Stadt Zürich

31. Mai 2016 19:27; Akt: 31.05.2016 19:27 Print

Günstige neue Wohnungen – auch für Flüchtlinge

Ab Spätherbst können gleich beim Zürcher Limmatplatz 99 Wohnungen zu günstigen Preisen gemietet werden – zehn davon gehen an Flüchtlinge.

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Blick in die Küche einer 4,5-Zimmer-Wohnung der Siedlung Kronenwiese. Ab Spätherbst 2016 können hier 99 Wohnungen bezogen werden. Der Nettomietzins für eine nicht subventionierte 4,5-Zimmer-Wohnung liegt bei rund 1800 bis 1910 Franken (plus 160 Franken Nebenkosten). Ein Drittel der Wohnungen ist subventioniert. Hier kostet die 4,5-Zimmer-Wohnung netto zwischen rund 1430 und 1510 Franken. In der Wohnung dominieren Weiss- und Grautöne. Auffällig sind die Decken aus Sichtbeton und die Gipsböden. Die eher karge Ausstattung habe man einerseits aus Spargründen gewählt, sagt Jürg Keller, Vizedirektor der Liegenschaftsverwaltung, «anderseits gefällt uns diese Bauweise auch». Die Wohnungen sind geräumig - so hat eine durchschnittlich 100 Quadratmeter grosse 4,5-Zimmerwohnung einen grossen Küchen- und Wohnbereich und zusätzlich vier kleine Zimmer. Zudem stehen den Bewohnern zwei Badezimmer zur Verfügung. Eines mit WC und Badewanne ... ... und ein zweites mit WC und Dusche. In den Treppenhäusern hat sich der Künstler Christian Kathriner mit einem Stahlbetonrelief verewigt. Bei der Kronenwiese handelt es sich gemäss Mitteilung um die schweizweit erste Minergie-A-ECO-Wohnsiedlung in dieser Grössenordnung. Der gesamte Energiebedarf für Raumwärme, Warmwasser und Lüftung wird lokal und aus erneuerbarer Energie gewonnen. Dies geschieht in Form von 21 Erdsonden und der hauseigenen Photovoltaikanlage. Neben den Wohnungen sind auch ein Doppelkindergarten/Hort, eine Kindertagesstätte sowie Gewerbe- und Lagerräume bezugsbereit. Hier stehen die Stadträte André Odermatt (SP) und Daniel Leupi (Grüne) im noch nicht fertig gebauten Kindergarten. Blick aus dem Fenster. Noch ist die Siedlung eine riesige Baustelle. Hier entsteht ein grosser Innenhof für die Bewohner. Gemäss Mitteilung ist das Projekt terminlich und finanziell «gut unterwegs». Die Gesamtkosten von 64,8 Millionen Franken werden eingehalten. Das Parlament hatte dem Kredit mit deutlichem Mehr zugestimmt. Auch die Stimmberechtigten hatten im Juni 2013 mit 75 Prozent Ja gesagt. Wer hier aber eine der 99 Wohnungen ergattern will, braucht viel Glück. Bereits jetzt haben sich 600 Interessenten erkundigt. Zudem werden zehn der Wohnungen an Asylsuchende vermietet.

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Sie ist noch eine Baustelle – die städtische Siedlung Kronenwiese in Zürich-Unterstrass. Trotzdem rechnet die Stadt mit einem riesigen Andrang, wenn am 3., 4. und 8. Juni eine fixfertige Musterwohnung besichtigt werden kann – bereits 600 Personen haben gemäss einer Mitteilung ihr Interesse bekundet. DAs ist nicht verwunderlich, denn der monatliche Nettomietzins beträgt für eine 96 bis 104 Quadratmeter grosse 4,5-Zimmer-Wohnung regulär 1500 bis 1600 und subventioniert 1200 bis 1300 Franken.

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Insgesamt sollen 99 Wohnungen an zentraler Lage oberhalb des Limmatplatzes ab diesem Spätherbst bezogen werden, 72 davon sind Familienwohnungen mit 3,5 bis 5,5 Zimmern. Zehn Wohnungen sind für Flüchtlinge reserviert, sagte Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) an einem Medienrundgang am Dienstag.

