Urteil

30. März 2011 17:33; Akt: 30.03.2011 17:33 Print

Hohe Strafe für Fusstritt in den Kopf

von Attila Szenogrady - Ein Bauarbeiter hat einem am Boden liegenden Gegner in den Kopf getreten und weitere Personen attackiert. Nun muss der Gewohnheitsschläger für fast vier Jahre hinter Gitter.

Fehler gesehen?

Die Zeit der letzten Chancen war für den heute 25-jährigen Dübendorfer am Mittwoch endgültig vorbei. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den Schweizer wegen versuchter schwerer Körperverletzung, räuberischen Diebstahls, mehrfachen Körperverletzungen sowie diversen weiteren Nebendelikten zu einer hohen Freiheitsstrafe von 46 Monaten.

Auf die Anordnung einer von der Verteidigung verlangten stationären Massnahme verzichtete das Gericht bewusst. So würde eine Alkohol-Entzugstherapie lediglich sechs Monate dauern, erklärte der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli. Im Hinblick auf die langjährige Strafe wäre eine solche Massnahme unverhältnismässig milde und würde gegen das so genannte Untermassverbot des Bundesgerichts verstossen.

Wehrlosen Gegner in den Kopf getreten

Der Angeklagte war in den letzten Jahren immer wieder durch Gewaltausbrüche aufgefallen. So hatte der Schwulenhasser bereits vor drei Jahren zwei homosexuelle Studenten in der Uetliberg-Bahn verprügelt. Am 16. Januar 2010 ging der Alkoholiker noch weiter und sitzt seither in Haft. Er prügelte sich damals mit einem heute 36-jährigen Passanten an der Dienerstrasse in Zürich herum. Der Dübendorfer gewann die Oberhand und stiess seinen Gegner in das Fenster einer Bäckerei hinein.

Als der am Bauch verletzte Geschädigte bereits wehr- und regungslos am Boden lag, trat ihm der Beschuldigte mit einem Skaterschuh schwungvoll in den Kopf. Das Opfer erlitt nicht nur einen Nasenbeinbruch, sondern auch ein Schädelhirntrauma.

Nur teilgeständig

Am Mittwoch stand der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Zürich und zeigte sich nur teilgeständig. Er habe nicht so stark getreten, führte er aus und wies damit den Vorwurf einer versuchten schweren Körperverletzung von sich. Allerdings sprachen weitere Gewaltdelikte gegen den mehrfach vorbestraften Täter. So hatte er bereits am 12. April 2009 vor dem Dübendorfer Club Viper einen Gast spitalreif geprügelt.

Erschreckend war, dass der Mann auch aus völlig nichtigen Anlässen zuschlagen konnte. So im Dezember 2008, als er in Zürich-Oerlikon zwei Passanten mit Faustschlägen niederstreckte. Grund der Attacke: Der Angeklagte hatte zuvor seine Opfer vergeblich nach Zigaretten gefragt.

Hang zur rohen Gewalt

Der zuständige Staatsanwalt ging von einem schweren Verschulden aus und verlangte eine unbedingte Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Während des Strafvollzugs sei eine ambulante Entzugstherapie angebracht, plädierte er. Im Gegensatz zum Verteidiger, der im Rahmen einer wechselseitigen Schlägerei beim Hauptvorwurf nur von einer einfachen Körperverletzung sprach und sich für drei Jahre Freiheitsentzug einsetzte. Zudem für einen Aufschub des Strafvollzugs zugunsten einer stationären Massnahme. Ohne Erfolg, da das Gericht in grossen Teilen der Anklage folgte.

Der Vorsitzende Aeppli sprach von einem Hang zur rohen Gewalt und einer besonderen Skrupellosigkeit des gemeingefährlichen Beschuldigten. Aeppli stellte klar, dass das Obergericht vor einem halben Jahr in einem anderen Prozess eine stationäre Massnahme angeordnet habe. Allerdings soll der mehrfach vorbestrafte Täter vorher einen Grossteil der Sanktion verbüssen.