Fall Rupperswil

08. April 2019 09:56; Akt: 08.04.2019 12:16 Print

Hat Polizeioffizier zu viel zum Mord ausgeplaudert?

Gegen einen Polizeioffizier, der im Fall Rupperswil ermittelte, läuft ein Verfahren. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Dienstchef Forensik vor, Täterwissen ausgeplaudert zu haben.

Ein Dokumentarfilm zum Fall Rupperswil.
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Der Vierfachmord in Rupperswil hat ein Nachspiel für einen Polizeioffizier der Kantonspolizei Aargau. Gegen ihn lief bereits ein Verfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung, doch es wurde sistiert. Nun hat es die Staatsanwaltschaft gemäss der «Aargauer Zeitung» wieder aufgenommen.

Der Dienstchef Forensik soll Details zum Mord ausgeplaudert haben. Heute ist zwar bekannt, dass Mörder Thomas N. seinen Opfern die Kehle durchschnitt. Damals sollte das die Öffentlichkeit aber nicht wissen. Trotzdem erwähnten Personen diese Information im Laufe der Ermittlungen. Erzählt habe dies ein gewisser Stephan (Name geändert), schreibt die Zeitung. Dieser habe wiederum gesagt, er wisse nicht mehr genau, ob er das Detail von seiner Schwiegermutter oder Ehefrau erfahren habe.

Informationen von Schwiegermutter oder Ehefrau?

Die Schwiegermutter ist die Lebenspartnerin des Dienstchefs Forensik der Kantonspolizei Aargau. Stephans Schwiegermutter und Ehefrau sagten bei Befragungen später, dass sie nichts weitererzählt hätten, da sie das gar nicht gewusst hätten. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Verfahren gegen Stephan, weil er falsche Zeugenaussagen gemacht haben soll. Vorerst wurde das Verfahren gegen den Polizeioffizier sistiert.

Beim Prozess im letzten Jahr sagte Stephan aber immer noch, dass er die Informationen von seiner Schwiegermutter oder seiner Frau erhalten habe. Ein anderer Zeuge belastete den Polizeioffizier zusätzlich. Stephan wurde am Ende freigesprochen. Weil der Freispruch rechtskräftig ist, wurde das Verfahren gegen den Polizeioffizier wieder aufgenommen.

Polizeioffizier arbeitet noch bei der Kapo

Wie ein Sprecher des Departements Volkswirtschaft und Inneres sagt, arbeitet der Mann weiterhin bei der Kantonspolizei. Welche Auswirkungen ein allfälliger Schuldspruch auf das Arbeitsverhältnis hätte, kann er noch nicht sagen. Zuerst müsse das Urteil abgewartet werden.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft auch Stephans Ehefrau und Schwiegermutter im Visier. Sie wirft den beiden das vor, was sie auch Stephan vorgeworfen hatte: falsches Zeugnis. Genauso wie für den Polizeioffizier gilt auch für sie die Unschuldsvermutung.

Der Prozess zum Vierfachmord von Rupperswil

(som)