Schlaflose Kinder

15. Januar 2013 23:52; Akt: 15.01.2013 23:52 Print

Immer mehr Kinder können nicht schlafen

von M. Sommerhalder - Handys, iPads, Ritalin und zerrüttete Familienverhältnisse bringen die Schweizer Kinder um den Schlaf. Die Folgen sind alarmierend.

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Anstatt dass Eltern ihren Kindern beruhigende Gutenachtgeschichten vorlesen, drücken sie ihnen nicht selten einen Ipad mit «Einschlaf-Apps» in die Hand.

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Sie wälzen sich im Bett, erwachen immer wieder oder rufen ihre Eltern: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Schlafproblemen steigt rasant. Die Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzach verzeichnet vier Mal mehr minderjährige Patienten als noch vor zwei Jahren. In der Schlafsprechstunde des Kinderspitals Ostschweiz sind die Beratungen in den letzten fünf Jahren um 15 Prozent angestiegen. Der Berner Kinderneurologe Silvano Vella schätzt, dass etwa zehn Prozent der Schweizer Kinder unter Schlafstörungen leiden: «Noch vor zehn Jahren waren es halb so viele.» Schweizweit sind etwa 160000 Kinder und Jugendliche betroffen. Laut Experten geht der Anstieg neben der wachsenden Sensibilisierung auf verschiedene Faktoren zurück:

- Elektronische Geräte: Das LED-Licht der Computer, TV haltet Kinder wach. Ausserdem chatten Jugendliche oft bis spät in die Nacht mit ihren Smartphones – nicht selten heimlich unter der Bettdecke. Gamen Kinder vor dem schlafengehen, putscht sie das zusätzlich auf. Und anstatt dass Eltern ihren Kindern beruhigende Gutenachtgeschichten vorlesen, greifen sie nicht selten zu «Einschlaf-Apps» auf dem iPad.

- Essen: Viele Kinder essen üppig und unregelmässig, was das Einschlafen verzögert. Auch der Konsum von Energydrinks ist kontraproduktiv.

- Ritalin: Immer mehr Kinder bekommen Ritalin, das Einschlafprobleme auslösen kann.

- Instabile Familienverhältnisse: Vielen Kindern fehlt eine Bezugsperson, die sie rechtzeitig ins Bett bringt. Familiensorgen erschweren das Einschlafen zusätzlich.

- Schule: Die Schule beginnt zu früh, was den Biorhythmus von Jugendlichen durcheinander bringt und zu Schlafschwierigkeiten führt. Auch der wachsende schulische Druck beschäftigt Kinder bis spät in die Nacht.

- Vereine: Sportaktivitäten finden zunehmend abends statt. Viele Kinder brauchen länger, bis sie danach wieder zur Ruhe kommen.

Die Folgen sind gravierend: «Die betroffenen Kinder leiden häufiger unter Lernstörungen, Aggressivität und Übergewicht», so Kinderneurologe Silvano Vella.

(Mitarbeit: MMI)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. Sychecheck am 18.01.2013 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    eben thematisiert, UND: Pharmaka

    Und immer mehr wird auch thematisiert und zum Arzt gerannt - die Zahl wird wohl nicht viel höher sein als früher, aber man rennt schneller zum Arzt. Vielleicht auch, weil die Eltern überfordert sind. Wir haben damals unter der Decke gelesen bis in die Nacht, heute wird halt mit Elektronika rumgespielt. Dass aber heute Kids mit Psychopharmaka wie Ritalin abgefüllt werden, anstatt sie sich draussen auspowern zu lassen, ist unbestritten. Damit lässt sich eine Menge Kohle verdienen.

  • Ruth Bänziger am 18.01.2013 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern meistens schuld

    Im Bericht steht eigentlich alles Wesentliche. Ausser, dass die Eltern ihre Pflicht nicht wahrnehmen und dem Irrglauben der Aktivität und des Konsums verfallen sind. Mal kritisch die Aktivitäten der Kinder überprüfen und handeln. Aber eben... wenn man selbst keine Zeit mehr hat, weil man selbst das gleiche Problem hat - dann muss wohl wieder der Staat herhalten für Betreuung, Beratung, Schule verschieben usw.

  • Jean-Pierre Wüthrich am 16.01.2013 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Handy im Schlafzimmer etc. verbieten

    Ich würde den Eltern empfehlen, dass die Kinder keine Handys ins Zimmer nehmen, diese am Abend abgeben müssen und halt auch TV oder so einschränken sollen. Sinnvollere Freitzeitbeschäftigung, als immer vor der Glotze zu sitzen. Mit der Grosseltern / Grossmutter / Grossvater etc. etwas zu unternehmen. Früher im Ferienhaus hatte ich ein Kindertelefon, mit extra langem Kabel bis 500 Meter weit und, als ich zu Bett ging, telefonierte ich der gleichaltrigen Ferienhausnachbarin. Wir hatten extra den Klingelton abgestellt, dass die Eltern es nicht merkten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • P. Sychecheck am 18.01.2013 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    eben thematisiert, UND: Pharmaka

    Und immer mehr wird auch thematisiert und zum Arzt gerannt - die Zahl wird wohl nicht viel höher sein als früher, aber man rennt schneller zum Arzt. Vielleicht auch, weil die Eltern überfordert sind. Wir haben damals unter der Decke gelesen bis in die Nacht, heute wird halt mit Elektronika rumgespielt. Dass aber heute Kids mit Psychopharmaka wie Ritalin abgefüllt werden, anstatt sie sich draussen auspowern zu lassen, ist unbestritten. Damit lässt sich eine Menge Kohle verdienen.

  • Ruth Bänziger am 18.01.2013 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern meistens schuld

    Im Bericht steht eigentlich alles Wesentliche. Ausser, dass die Eltern ihre Pflicht nicht wahrnehmen und dem Irrglauben der Aktivität und des Konsums verfallen sind. Mal kritisch die Aktivitäten der Kinder überprüfen und handeln. Aber eben... wenn man selbst keine Zeit mehr hat, weil man selbst das gleiche Problem hat - dann muss wohl wieder der Staat herhalten für Betreuung, Beratung, Schule verschieben usw.

  • Jean-Pierre Wüthrich am 16.01.2013 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Handy im Schlafzimmer etc. verbieten

    Ich würde den Eltern empfehlen, dass die Kinder keine Handys ins Zimmer nehmen, diese am Abend abgeben müssen und halt auch TV oder so einschränken sollen. Sinnvollere Freitzeitbeschäftigung, als immer vor der Glotze zu sitzen. Mit der Grosseltern / Grossmutter / Grossvater etc. etwas zu unternehmen. Früher im Ferienhaus hatte ich ein Kindertelefon, mit extra langem Kabel bis 500 Meter weit und, als ich zu Bett ging, telefonierte ich der gleichaltrigen Ferienhausnachbarin. Wir hatten extra den Klingelton abgestellt, dass die Eltern es nicht merkten.

  • Julia am 16.01.2013 00:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig schlaf..

    ich konnte früher auch nie gut schlafen und da gab es touchhandys noch nicht. nur computer die ein nervendes geräusch machten wann man ins internet wollte.. bin 16