Syrien-Experte bestätigt

17. November 2015 09:09; Akt: 18.11.2015 13:13 Print

In Winterthur gibt es «zweifellos» eine IS-Zelle

Offenbar ist vor Kurzem eine weitere Person von Winterthur nach Syrien gereist – bereits der sechste Fall. Die Jihadisten sollen in einer Moschee rekrutiert worden sein.

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Im Umfeld der Hofackerstrasse in Winterthur-Hegi soll die Zelle operieren. (Bild: Google)

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Bereits vier Personen sind in diesem Jahr von Winterthur aus in den heiligen Krieg nach Syrien gezogen – ein Mann konnte zudem am Flughafen Zürich abgefangen werden. Aufgrund der hohen Anzahl der bekannten Fälle spricht man unlängst vom Winterthurer Jihadismus-Phänomen, wie der «Landbote» schreibt.

Die Vermutungen, dass in Winterthur eine IS-Zelle operiert, erhärten sich laut der Zeitung immer mehr: Syrien-Kenner und Journalist Kurt Pelda weiss von einem neuen konkreten Fall. «Ein Mann aus Winterthur hat sich in den letzten Monaten radikalisiert und ist kürzlich nach Syrien gereist», sagt er zum «Landboten».

Welche Rolle spielt die Moschee in Hegi?

Obwohl dessen Tätigkeit dort im Dunkeln bleibe, spreche alles dafür, dass sich der Mann dem IS angeschlossen habe. Weil Pelda in den letzten Monaten zudem von weiteren radikalisierten jungen Muslimen aus Winterthur gehört hat, ist für ihn klar: «Der IS hat in Winterthur eine Zelle im Umfeld der An'Nur-Moschee in Hegi – daran besteht kein Zweifel mehr.»

Atef Sahoun, Präsident des islamischen Kulturvereins An'Nur, dementiert jedoch eine Verbindung zu radikalen Gruppen. Falls man Mitglieder mit radikalen Tendenzen entdecke, würden diese sofort ausgeschlossen. Das Problem: Laut Pelda sitzen die Radikalen weder im Vorstand noch im Präsidium, verkehren aber trotzdem in denselben Kreisen: «Es handelt sich um eine ganze Reihe von Predigern und Gebetsleitern, die sich aktiv in der Moschee oder ausserhalb mit Jugendlichen treffen und diese zu radikalisieren versuchen.»

Politiker: «Es gibt weitere Radikale»

Dass in Winterthur eine islamistische Gruppe operiert, glaubt auch der Stadtpolitiker Blerim Bunjaku (SP). «In den letzten Monaten habe ich von einer Handvoll meist junger Radikaler gehört, die nach Syrien zum IS wollen», sagt er zum «Landboten». Winterthurer Moscheen und Kulturvereine attestieren der Zeitung jedoch, nichts von radikalen Mitgliedern oder Moscheebesuchern zu wissen.

Bunjaku hat nun kurzerhand eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, mit dem Ziel, weitere Radikalisierungen zu verhindern. Denn viele Moscheen wüssten nicht, wie das Problem anzugehen sei, und fühlten sich von den Behörden im Stich gelassen.

(ced)