Bezirksgericht Zürich

30. März 2015 17:13; Akt: 30.03.2015 17:15 Print

Im Vollrausch mit einem Benzinkanister gezeuselt

von Attila Szenogrady - Ein betrunkener Bauarbeiter wollte den Zürcher Club Zukunft abfackeln – was ein Taxifahrer verhindern konnte. Der Täter kassiert eine Busse von 300 Franken.

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Das Bezirksgericht Zürich hat den Bauarbeiter wegen Gewässerverschmutzung verurteilt. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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«Nach einem letzten Gin Tonic konnte ich mich an nichts mehr erinnern», sagte der heute 28-jährige Beschuldigte am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich. Es war am 14. Februar 2014, als der Schweizer Maurer aus Winterthur seine Prüfung als Polier erfolgreich bestanden hatte.

Bereits am Mittag trank er deshalb mit einigen Berufskollegen das erste Bier. Danach becherte er am Abend in Zürich munter weiter. Kurz nach Mitternacht hatte der Vorarbeiter mindestens 2,1 Promille Alkohol im Blut.

Mit Benzinkanister Baum angezündet

Fest steht, dass sich der Beschuldigte um 0.45 Uhr an der Seebahnstrasse in Zürich-Wiedikon aufhielt und mit einem gefüllten 5-Liter-Benzinkanister für Unruhe sorgte. So schüttete er einen Teil des Treibstoffs absichtlich auf einen frisch gepflanzten Baum und zündete die Benzindämpfe an.
Ein Taxifahrer wurde auf die Flammen um den Baum aufmerksam und hielt an.

Daraufhin stieg der Beschuldigte mit dem Benzinkanister in das Taxi ein und forderte den Chauffeur auf, ihn zum Club Zukunft an der Dienerstrasse im Kreis 4 zu fahren – sonst würde er das restliche Benzin im Taxi anzünden. Weiter sagte er laut Anklage, dass er dort die «Bastarde» abfackeln werde.

Polizei auf sich aufmerksam gemacht

Während ein Wirt an der Seebahnstrasse das Feuer beim Baum löschen konnte, folgte der Taxilenker zum Schein den Anweisungen seines aggressiven sowie nach Benzin riechenden Fahrgasts und fuhr ihn an die Langstrasse. Dort machte er eine Polizeipatrouille auf sich aufmerksam.

Die Polizisten nahmen dem Polier den Benzinkanister ab und steckten ihn in eine Ausnüchterungszelle. Der Taxifahrer hatte damit wohl Schlimmeres verhindert und wurde in der Folge auch als Kandidat für den Prix Courage gehandelt.

Verteidigung für Freispruch

Da sich der Winterthurer Polier vor Gericht an nichts mehr erinnern konnte, fiel die Befragung kurz aus. Allerdings herrschte vor den Schranken Uneinigkeit. Während die Staatsanwaltschaft wegen Übertretung des Gewässerschutzgesetzes sowie Nötigung zum Nachteil des Taxichauffeurs eine bedingte Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 120 Franken sowie eine Busse von 1000 Franken forderte, setzte sich die Verteidigung für einen vollen Freispruch ein.

Der Rechtsanwalt kritisierte dabei die Polizei, die es unterlassen habe, beim Beschuldigten einen Bluttest anzuordnen. So sei es durchaus möglich, dass sein Klient unter dem Einfluss von rund drei Promille Alkohol gestanden und deshalb schuldunfähig gewesen sei. Ohnehin habe er den Taxifahrer weder bedroht noch genötigt. Der Beschuldigte sei sich seines beängstigenden Verhaltens gar nicht bewusst gewesen, plädierte er. Zudem habe der Taxihalter später bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass er die Situation auch ohne Polizei hätte handhaben können. Beim verletzten Gewässerschutz ging die Verteidigung von einer zu geringen Menge Benzin und damit von einer fehlenden Intensität aus.

300 Franken Busse

Bei der Nötigung kam das Gericht tatsächlich zu einem Freispruch und führte diesen auf das schwankende Aussageverhalten des Taxihalters zurück. So habe dieser den Beschuldigten noch bei der Polizei im Sinne der Anklage belastet. Dann habe er später bei der Staatsanwaltschaft die Situation entschärft dargestellt und mehrere frühere Schilderungen nicht mehr bestätigt, weshalb der Sachverhalt nicht erstellt sei – im Gegensatz zum Gewässerschutz, wo das Gericht aufgrund von mehreren Zeugenaussagen zu einem Schuldspruch kam. Wobei es von der Schuldfähigkeit des Winterthurer ausging. So hatte dieser den Kanister herumgeschwenkt und umstehenden Personen von seiner bestandenen Prüfung erzählt, sagte der Vorsitzende, hielt ihm aber eine schwer verminderte Schuldfähigkeit zur Tatzeit zugute.

Das Gericht setzte zum Schluss eine Busse von 300 Franken als Strafe fest. Zudem soll der Mann einen Sechstel der Verfahrenskosten tragen. Für seinen Anwalt erhielt er eine reduzierte Prozessentschädigung von über 6600 Franken. In seinem Schlusswort hatte sich der Winterthurer für sein Verhalten bei allen entschuldigt.