Abstimmung über das Hundegesetz

02. Februar 2019 11:29; Akt: 08.02.2019 13:58 Print

So oft beissen Hunde wirklich zu

Vor 2 Jahren wurde das nationale Hundekurs-Obligatorium abgeschafft, der Kanton Zürich will nun ebenfalls darauf verzichten. Dabei nimmt die Zahl der registrierten Hundebisse zu.

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1069 Hundebisse wurden im vergangenen Jahr im Kanton Bern gemeldet, 2010 waren es noch 799 Fälle. Im Kanton St. Gallen zeigt sich ein ähnliches Bild: Während 2008 217 Fälle von Hundebissen gemeldet wurden, waren es 10 Jahre später bereits 392. Das schreibt die «Schweiz am Wochenende» Kontrovers: Ein nationales Hundekurs-Obligatorium wurde vor zwei Jahren abgeschafft. Nur einzelne Kantone kennen noch eine Kurspflicht. In Zürich könnte diese am nächsten Wochenende abgeschafft werden. (Symbolbild) Eingeführt worden war die Hundekurspflicht auf nationaler Ebene als Reaktion auf einen besonders tragischen Vorfall. Der Bund reagierte und führte 2006 eine Meldepflicht für Hundeangriffe ein und 2008 das besagte Hundekurs-Obligatorium. Letzteres verpflichtete Hundehalter dazu, je vier Lektionen Theorie und Praxis zur Hundehaltung zu besuchen. Im Frühjahr 2018 entschied der Zürcher Kantonsrat, die Pflichtkurse abzuschaffen. Dagegen wurde von linker Seite her das Referendum ergriffen. Zankapfel im Abstimmungskampf sind die registrierten Hundebisse. (Symbolbild) Eigentlich hat der Kanton Zürich eines der restriktivsten Hundegesetze der Schweiz, das 2010 in Kraft trat. Neben dem Hundekurs-Obligatorium, das für Halter von grossen und massigen Hunden zehn Lektionen praktische Ausbildung vorsieht, sind verschiedene Hunderassen wie etwa Pitbull-Terrier oder Bandog verboten. Weiter gilt an besonders frequentierten öffentlichen Orten eine Leinen- und unter gewissen Umständen eine Maulkorbpflicht. Am 10. Februar stimmt nun die Stimmbevölkerung in Zürich über das Pflichtkurs-Obligatorium ab.

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1069 Hundebisse wurden im vergangenen Jahr im Kanton Bern gemeldet, 2010 waren es noch 799 Fälle. Im Kanton St. Gallen zeigt sich ein ähnliches Bild: Während 2008 217 Fälle von Hundebissen gemeldet wurden, waren es 10 Jahre später bereits 392. Das schreibt die «Schweiz am Wochenende». Auch in Zürich und Luzern beissen Hunde immer häufiger zu. Kontrovers: Ein nationales Hundekurs-Obligatorium wurde vor zwei Jahren abgeschafft. Nur einzelne Kantone kennen noch eine Kurspflicht. In Zürich könnte diese am nächsten Wochenende abgeschafft werden.

Umfrage
Soll die Hundekurs-Pflicht in Zürich abgeschafft werden?

Eingeführt worden war die Hundekurspflicht auf nationaler Ebene als Reaktion auf einen besonders tragischen Vorfall. Der Schrecken sass in der ganzen Schweiz tief, als der 6-jährige Süleyman am 1. Dezember 2005 in Oberglatt ZH auf dem Weg in den Kindergarten von drei Pitbull-Terriern zu Tode gebissen wurde. Der Bund reagierte und führte 2006 eine Meldepflicht für Hundeangriffe ein und 2008 das besagte Hundekurs-Obligatorium. Letzteres verpflichtete Hundehalter dazu, je vier Lektionen Theorie und Praxis zur Hundehaltung zu besuchen.

Restriktives Hundegesetz in Zürich

Diese Regelung wurde nicht einmal zehn Jahre später wieder abgeschafft. Das kritisiert Hansueli Beer, Präsident der schweizerischen kynologischen Gesellschaft, gegenüber der «Schweiz am Wochenende». Besonders für Neuhalter seien die Kurse wertvoll. Wer nicht bereit sei, eine kurze Ausbildung zu durchlaufen, sollte auch keinen Hund besitzen, so Beer. «Um Zwischenfällen mit Hunden vorzubeugen, ist die Sozialisierung der Welpen sowie die Ausbildung, Erziehung und das korrekte Führen des Hundes zentral. Nur gut erzogene Hunde können in unserer Gesellschaft stressarm und sicher geführt werden», schreibt auch das Zürcher Veterinäramt in einer Broschüre zu den Pflichtkursen.

Eigentlich hat der Kanton Zürich eines der restriktivsten Hundegesetze der Schweiz, das 2010 in Kraft trat. Neben dem Hundekurs-Obligatorium, das für Halter von grossen und massigen Hunden zehn Lektionen praktische Ausbildung vorsieht, sind verschiedene Hunderassen wie etwa Pitbull-Terrier oder Bandog verboten. Weiter gilt an besonders frequentierten öffentlichen Orten eine Leinen- und unter gewissen Umständen eine Maulkorbpflicht.

Zankapfel Hundebisse

Im Frühjahr 2018 entschied der Zürcher Kantonsrat, die Pflichtkurse abzuschaffen. Dagegen wurde von linker Seite her das Referendum ergriffen. Nun hat das Zürcher Stimmvolk am 10. Februar das letzte Wort. Zankapfel im Abstimmungskampf sind die registrierten Hundebisse. Die Abschaffungs-Befürworter argumentieren, dass bis heute statistisch nicht bewiesen werden könne, dass ein Hundekurs-Obligatorium dazu führe, dass die Zahl der Beissvorfälle abnehme. Der durch die Kurse resultierende Aufwand für die Hundehalter sei deshalb unverhältnismässig.

