Anglerglück am Greifensee

15. Juli 2014 16:21; Akt: 16.07.2014 06:20 Print

Hobbyfischer zieht Monster-Karpfen aus See

Mit Geduld, der richtigen Angel und ein bisschen Glück hat Bojan Drinic im Greifensee einen 27 Kilogramm schweren Spiegelkarpfen gefangen. Das ist schweizweit rekordverdächtig.

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Wenn es Nacht wird am Greifensee, schlägt die Stunde von Bojan Drinic. Mit seinen Fischerkameraden verbringt der 30-jährige Familienvater ganze Wochenenden am Mönchaltorfer Aaspitz. Am Ufer positionieren sie ihre grossen Profi-Angelruten, hängen Köder etwa aus selbst gekochtem Mais daran und warten. Vor allem das. Sie warten, bis ein Karpfen in seichtem Gewässer anbeisst. Dabei vertrauen sie auch auf einen elektronischen Bissanzeiger. Dieser piepst, wenn ein Fisch zuschnappt.

So geschehen in der Nacht auf den vergangenen Sonntag um 1.30 Uhr. «Ich hatte mich etwas hingelegt, als es plötzlich losging», sagt Drinic. Vorsichtig drehte er an der Spule, während sich die Kollegen mit einem Netz parat machten. «Ich spürte sofort, dass es sich um einen grossen Fang handeln muss – der Fisch pumpt ja richtig, wenn er versucht, wegzuschwimmen», sagt Drinic. Weil sich ein Spiegelkarpfen nur langsam bewegt, konnte er ihn innerhalb von zehn Minuten problemlos aus dem Wasser ziehen.

«Dafür gibt es mehrere Zeugen»

An Land legte er den Fisch sogleich auf die Waage: 27 Kilogramm. «Dafür habe ich mehrere Zeugen», sagt Drinic. «Noch nie in meinem Leben erzielte ich einen solchen Fang.» Zum Vergleich: Sein bisher grösster Fisch war ein 17,5 Kilogramm schwerer Spiegelkarpfen, den er letztes Jahr ebenfalls am Mönchaltorfer Aaspitz gefangen hatte. Noch in derselben Nacht nahm Drinic «Big Mama», wie er das 113 Zentimeter lange Prachtexemplar nannte, aus. «Am Ende blieben vielleicht noch 18 oder 19 Kilogramm Fisch zum Essen übrig.»

Das war immer noch genug für ein wahres Essgelage am Sonntagmittag. Zu diesem versammelten sich Familie und Freunde bei Drinic zu Hause. Denn die Nachricht vom Riesenfang hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Es gab Fischsuppe sowie Karpfen im Paniermehl gewendet und gebraten. «Ein Festessen, das bei uns vor allem an Weihnachten Tradition hat», sagt der eingebürgerte Bosnier. «Oder eben bei besonderen Gelegenheiten.»

Fisch wohl mehrere Jahrzehnte alt

Und besonders ist der Fang auf alle Fälle: «Meines Wissens handelt es sich um einen der grössten je schweizweit gefangenen Karpfen», sagt Andreas Hertig, Fischereiadjunkt des Kantons Zürich. Erst vor zwei Jahren hatte ein anderer Hobby-Fischer ebenfalls am Greifensee einen 25 Kilogramm schweren Karpfen gefangen. Laut Hertig werden Karpfen sehr alt, solche grossen Exemplare können möglicherweise mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Überhaupt sei der Karpfen-Bestand im Greifensee gut.

Das hört Drinic gern. Er wird auch in Zukunft die eine oder andere Nacht am Greifensee verbringen, um Karpfen zu fangen. Zusammen mit Fischerkameraden ausharren. Sich fragen, wie schwer wohl der nächste Fang sein und wie sich der Karpfen an der Angel verhalten wird. Er sagt: «Dieses Ungewisse, ob ein Fisch anbeisst oder nicht – das ist der Kick.»


(rom)