Betrugsprozess

15. Mai 2014 07:27; Akt: 15.05.2014 11:39 Print

Hochstapler, Ökonomin und Anwalt vor Gericht

von Attila Szenogrady - Ein jordanischer Hochstapler soll das Sozialamt, Zürcher Drogenfahnder und deutsche Investoren getäuscht haben. Gegen ihn und seine Entourage läuft seit Dienstag der Prozess.

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Der Eingang des Bezirksgerichts Zürich. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli musste wiederholt eingreifen, um den Redeschwall des inhaftierten jordanisch-holländischen Doppelbürgers und mutmasslichen Vierfach-Betrügers zu bremsen.

Der heute 37-jährige Geschäftsführer entpuppte sich laut Anklage als aussergewöhnlich vielschichtige Persönlichkeit.

Der Sozialhilfebetrüger

Der zuständige Staatsanwalt Bruno Meier schilderte zuerst die Rolle des Sozialhilfebetrügers. So beantragte der Beschuldigte im Sommer 2008 Sozialhilfe und kassierte bis zum September 2009 Fürsorgegelder von über 40'000 Franken.

Nicht so gut passte dazu, dass der vermeintlich mittellose Mann in derselben Zeit mit privaten Kreditkarten Einkäufe für über 43'000 Franken tätigte, phasenweise in einem Luxushotel residierte und Reisen nach Holland, Jordanien und Dubai unternahm. Zudem leaste er sich mit 20'000 Franken einen Luxus-BMW und richtete mit der Swiss Dubai International (SDI) eine eigene Finanzfirma ein.

Der Kokainbaron

Im Mai 2010 führte der Mann einen Verleih von Luxus-Limousinen und führte sogar verdeckte Ermittler der Stadtpolizei Zürich hinters Licht. So stellte der angebliche Kokainbaron den erfahrenen Drogenfahndern hochwertiges Kristallkokain für 120'000 Franken in Aussicht.

«Der V-Mann zeigte sich interessiert und war aufgrund der suggestiven Kraft des Beschuldigten persönlich überzeugt, dass er liefern könne und wolle», steht in der Anklage, die von einem geschickt inszenierten Lügengebäude berichtet. Der Deal kam nicht zustande, da der Jordanier gar nichts verkaufen konnte.

Der Wirtschaftskriminelle

Laut Anklage betätigte sich der Beschuldigte ab Sommer 2011 auch als klassischer Wirtschaftskrimineller. Er bot deutschen Investoren fantastische Investitionskredite für rund zehn Millionen Franken an und verlangte dafür «bescheidene» Vorauszahlungen und Gründungskosten.

Laut Anklage konnte der Beschuldigte auch einen aus dem Nahen Osten stammenden Zürcher Rechtsanwalt und Honorarkonsul für seine Pläne gewinnen, zudem eine ehemalige Schweizer CS-Bankfachfrau, die heute die Ehefrau des Beschuldigten ist. Die attraktive Ökonomin verkaufte ihren Partner als Geschäftsmann mit Kontakten zur Hochfinanz Arabiens. Dabei führte sie jeweils vor den Geschädigten Scheintelefonate mit angeblichen Scheichs. Fest steht, dass mehrere deutsche Anleger insgesamt über eine halbe Million Euro der Holding des Beschuldigten überwiesen. Sie bemerkten zu spät, dass sie einem Zürcher Märchen von 1001 Nacht aufgesessen waren.

Der Manipulator

Die Polizei nahm den gebürtigen Jordanier im Februar 2012 fest. Was nicht bedeutete, dass die kriminelle Serie abriss. So zog er seine Fäden auch aus dem Gefängnis weiter. Er stiftete laut Anklage während einer islamischen Andacht einen Imam an, für ihn zwei Briefe aus der Strafanstalt zu schmuggeln – was der Seelsorger auch tat. Wobei eines der Schreiben als Drohbrief gegen einen in Deutschland wohnhaften Belastungszeugen gerichtet war.

Viereinhalb Jahre Freiheitsentzug gefordert

Der Beschuldigte wies die Vorwürfe vor Gericht zurück. Ebenso die Ex-Bankerin, die von nichts gewusst haben will. Und nicht zuletzt der Rechtsanwalt, der die meisten Fragen nicht beantworten wollte.

Der Ankläger verlangte für den mutmasslichen und vorbestraften Haupttäter wegen Betrugs und weiterer Delikte eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. 24 Monate bedingt sollte der Jurist erhalten wegen Betrugs und Veruntreuung. 15 Monate bedingt droht der 38-jährigen Schweizerin, der Gehilfenschaft und Geldwäscherei angelastet werden.

Der Prozess wird mit den Plädoyers der Verteidiger fortgesetzt. Sie werden im Wesentlichen Freisprüche fordern. Das Urteil wird in einer Woche am Donnerstag eröffnet. Alle Prozessparteien können danach Berufung einlegen.