklich über den technologischen Fortschritt bin, denn dieser Fortschritt bringt jedem/jeder auch Vorteile, von welchen wir fast tagtäglich profitieren. Ein Sprichwort besagt, "entweder gehst du mit der Zeit, ansonsten gehst du mit der Zeit". Denken wir doch global und nehmen den Wettbewerb der Digitalisierung auf.

    • Norbert F. am 13.11.2019 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      hmmm....

      Das ist schön für dich. Ich für meinen Teil bin durchaus nicht glücklich wegen jedem neuen technologischen Gugus. Es gibt wirkliche Innovationen und Dinge, die uns das Leben einfacher oder schöner machen, aber die sind selten. Ich bin sehr skeptisch, was seit etwa 15 Jahren abläuft. Wir nähern uns stetig einer totalen Überwachungsgesellschaft. China ist bereits so weit, andere werden nachziehen. Das ist keine lebenswerte Welt.

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  • Alain am 13.11.2019 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Was heisst hier...

    Was heisst hier "in der Stadt"? Werbung nervt je länger je mehr. Weil immer mehr geworben wird muss die einzelne Werbung noch agressiver sein um aufzufallen. Sei es als plakat, im Fernsehen oder im Internet. Es nervt einfach nur noch...

  • Spatz am 13.11.2019 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kleinkariert

    Wundere mich immer wieder wie kleingeistig die (zugezogenen) Zürcher sind. Ihr habt vielleicht grossartige Problemchen.... (Ironie fertig...)

    • Gregor am 13.11.2019 13:26 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Ironie

      Ironie mit dem Hinweis, dass es sich um Ironie handelt, ist keine Ironie...

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  • Ganz am 13.11.2019 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Da die Stadt sowieso langsam ausstirbt, brauchts auch keine Werbung mehr.