11. November 2008 23:26; Akt: 11.11.2008 23:26 Print

ICF gründet College – Sektenexperte alarmiert

von David Torcasso - Die poppige Freikirche ICF hat ein College gegründet, wo man das gottgefällige Leben erlernen kann. Sektenkenner Georg O. Schmid äussert schwere Bedenken.

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ICF-«Celebration» mit Pastor Leo Bigger. (Reto Oeschger)

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Die Freikirche ICF ist bei Jungen beliebt: Jeden Sonntagabend strömen über 2000 Besucher in die Maag-Halle in Zürich und feiern eine «Celebration» mit Musik und
Feuerwek – ähnlich einem Popkonzert. Neu können die ICF-Jünger auch die Schulbank drücken: Im ICF-College lernen sie, «ihr Leben für Gottes Sache ganz hinzugeben», wie es in den Kursunterlagen heisst. Für 1350 Franken pro Jahr erhalten sie etwa eine «Einführung in die göttliche Weisheit» und lernen «Leiten wie Jesus». Zum Abschluss gibts zwar kein Frei­ticket in den Himmel, aber immerhin ein Diplom. «Wir reagieren mit diesem Angebot auf eine gros­se Nachfrage in unserer Gemeinde», sagt Kursleiter Nicolas Legler, der angeblich von Anmeldungen überhäuft wird. Einige hätten dafür sogar ihr Jobpensum reduziert, sagt er.

Sektenexperte Georg O. Schmid ist alarmiert: «Das ist eine fundamentalistische Kaderschmiede», sagt er. Es bestehe die Gefahr, dass die Studenten fanatisiert werden könnten. «Der ICF ist bekannt für seinen missionarischen Eifer», erklärt der Religionswissenschaftler. Im College würden die Studenten lernen, ihr Umfeld effektiver für die Freikirche zu rek­rutieren, ist Schmid überzeugt. «Hinzu kommt, dass das Engagement in der ICF-Gemeinschaft an Geld gemessen wird», sagt Schmid. Mitglieder würden bis zu 30 Prozent ihres Einkommens abtreten.