Horgen ZH

31. Oktober 2009 08:53; Akt: 31.10.2009 09:14 Print

In 20 Minuten zwei Nasenbeine gebrochen

von Attila Szenogrady - Ein junger Kosovo-Albaner aus Horgen hat mehrere Personen auf offener Strasse brutal zusammengeschlagen und mit Fusstritten gegen den Kopf erheblich verletzt. Vor Gericht hoffte er vergeblich auf eine milde Strafe.

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Von Kuscheljustiz konnte in diesem Fall sicher nicht mehr die Rede sein. So hat das Bezirksgericht Zürich am Mittwoch einen heute erst 21-jährigen Kosovo-Albaner aus Horgen wegen versuchter schwerer Körperverletzung, mehrfacher Körperverletzung, Angriffs sowie Raufhandels zu einer hohen und unbedingten Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Im Sinne der Staatsanwaltschaft, welche diese strenge, aber durchaus verdiente Sanktion gefordert hatte.

In 20 Minuten zwei Nasenbeine gebrochen

Die Anklageschrift hatte eine bedenklich brutale Deliktsserie des teilgeständigen Angeschuldigten geschildert. Sie setzte am 15. April 2007 ein. Damals hielt sich der Angeklagte über Nacht in Zürich auf und ging an der Militärstrasse völlig grundlos auf einen heute 26-jährigen Passanten los. Er schlug das Opfer zunächst mit einem Faustschlag in das Gesicht zu Boden. Dann trat er ihm mit voller Wucht gegen den Kopf und überliess ihn seinem Schicksal. Der Geschädigte hatte eine Gehirnblutung und mehrere Brüche im Stirnbereich sowie am Nasenbein erlitten. Zudem eine schwere Prellung beider Augäpfel.

Nur 20 Minuten vor der Attacke hatte der Horgner bereits einem anderen Passanten mit einem Boxhieb das Nasenbein gebrochen. Beim Fussgänger handelte es sich um einen heute 52-jährigen Marketing-Assistenten.

Gewaltakt auf Gewaltakt

Trotz laufender Strafuntersuchung folgte Gewaltakt auf Gewaltakt. So am 11. November 2007, als der arbeitslose Angeklagte vor dem Einkaufszentrum Sihl-City an einer Schlägerei teilnahm und einen 23-jährigen Serben niederschlug. Erneut mit einem Faustschlag ins Gesicht und einem anschliessenden Tritt gegen den Kopf. Wobei der verletzte Gegner eine Gehirnerschütterung erlitt.

Am 4. Mai 2008 war der Nachtschwärmer innerhalb von nur 40 Minuten in zwei weitere blutige Schlägereien in Rümlang und Zürich verwickelt. Erneut teilte er harte Schläge aus. Noch schlimmer ging sein Freund vor. Er stach mit einem Messer gleich zwei Personen nieder und verletzte diese erheblich.

Milde Strafe verlangt

Vor Gericht zeigte sich der junge Angeklagte reumütig und führte aus, dass er heute nicht mehr in den Ausgang gehe. Er arbeite bei einer Reinigung und lebe bei seinen Eltern, gab er an. Die Verantwortung für die Gewaltexzesse schob er auf seinen Alkoholkonsum ab. Auch sein Verteidiger, der einen Freispruch vom Hauptvorwurf der versuchten schweren Körperverletzung verlangte und sich wegen den restlichen Delikten für eine gerade noch bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren einsetzte. Der Anwalt verwies darauf, dass sein Mandant schon 125 Tage in Haft verbracht habe und heute geläutert sei.

Kein Pardon

Das Gericht sah es anders und stufte den Fusstritt gegen den Kopf des ersten Opfers klar als versuchte schwere Körperverletzung ein. Dementsprechend fiel die Strafe mit über vier Jahren Freiheitsentzug streng aus. Zudem wurde der Horgner dazu verpflichtet, dem Hauptopfer neben einem Schadenersatz von rund 5000 Franken eine Genugtuung von 10 000 Franken zu bezahlen. Das zweite Opfer eines Kopftrittes erhält einen Schadenersatz von 790 Franken sowie eine Genugtuung von 2500 Franken.