Stadt Zürich

29. März 2019 04:50; Akt: 29.03.2019 04:50 Print

Hiltl zieht sich aus dem Nachtleben zurück

Gastronom Rolf Hiltl macht mit seinen jüngsten drei Party-Projekten eine Pause. Nur der Club an der St. Annagasse bleibt bestehen.

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Eigentlich ist der Gastronom Rolf Hiltl für seine vegetarischen Restaurants bekannt. Im Laufe seiner Karriere zog es ihn aber ins Zürcher Nachtleben. Den Hiltl-Club an der St. Annagasse eröffnete er vor über zehn Jahren. Ab 2017 baute er mit der Perle an der Langstrasse, dem Sihlpostclub an der Europaallee und den Partys auf der Hiltl-Dachterrasse im Kreis 1 sein Nachtleben- und Partyangebot aus.

Doch wie Hiltl auf Anfrage bestätigt, macht er mit seinen drei jüngsten Party-Projekten eine Pause. So finden diesen Sommer keine Dachterrassen-Partys statt, und der Sihlpostclub geht ab April in eine lange Sommerpause. Ob der Club im Herbst wieder aufgeht, ist unklar.

Rückzug nicht wegen mangelnden Erfolgs

Auch das Konzept im Club Perle an der Langstrasse ändert sich. Gewisse Labels werden durch bisherige Veranstalter eigenständig weitergeführt, und der Club wird als Event-Location vermietet. Wie hoch die Miete sein wird, ist unklar. «Das kommunizieren wir nicht», sagt Hiltl.

Wie der Gastronom erklärt, liegen die Gründe für den Rückzug nicht im mangelnden Erfolg: «Der Sihlpostclub lief samstags sehr gut, und auch die Dachterrassen-Partys waren äusserst beliebt.» Der Aufwand, das Restaurant jedes Mal in einen Club zu verwandeln, sei aber riesig. «Wir mussten immer alles rausräumen und auch zusätzlich eine Security-Firma beauftragen. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld.» Es sei aber gut möglich, dass man nächsten Sommer wieder Dachterrassen-Partys durchführen werde.

Hiltl möchte sich nun wieder intensiver auf seinen Club an der St. Annagasse konzentrieren: «Im Hiltl Club werden wir wie bis jetzt unsere erfolgreichen Partys veranstalten.» Zudem wird er weiterhin mit dem Hive das Partylabel Rakete in der Badi Mythenquai durchführen: «Wir fokussieren uns dieses Jahr voll und ganz auf diese Locations und unsere vegetarischen und veganen Gastronomieangebote.»

Vorwürfe an Hiltl

In der Nachtlebenszene kommt Hiltls Entscheidung nicht gut an. Der Vorwurf eines Insiders: Der Gastronom sehe das Nachtleben nur als Goldesel und nicht als kulturellen Mehrwert. Er habe seine Restaurants zu Clubs umfunktioniert, solange er profitieren konnte, Veranstalter hätten geholfen, die Locations aufzubauen –und nun laufe es ein bisschen schlechter, und Hiltl beende gleich alle Projekte.

Alexander Bücheli, Mediensprecher der Zürcher Bar- und Clubkommission, sieht das etwas anders: «Das ist ein firmeninterner Geschäftsentscheid, den ich nicht kommentieren möchte.» Dass das Nachtleben nicht einfach ist, sei aber kein Geheimnis: «Vor 20 Jahren war es einfacher, einen Club zu führen.»

Kosten viel höher als früher

Heute seien die Kosten viel höher und die Partygäste anspruchsvoller: «Die Leute wollen guten Service, Topmusik und bekannte DJs. Die Künstler verlangen aber höhere Gagen für ihre Auftritte, weil sie keine Musik mehr verkaufen.»

Zudem würden die Gäste weniger konsumieren: «Oft trinken sie schon, bevor sie in den Club kommen.» Der Kostendruck führe dazu, dass man sich keine schlechten Abende mehr leisten könne: «Sie zahlen hohe Monatsmieten, haben aber nur an zwei Tagen die Woche offen.» Natürlich seien Clubschliessungen schade für das kulturelle Angebot in der Stadt. Aber: «Wir sind auch nur Geschäftsleute, die auf Kosten achten müssen.»

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli1966 am 29.03.2019 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich finde

    den Entscheid nachvollziehbar und richtih

    einklappen einklappen
  • Andre am 29.03.2019 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    Insider

    Der Insider soll doch selber kulturelle Mehrwerte schaffen! Wenn du nichts mehr verdienst, ist es besser die Projekte zu beenden

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  • Samuel Koch am 29.03.2019 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preise im Ausgang

    Hmmm... Günstigere Preise an der Bar und voilà der Umsatz brummt wieder. Nur als Beispiel. Für einen Club wie hiltl kostet ein 3dl Sprint im Einkauf ca. 1.50 Dito gilt für Cocktails und Mixgetränke. Viele Veranstalter kriegen den Hals nicht voll.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • BSN am 29.03.2019 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb hier eine Diskussion?

    Es ist ein unternehmerischer Entscheid und da hat die Öffentlichkeit kein Recht das zu bewerten ohne die entscheidenden Fakten zu kennen. Wieso will man sich bloss immer überall einmischen - aber das bei sich selbst nicht akzeptieren??

  • Martin Brändle am 29.03.2019 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat sich stark verändert

    Früher konnte man sich im Club noch richtig amüsieren und feiern. Heute ist es hauptsächlich eine Selbstdarstellung der Leute.

  • Wilhelm Tell am 29.03.2019 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so nicht

    Partylokale die in Wohngebieten sind, müssen um 24.00 schliessen. In Gewerbegebieten sind Öffnungszeiten bis 6.00 Uhr erlaubt. Der volkswirtschaftliche Schaden durch die heutige Situation ist nicht mehr tragbar.

  • Lars Meier am 29.03.2019 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Da laufte gar nichts mehr.. wer mal im sihlpostclub war, kann dies bezeugen. Absolut richtiger entscheid. Laden leer - Laden zu.

  • Didi am 29.03.2019 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So what

    Ob mit oder ohne Club, er ist und bleibt ein unsympatischer Gastronom!