Ex-Angestellter verurteilt

05. Oktober 2011 14:46; Akt: 05.10.2011 15:28 Print

Hofstetter-Show wurde abgekupfert

von Attila Szenogrady - Der bekannte Lichtkünstler Gerry Hofstetter wurde von einem ehemaligen Angestellten hinters Licht geführt. Dieser hat eine Beleuchtung des Brandenburger Tores in Berlin widerrechtlich kopiert. Er wurde zu einer teilbedingten Geldstrafe verurteilt.

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Den ersten Berliner Event vom 2. August 2005 lieferte noch der bekannte Lichtkünstler Gerry Hofstetter aus Zumikon. In einer speziellen Licht-Show beleuchtete er das Brandenburger Tor mit den Landeswappen sowie der Landesflagge der deutschen Hauptstadt.

Nur ein halbes Jahr später fand die Wiederholung des gelungenen Ereignisses statt. Anlässlich der Grünen Woche wurde das geschichtsträchtige Monument erneut mit Licht überflutet, wiederum mit den gleichen Symbolen. Allerdings führte diesmal nicht Hofstetter Regie, sondern zwei ehemalige Lichtassistenten des Meisters.

Lichtshow geklaut

Bei den beiden Ex-Assistenten handelte es sich um einen heute 31-jährigen Deutschen sowie eine 44-jährige Walliserin. Sie mussten sich kürzlich vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten. Während die Anklage für den heutigen Lastwagen-Chauffeur wegen Betrugs sowie Nebendelikten eine teilbedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 40 Franken verlangte, sollte die Mutter wegen unlauteren Wettbewerbs eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 120 Franken verbunden mit einer Busse von 500 Franken erhalten.

Der Vorwurf der zuständigen Staatsanwältin war klar: So soll das damalige Liebespaar die Berliner Idee schlicht geklaut und abgekupfert haben. In der Anklage ist von einer gemeinsamen Planung der beiden Beschuldigten die Rede. Allerdings soll der Deutsche die treibende Kraft gewesen sein. Er entwendete laut Anklage diverse Projektionsfolien und druckte heimlich elektronisch gespeicherte Vorlagen Hofstetters aus. Er war nach seiner Entlassung im Spätsommer 2005 auch für die Gründung einer eigenen Firma namens «L-visions» verantwortlich.

Schaden von 45 000 Franken

Vor Gericht machte der 49-jährige Ex-Investment-Banker Hofstetter über seinen Rechtsvertreter wegen des unlauteren Wettbewerbs einen Schaden von über 45 000 Franken geltend. Anders sah es die Gegenseite. Die frühere Angestellte beteuerte ihre Unschuld. Ihr Verteidiger verlangte ebenfalls einen Freispruch, da die fraglichen Folien der Ex-Freund der beschuldigten Mutter hergestellt habe. Zudem habe sie die Zusammenarbeit mit dem Mitbeschuldigten bereits im Dezember 2005 beendet.

Auch der mutmassliche Haupttäter war sich keiner Schuld bewusst. Da er schon beim ersten Mal in Berlin dabei gewesen sei, habe er genau die gleichen Bilder selbständig herstellen können, sagte er. Entwendet habe er nichts.

Verschulden eher schwer

Das Gericht kam beim deutschen Angeklagten zu einem vollen Schuldspruch und verurteilte ihn wegen unlauteren Wettbewerbs anklagegemäss zu einer teilbedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 40 Franken. Die Hälfte davon soll er bezahlen. Das Gericht kam aufgrund einer Analyse des Materials zum Schluss, dass der Beschuldigte die Folien Hofstetters entwendet und eingesetzt habe. Der Mann wurde auch bei zwei Nebendelikten für schuldig befunden. So hat er eine Ex-Freundin um Telefonrechnungen betrogen und diese später mit dem Tode bedroht.

Mehr Glück hatte die Mitangeklagte. Sie wurde mangels Beweisen freigesprochen und erhält eine Entschädigung von 7500 Franken, im Gegensatz zum Hauptbeschuldigten, der Hofstetter infolge des Schuldspruchs eine Prozessentschädigung von 35 000 Franken entrichten soll. Der Angeklagte sprach unmittelbar nach der Urteilseröffnung von einem Skandal und kündigte eine Berufung an.