Dem widerspricht die Gegenseite: Die Datenlage sei nicht ausreichend, um ein gültiges Fazit über die Wirkung der Hundekurse auf die Häufigkeit der Hundebiss-Vorfälle zu ziehen. Entscheidend sei einzig, dass diese Zahl zu hoch sei. Zudem hätten mehr als 60 Prozent der Hundehalter angegeben, die Hundekurse würden sich positiv auf ihr Verhalten gegenüber ihren Hunden auswirken. Das habe eine Umfrage des kantonalen Veterinäramtes von 2016 ergeben. Nur gerade 5 Prozent der Hundehalter würden die Kurse als «schlecht» beurteilen.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.Benij am 02.02.2019 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Hundehalter

    Wann wird in Hundeschulen endlich richtiges Wissen über die Psychologie des Hundes unterrichtet? "Sitz" lernen kann ein Hund so oder so. Aber einen Hund lesen und seine psychologischen Abläufe kennen, das können fast keine Hundehalter! Und da liegt das Problem, weil die Halter nicht mal ihren eigenen Hund lesen können...

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  • Helga Zimmermann am 02.02.2019 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bissiger Hund???

    Die Menschen müssen zuerst getestet werden ob sie überhaupt fähig sind Hunde zu halten. Die Hunde sind nicht böse ... Die Menschen machen sie dazu.

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  • Öpfeli. am 02.02.2019 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Der Titel ist falsch! Das Fehlverhalten der Menschen nimmt zu / wird immer häufiger

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schneehasi am 04.02.2019 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und die anderen?

    was ist den mit den Joggern, Velofahrer etc? Die, die die Hunde erschrecken, wenn sie plötzlich lautlos hinter einem sind und dann noch meinen sie müssen uns mit Beleidigungen begrüssen und mit dem Mittelfinger zuwinken. Von denen spricht keiner.... Auch die Eltern die ihre Kinder nicht im Zaum halten und diese einfach auf den Hund zustürmen lassen oder ihn noch piesacken. Oder die Mütter die ihr Kind nicht schnell genug, mit den Worten: "oh nein da ist ein gefährlicher Hund, wir müssen schnell die Strasse und die Stadt verlassen" Weg zerren. Amen!

  • Rotfuchs am 03.02.2019 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenfassung

    Aus den Erklärungen all der Hundeexperten in dieser Kommentarrunde ziehe ich den Schluss, dass Hundebisse ausschliesslich durch Menschen verursacht bzw. verschuldet sind. Daher benötigen wir sofort passende Gesetze zum schulischen Pflichtfach über das richtige Verhalten gegenüber Hunden sowie zu strengsten Ausbildungen und Prüfungen mit Fähigkeitszeugnis und Wiederholungspflicht für alle aktuellen und angehenden Hundebesitzer. Selbstverständlich nur durchsetzbar unter harten Straffolgen bzw. Verweigerung von Versicherungsleistungen in Widerhandlungsfällen.

    • Anna am 03.02.2019 17:47 Report Diesen Beitrag melden

      Vernunft

      Es ist noch viel einfacher: Halten sie ihren Hund so, dass er keine Gefährdung ist für andere Menschen.

    • driver am 03.02.2019 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rotfuchs

      Genau. Es sieht nur nicht jeder so.

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  • Nadja am 03.02.2019 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Pro Kursobligatorium

    Ich als Betreiberin einer Hundeschule würde ein erneutes Obligatorium begrüssen und zwar für ERSThundehalter. 4 Stunden Theorie, 10 Lektionen Praxis. Beim SKN habe ich teilweise erschreckende Erfahrungen gemacht und es waren auch Leute dabei, welche nach dem Theoriekurs auf den Kauf eines Hundes verzichtet haben. Sehr viele Teilnehmer konnte ich aber auch "gluschtig" machen, mehr mit den Hunden zu machen, sich weiterzubilden. Ich setze in meiner Ausbildung auf die Wissensvermittlung der Lerntheorie und das Ausdrucksverhalten des Hundes. Besitzer sollen ihren Hund "lesen" können.

  • Martin am 03.02.2019 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Kurse sondern

    mit 1/2 jährig , jährig und 2 jährig( wie dann auch immer) eine Gehorsam- und Wesensprüfung abnehmen. Wenn ungenügend MUSS ein Kurs nachgeholt weden. So kann jeder selbst entscheiden, ob ein Kurs besucht werden soll oder nicht.

  • Chillpepper + Retriever Chiara am 03.02.2019 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ein beidseitiges geben und nehmen

    Hundekurse sind nicht nutzlos. Ich als Hundehalter habe meinen Hund im Griff. Wie auch der Mensch ist der Hund ein Lebewesen. Fühle mich bei gewissen Menschen auch nicht immer sicher. Ich habe gegenüber Velofahrer und Jogger Respekt und schütze meinen Hund, in dem ich ihn zu mir nehme. Leider fehlt bei gewissen Velofahrern und Jogger manchmal der Respekt und auch der Anstand. Ein einfaches Grüezi oder Danke wäre auch schön, aber vielfach wird man einfach angeraunzt ohne Grund, was mir gedanklich wüste Worte denken lässt und ein müdes Kopfschütteln.

    • Roland Weiss am 03.02.2019 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chillpepper + Retriever Chiara

      Absolut richtig. Rücksichtnahme, aber von allen. Dann gäbe es auch keine solche Hetzkommentare hier.

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