Unmöglich, Flüchtlinge in privaten oder städtischen Siedlungen unterzubringen

Denn die Liegenschaftsverwaltung unterstützt die Asyl Organisation Zürich (AOZ) bei der Unterbringung von Personen, die das Bleiberecht als anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene erhalten, wie Leupi sagt: «Zehn von 99 Wohnungen mag nach viel erscheinen.» Man vermiete sie aber hauptsächlich an Familien, die längerfristig in der Schweiz bleiben können.

«Es ist unser Interesse, dass sie eine feste Bleibe haben und nicht ständig hin und her geschoben werden», sagt Leupi: So lange ein erhöhter Bedarf bestehe, werde bei allen neuen städtischen Siedlungen einen Teil der Wohnungen für Flüchtlinge reserviert sein: «Der Kanton schreibt uns ein bestimmtes Kontingent an Flüchtlingen vor, die wir aufnehmen müssen.» Es sei unmöglich, diese in privaten oder bestehenden städtischen Siedlungen unterzubringen.

«Das ist ein Affront»

Gar nicht begeistert ist der Stadtzürcher SVP-Präsident Mauro Tuena: «Bei dieser Wohnungsnot ist das ein Affront gegenüber allen Einheimischen, die sich nur knapp eine Wohnung leisten können oder keine städtische kriegen.» Zudem werde die Willkommenskultur so auf die Spitze getrieben: «Das spricht sich doch rum.»

Denn viele Flüchtlinge kommen laut Tuena aus wirtschaftlichen Gründen hierher – und nicht, weil sie an Leib und Leben bedroht seien: «Sie haben doch keinen Anlass, die Schweiz wieder zu verlassen, wenn sie solche Wohnungen kriegen.»

«Die Idee der Stadt ist sehr gut»

Ganz anders sieht das Davy Graf, SP-Fraktionschef im Gemeinderat: «Viele Flüchtlinge können bei der gegenwärtigen Situation in ihren Ländern nicht so schnell zurück.» Da sei es doch wichtig, dass man ihnen eine gewisse Perspektive aufzeige und ein anständiges Leben ermögliche.

Die Idee der Stadt sei sehr gut: «Gerade in einer neuen Siedlung mit vielen Menschen können sich Flüchtlinge besser integrieren, als wenn sie isoliert leben.» Die paar Flüchtlinge in der Siedlung würden die Wohnungsnot nicht weiter verschärfen: «Um dieser entgegenzuwirken, braucht es ganz andere Massnahmen.»

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René B. am 31.05.2016 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt zu Zürich

    Wunderbar die Flüchtlinge bekommen neue Wohnungen und der Steuerzahler darf sie finanzieren. Würde mich mal interessieren wie viele Schweizer -Familien in alten "Bruchbuden" hausen weil sie sich diesen Mietzins nicht leisten können.

  • fabiswiss am 31.05.2016 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    typisch

    Hauptsach es gehen wieder Wohnungen an Flüchtlinge...weil wir ja zu wenig Schweizer hätten welche froh um eine billige Wohnung wären...

  • Nic111 am 31.05.2016 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neue Wohnungen

    Wieso werden Asylsuchende in Neubauten untergebracht? Finde ich sehr schlecht es kann doch nicht sein dass so eine tolle Überbaung mit so vielen interessenten von 99 Wohnungen 10 an Asylsuchende geht. Kann mir das jemand erklären? Danke!

Die neusten Leser-Kommentare

  • michelle123 am 31.05.2016 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Ich frage mich wirklich, wie es die Schweiz immer wieder schafft die Einheimischen so dermassen zu benachteiligen..

  • Jenny Mausi am 31.05.2016 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschütteln

    Wir Schweizer wären besser dran, wenn wir Ausländer wären..

  • Britschula am 31.05.2016 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Worte!!!

    Der einzige Trost ist, dass ich hoffentlich nicht die Einzige bin, wos de Huet löpft!!!!

  • Beat Bachmann am 31.05.2016 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    andere länder sind es camps!! hier nbwohnungen

    in anderen ländern wohnen die flüchtlinge in camps. ich sehe nicht ein, warum sie in der schweiz und europa neubauwohnungen kriegen. es gibt genug schweizer, die billigen wohnraum suchen.

  • M_E am 31.05.2016 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Langsam muss ich als Schweizer mit meiner Ausschaffung rechnen, weil kein Geld mehr vorhanden ist!