Schwere Vorwürfe

12. Februar 2019 05:41; Akt: 12.02.2019 09:38 Print

Hat Hort-Betreuer eine 12-Jährige missbraucht?

Der Mitarbeiter eines Horts in der Region Zürichsee soll mehrfach Körperkontakt mit einer 12-Jährigen gehabt haben. Die verantwortliche Schule hat eine Untersuchung eingeleitet.

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Ein 12-jähriges Mädchen soll vom Betreuer eines Horts in der Region Zürichsee aufgefordert worden sein, das T-Shirt auszuziehen. Ebenfalls sollte sie offenbar Turnübungen am Bauch des Betreuers machen. Diese Beobachtungen machte eine Betreuerin.

Der Körperkontakt zwischen dem Mädchen und dem Betreuer habe ein ungutes Gefühl ausgelöst, so die Betreuerin. Es habe an Distanz gefehlt. Immer wieder sei es zu Berührungen zwischen dem Mädchen und dem Betreuer gekommen. Zudem habe er das gleiche Mädchen regelmässig in sein Büro genommen und die Tür geschlossen. Was drinnen geschah, ist nicht bekannt.

«Es wurde nichts unternommen»

Silvia Frommelt, die selbst eine Kita leitet, ist die Vertrauensperson der Betreuerin, die die Beobachtungen machte. «Die Frau hatte sich massiv daran gestört, doch sie hatte Angst, ihre Beobachtungen zu melden.» Frommelt musste viel Überzeugungsarbeit leisten, wie sie 20 Minuten erzählt. Gerade der jüngste Fall eines Kita-Betreuers in St. Gallen habe aber gezeigt, dass es wichtig sei, solche Vorfälle zu melden.

Doch die Schulpflege habe nicht sofort reagiert. Frommelt wandte sich mit dem Anliegen deshalb auch an Regierungsrätin Silvia Steiner, die der Bildungsdirektion vorsteht. Im Mail an die CVP-Politikerin beklagte sie sich, dass die Schulpflege nicht wisse, wie man mit einem solchen Fall umzugehen habe. Es existiere auch kein Präventionskonzept, wie das in vielen Horten der Fall ist. «Erst als der Druck so gross war, hat sich etwas getan.»

Die Schulpräsidentin wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Als wir im November von möglichen Pflichtverletzungen erfahren haben, reagierten wir sofort und haben mit dem Mitarbeiter und dem Team Gespräche geführt.» Mitte Dezember habe die Schulpflege zudem über die Einleitung einer Administrativuntersuchung entschieden. «Eine unabhängige Rechtsanwältin überprüft aktuell die Zusammenarbeit, Abläufe und eine eventuelle Pflichtverletzung.»

Mitarbeiter ist krank geschrieben

Der Mann sei seither krankgeschrieben und arbeite deshalb nicht im Hort. Mehr kann die Schulpräsidentin aus rechtlichen Gründen nicht sagen. «Ob wirklich eine Pflichtverletzung vorliegt, ist noch völlig offen. Wir warten die Ergebnisse der Untersuchung ab.» Erst dann entscheide die Schulpflege über allfällige weitere Schritte. Bei der Bildungsdirektion heisst es, dass die Gemeinden und nicht das Volksschulamt für die Aufsicht über die Horte zuständig seien. Zum laufenden Verfahren wolle man sich nicht äussern.

Die Kantonspolizei Zürich bestätigt, dass Ende November eine Anzeige wegen sexueller Handlungen mit Kindern eingegangen ist. Die Ermittlungen seien im Gang. Der Betreuer wollte nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Auch sein Anwalt äussert sich nicht zum Fall, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Bis zu einer allfälligen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

(tam)