Zürich-Wollishofen

02. Januar 2016 10:00; Akt: 02.01.2016 10:00 Print

In einer Architektur-Ikone um die Ecke Ferien machen

Die Siedlung Neubühl gilt als wegweisend in der Architektur. Eine der 195 Wohnungen kann neu von Touristen gemietet werden. Auch viele Zürcher nutzen das Angebot.

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Mit den riesigen Fenstern, den grosszügigen Balkonen und den flachen Dächern war die Siedlung Neubühl in Zürich-Wollishofen 1932 eine Revolution. Denn damals lebte man meist in kleinen, dunklen Wohnungen. Der Schweizerische Werkbund pries das Ganze sogar als «Wohnen wie in den Ferien» an.

Und Ferien machen kann man dort seit Kurzem tatsächlich – zumindest in einer der 195 vermieteten Wohnungen, die bislang als Gästewohnung der übrigen Genossenschafter diente. Die Vermietung läuft über den Werkbund Ortsgruppe Zürich, in Zusammenarbeit mit der Stiftung Ferien im Baudenkmal.

Diese bietet Übernachtungen in historisch wertvollen Gebäuden an, meist in Bergregionen und meist in Jahrhunderte alten Häusern. «Das Neubühl ist insofern eine Ausnahme, wir möchten aber gerne mehr davon», sagt sie. «In Zürich etwa fände ich eine Wohnung in der Lochergut-Siedlung toll.»

80 Franken Miete pro Tag

Man akquiriere selber aber keine Objekte, sondern arbeite eng mit der Denkmalpflege und dem Heimatschutz zusammen. «Meist übernehmen wir Häuser, die am Verfallen sind, zu einem symbolischen Preis», sagt Camenisch. Auch übernehme man die Vermietung von Fremdobjekten wie beim Neubühl. «Hier wurden wir erfreulicherweise vom Werkbund Ortsgruppe Zürich angefragt.»

Die Auslastung der 42 Quadratmeter grossen 1-Zimmer-Wohnung für zwei Personen ist laut Camenisch sehr gut: «Für 2016 sind bereits viele Reservationen eingegangen, man muss sich also beeilen.» Ein Tag kostet 80, eine Woche 500 Franken. Die Einrichtung huldigt mit Design-Möbelstücken den 1930er-Jahren, trotzdem sind Geschirrspüler und WLAN vorhanden.

«Wir sind kein Museum»

Bislang sind es vor allem architektur-, geschichts- und design-affine Personen, die hier nächtigen oder Ferien machen, «doch das Angebot steht natürlich allen offen», sagt Camenisch. Unter den Übernachtenden seien auch Geschäftsleute und viele Zürcher. «Einheimische kennen die Siedlung meist nur von aussen – so können sie mal einen Blick hineinwerfen.»

Bedenken, dass manche Mieter die Wohnung nicht mit der nötigen Sorgfalt behandeln, hat Camenisch keine: «Eine Betreuerin, die die Geschichte der Siedlung sehr gut kennt, empfängt die Gäste und versorgt sie mit Infos.» Bis jetzt habe es keine Probleme gegeben. Sie sagt: «Davon abgesehen ist die Wohnung wirklich zum Leben gedacht – wir sind kein Museum.»

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sara am 02.01.2016 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oh

    oh ich bin dort in der nähe aufgewachsen und spazierte noch vor 1 jahr noch dort vorbei. schade musste der kleine herzige bio laden gehen. muss sagen die siedlung ist dort sehr heimelig und finde es toll dass nicht überall neubau 0815 wohnungen gebaut werden. so hat es noch charme

  • Hugok am 02.01.2016 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Balkon und grosszügig?!

    Balkon ist alles andere als grosszügig....

