Sex, Alkohol und Fussball

14. Februar 2011 17:10; Akt: 14.02.2011 18:00 Print

IV-Rentner wegen Betrugs verurteilt

von Attila Szenogrady - Der angeblich depressive und arbeitsunfähige Serbe hatte seine Freizeit in vollen Zügen genossen und damit Gelder für rund 150 000 Franken erschwindelt.

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Mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten bedingt ging das Gericht über den Antrag des zuständigen Staatsanwaltes Markus Hug hinaus. Dieser hatte wegen mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs 21 Monate auf Bewährung gefordert.

Die Richter sind der Anklage umfassend gefolgt. Demnach hat ein in der Stadt Zürich wohnhafter Bauarbeiter ab 1999 nach einem Arbeitsunfall noch legal eine halbe IV-Rente bezogen. Dies änderte sich im Sommer 2003, als sich der Serbe als voll arbeitsunfähig meldete.

Depressionen und Vereinsamung angegeben

Der Angeklagte verwies auf ärztliche Gutachten, die ihm Depressionen und Vereinsamung attestierten. Demnach lebte der Familienvater sozial sehr zurückgezogen und fuhr nur sehr wenig mit dem Auto. Dazu unternahm er gemäss Bericht nicht viel, da er keine Energie oder Lust verspürte. Zudem trinke er keinen Alkohol, hiess es in einer weiteren ärztlichen Untersuchung.

Der Angeklagte erreichte sein Ziel und konnte als vollumfänglich Arbeitsunfähiger für über ein Jahr lang zusätzlich Invalidengelder für rund 150 000 Franken kassieren.

Sex, Alkohol und Fussballspiele

Eine detektivische Ueberwachung brachte die Wahrheit ans Licht. So fuhr der angeblich traurige Eremit fast jeden Tag mit seinem Auto zum Flughafen Kloten, wo er sich regelmässig mit zahlreichen Kollegen in Restaurants aufhielt und bei guter Laune reichlich Alkohol trank. Zudem besuchte er zahlreiche Fussballspiele und begeisterte sich für Schachpartien auf einem Marktplatz in Oerlikon. Nicht zuletzt verreiste er mehrmals im Jahr in die Ferien.

Der zuständige Staatsanwalt sprach von einem sehr umtriebigen und lüsternen Zeitgenossen, der nur eine Art von Tabletten konsumierte: Viagra. So pflegte der Schürzenjäger aussereheliche sexuelle Kontakte und wollte sich mit den blauen Pillen in Form halten. Er wurde im September 2008 für 45 Tage in Untersuchungshaft gesetzt.

Verteidigung unterlegen

Vor Gericht hatte die Verteidigung vergeblich einen Freispruch verlangt und das Beweisfundament als zu wenig stark eingestuft. Der Angeklagte hatte sich vor den Schranken kaum geäussert. Immerhin gab er an, dass er heute von der Sozialhilfe lebe.

Am Montag war noch unklar, ob die Verteidigung den Schuldspruch akzeptiert oder Berufung einlegen wird.