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01. Dezember 2018 12:00; Akt: 01.12.2018 12:00 Print

Gelang IS-Geschwistern dank Mutter die Flucht?

Bei der gefährlichen Flucht zweier Jihad-Geschwister aus Syrien im Dezember 2015 soll deren Mutter aus Winterthur eine zentrale Rolle gespielt haben.

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«Der IS hat meine Kinder ausgetrickst», sagte ihr Vater vor vier Jahren kurz vor Weihnachten unter Tränen gegenüber türkischen Medien. Er war damals in die Türkei gereist, um seine zwei Kinder, den damals 16-jährigen V.* und die 15-jährige E.*, wieder nach Hause zu holen.

Die beiden Teenager mit Wurzeln im Nordkosovo waren zu diesem Zeitpunkt jedoch längst auf dem Weg nach Syrien, wo sie sich in den Dienst der Terrororganisation IS stellen und gemäss eigenen Aussagen «nach dem Koran und der Scharia» leben wollten. Der Vater gab die Hoffnung auf und reiste nach einer Woche in der Türkei zurück in die Schweiz nach Winterthur-Töss.

Ein Jahr später kehrten die Geschwister in die Schweiz zurück, wo sie am Flughafen Zürich festgenommen wurden.

Am Montag startet der Prozess um die beiden heute Erwachsenen, weil sie gegen das Verbot der Gruppierungen «Al-Kaida» und «Islamischer Staat» sowie gegen verwandte Organisationen verstossen haben sollen. Weil sie zum Zeitpunkt der ihnen vorgeworfenen Taten minderjährig waren, kommt das Jugendstrafrecht zum Zug.

Auch Mutter reiste nach Syrien

Ihr Vater war nicht der einzige, der sich darum bemühte, seine beiden Kinder wieder lebend aus den grausamen Kämpfen im syrischen Bürgerkrieg nach Hause zu bringen. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, hat dabei vor allem die Mutter eine zentrale Rolle gespielt – und gar ihr Leben aufs Spiel gesetzt.

Im Kriegsgebiet, wo sich V.* Idris al-Albani und seine Schwester Djumara nannten, seien die beiden nach eigenen Angaben Bombardierungen schutzlos ausgeliefert gewesen. Wahrscheinlich mit ein Grund, weshalb sie schon nach einem halben Jahr beim IS wieder zurück in die Schweiz wollten.

Gemäss dem «Tages-Anzeiger» tauchte ihre Mutter im Oktober 2015 mit einem grösseren Geldbetrag in der syrischen Stadt Menbij auf und traf sich dort mit ihren Kindern. Menbij liegt nordwestlich der Kalifatshauptstadt Raqqa und stand zu diesem Zeitpunkt unter vollständiger Kontrolle des IS. Vom Verkehrsknotenpunkt Menbij ist es aber auch nicht weit zur türkischen Grenze.

Zwei Monate nach der Ankuft der Mutter in Syrien liess sich V.* mit zwei Männern in der Türkei fotografieren. Die Ausreise aus dem Kalifat war geglückt.

(*Name der Redaktion bekannt)

(rab)