Polizei-Razzia

20. Dezember 2011 07:29; Akt: 20.12.2011 07:49 Print

Immer auf die Kleinen?

Im Zürcher Club «Zukunft» fand am Samstag zum zweiten Mal eine Polizeirazzia statt. Auch andere Discos wurden schon heimgesucht. Die Nobelclubs blieben bislang verschont. Zufall?

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Licht an: Razzia im Club «Zukunft» in der Nacht auf Samstag, 17. Dezember 2011.

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Um 3.15 Uhr stürmte die Zürcher Polizei in der Nacht auf Samstag den Club Zukunft im Kreis 4. Rund 300 Personen wurden kontrolliert, 26 Portionen Kokain, 10 Dosen Ecstasy, kleinere Mengen Marihuana sowie drei verbotene Waffen wurden sichergestellt. Grund für die Razzia: Die Ermittler hatten Hinweise, dass im betreffenden Lokal mit Drogen gedealt werde.

Die Betreiber der «Zukunft» sind nicht grundsätzlich gegen solche Aktionen. «Wenn es einen konkreten Verdacht gibt, dass in einem Club mit Drogen gedealt wird, verstehe ich, dass die Polizei eine Razzia durchführt», sagt Mitinhaber Dominik Müller zu 20 Minuten Online. Dieser Verdacht bestätigte sich allerdings nicht, wie auch die Polizei einräumen musste. Müller findet deshalb nach der Razzia: «In anderen Clubs sieht es nicht besser aus als bei uns. Aber offenbar stehen wir als kleiner Underground Club, der an einer problematischen Ecke beheimatet ist, besonders im Fokus.» Die Aussage kommt nicht von ungefähr.

Die «Zukunft» geriet bereits 2007 in den Fokus der Polizei. Damals stürmten dutzende Beamte den Club und führten ebenfalls eine Razzia durch. Seit 2005 erhielten vor allem kleinere Elektro-Clubs Besuch von der Polizei.

«Wir benötigen schon konkrete Hinweise»

2005 führte die Polizei in der Dachkantine, im Klub Q, im Stoffwechsel und im Spidergalaxy Razzien durch. 2006 wurde das Labyrinth heimgesucht. 2007 statteten die Ermittler nebst der Zukunft am selben Abend auch dem Hive einen Besuch ab, 2009 wurde das Oxa in Oerlikon kontrolliert und im Mai 2011 verärgerte eine Razzia im Schwulenklub Labyrinth die Gay-Community. Die Polizei konnte dabei durchaus Erfolge verbuchen. Aber warum blieben die Nobelclubs bislang von grösseren Razzien verschont? Wo – so ist zumindest zu vermuten – genau so viele Drogen gehandelt und konsumiert werden.

Polizeisprecher Marco Cortesi sagt: «Wir benötigen schon konkrete Hinweise, um einen Club zu durchsuchen.» Dies sei etwa gegeben, wenn ein festgenommener Drogendealer klare Angaben mache, dass in einem bestimmten Club gedealt werde. Einzelne lose Hinweise aus der Bevölkerung genügten aber bei Weitem nicht, um eine Razzia zu rechtfertigen. Bislang habe die Polizei noch keine Hinweise erhalten, die eine Razzia in einem sogenannten Nobelklub legitimieren würde.

In der «Zukunft», die vor der Razzia von verdeckten Ermittlern mehrere Male besucht wurde, hat sich der Verdacht der Drogendealerei ebenfalls nicht erhärtet.

Was denken Sie, werden in Nobelclubs weniger Drogen konsumiert? Oder werden einige Clubs von der Polizei härter angefasst als andere? Diskutieren Sie mit.

(meg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eron Thiersen am 20.12.2011 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Die Justiz ist nicht unabhängig

    In Nobelclubs wird massiv Drogen konsumiert. Hier schützt man die Töchter & Söhne des Geldes. Schliesslich sollen sie mal Karriere machen, Unternehmen führen und Länder regieren ... Geld und Macht stehen über der Justiz.

  • agas am 20.12.2011 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    sssa

    In Nobleclubs, werden mehr drogen konsumiert!

  • Andy am 20.12.2011 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rein hypotetisch...

    Wenn Drogen legalisiert wären (in rationalen Mengen), wäre der Konsum, bez. die Nachfrage, genauso hoch als jetzt? Denkt mal danach.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl Ashnikovv am 20.12.2011 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    drogen

    Ich war auch schon in Szenen-Clubs und es ist kein Geheimnis, dass dort mehr Drogen konsumiert werden. Man wird pro Abend sicher zehn Mal gefragt ob man Koks hat/haben will. Dies in "Nobelclubs" wie Kaufleuten, Indochine nicht der Fall

    • Sandro F. am 22.03.2012 01:22 Report Diesen Beitrag melden

      Eher nicht

      Ich bin regelmässiger Clubgänger und mehrheitlich in "Szene-"Clubs und kann das absolut nicht bestättigen. Klar es wird Drogen konsumiert, das ist auch in Nobelclubs der Fall, aber befragt nach Drogen wird man in der Regel nicht. Zumindest ist mir das in meiner ganzen Clubkarriere nie passiert und ich bin oft unterwegs.

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  • Daniel M. am 20.12.2011 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    Ist doch klar... Ist auf der ganzen Welt das Gleiche! Geld regiert die Welt! Wer viel Geld hat, kann sich frei kaufen! Und das funktioniert auch in der der Schweiz! Reiche Clubs werden nicht kontrolliert, weil von dort das Geld kommt!

  • Tinu am 20.12.2011 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Von mir aus.

    Von mir aus dürfen sie gerne kommen, mich stört das nicht, egal wo und in welchem Club. Da ich keine illegalen Drogen konsumiere, kümmert es mich nicht. Die Polizistinnen sollen sich dann einfach nicht beklagen, wenn ich anfange mit ihnen zu flirten!;-) Drogen gibt es in allen Clubs. Technoclubs sind vorallem für Extasy bekannt, während in den "nobel" Clubs hauptsächlich Koks die Runde macht und die "alternativen" vorallem fürs Kiffen bekannt sind. Drogen gibt es fast überall. Weg damit.

  • schlufi am 20.12.2011 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Denkt bitte mal realistisch!

    Liebe Leute, rechnet mal nach wieviel Polizei es braucht um das Drogenproblem zu "lösen": In jedem Club (über 100 in ZH) an jedem Wochenende eine Razzia durchführen. Glaubt ihr wirklich das ist durchführbar? Die Konsumenten würden ausserdem wieder einen anderen Weg finden zu konsumieren. Die Dealer einen anderen Weg zu verkaufen. Denkt ihr nicht, es ist Zeit die Strategie zu ändern? Willkommen in der Realität.

  • Marcel am 20.12.2011 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Logisches denken

    Logisch sagen die Strassendealer nichts über die Nobelclubs. Dort drin sind immer die besten Kunden. Nämlich die mit Geld. Und jetzt mit etwas wirtschaftlichem und logischem denken, kommt man selber darauf, dass die nicht verpetzt werden. Warum auch jemanden verpetzen, der sich den Anwalt leisten kann. Es wäre nur ein Eigentor.