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  • Beobachterin am 02.01.2016 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Teures Pflaster Zürich

    80 Fr. im Tag - das gibt 2400 Fr. im Monat - für eine winzige Einzimmerwohnung. Auch wenn als Ferienwohnung, ein Abriss sondergleichen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eugen Hofmann am 02.01.2016 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reformhaus Neubühl

    Der Bioladen 'musste' nicht gehen, die Bannachs waren einfach längst im Pensionsalter und suchten während Jahren eine passende Nachfolge. Leider hat dann eine ignorante Firma das über Jahrzehnte aufgebaute und erfolgreich geführte Geschäft innert Jahresfrist an die Wand gefahren. Sehr tragisch!

  • Peter Vogel am 02.01.2016 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Denkmalschutz

    Wer eintscheidet hier eigentlich was unter Denkmalschutz gestellt wird? Da gäbe es ein paar "Denkmale" die man getrost abreissen könnte. Diese Siedlung ist eine davon. Wenn hier schon alle von verdichten reden sollte man auch bereit sein Kompromisse einzugehen und ein paar alte Zöpfe abzuschneiden.

  • Bea am 02.01.2016 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Ordnung, aber naja

    Das Bad ist noch in Ordnung, aber das Inventar geht mal gar nicht. Da kann die Wohnung gleich leer an Touristen vermietet werden. Wenigstens ist der Preis dafür nicht so hoch.

    • zigi am 02.01.2016 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bea

      infomiere dich über "neues bauen", so wirst du sehen, dass es so zu dieser zeit war.

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  • kk8000 am 02.01.2016 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kochplatten sind nicht zeitgemäss...

    Zeitgemässer Kochherd = alte Kochplatten? Das müsste ein Glaskeramik-Kochfeld sein. Ansonsten aber eine spezielle Wohnung im Retroschick und für Zürcher Verhältnisse günstig.

    • Kari am 02.01.2016 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kk8000

      Wollte ich auch gerade schreiben dass der Kochherd sicher nicht Zeitgemäss ist.

    • Philipp am 02.01.2016 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kk8000

      wenn man von der Zeit der Entstehung spricht ist es Zeitgemäss. Wenn Sie aber der Meinung sind dass ein Haus aus den 30ern einen Glaskeramikherd braucht. Dann ist das etwa so, wie wenn man sich darüber beschwert, dass ein 68er Shelby keinen Airbag hat.

    • Kari am 02.01.2016 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Philipp

      Danke für die Info, Glaskeramik ist also nicht Zeitgemäss, Geschirrspüler aber schon. Wusste ich wirklich nicht ;-)

    • Dani B. am 03.01.2016 00:14 Report Diesen Beitrag melden

      die Renovation war 1985/86

      Hui, wie die Zeit vergeht. Die liebevolle Restauration mit Isolation dieses weltbekannten Bijoux ist auch schon wieder 30Jahre her.

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  • Beobachterin am 02.01.2016 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Teures Pflaster Zürich

    80 Fr. im Tag - das gibt 2400 Fr. im Monat - für eine winzige Einzimmerwohnung. Auch wenn als Ferienwohnung, ein Abriss sondergleichen.

    • Till Sitter am 02.01.2016 17:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Beobachterin

      Die Beobachterin ist aber sehr kurzsichtig. Finden Sie erst einmal ein Hotelzimmer mit 42Quadratmeter für 80 Fr. im Tag. Und eine Woche kostet 500Fr, das wären dann 2000 Fr im Monat.

    • Leser am 02.01.2016 20:48 Report Diesen Beitrag melden

      @TillSitter

      Hier wird eine Wohnung in Zürich, wo sowieso schon Wohnungsnot herrscht dem Mietmarkt entzogen. Super Sache das...

    • Ganjaflash am 02.01.2016 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Till Sitter

      Wollte auch so was ähnliches schreiben. 80fr. Sind sicher vertretbar.

    • W.M am 02.01.2016 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beobachterin

      War meine erste Wohnung. Ich habe als Student vor 7 Jahren noch 780.- bezahlt....

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