07. Mai 2008 16:05; Akt: 07.05.2008 17:53 Print

Indische Kinder schuften für Schweizer Dorfplatz

Offiziell ist Kinderarbeit in Indien verboten. Offiziell - denn in Steinbrüchen werden die Kleinen immer noch als Arbeitssklaven ausgebeutet. Erschreckend: Glaubt man einem Kinderrechtsexperten, wurden die Pflastersteine des Dorfplatzes einer Zürcher Gemeinde von Kinderhänden zurechtgemeisselt.

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Der Kinderrechtsexperte Benjamin Pütter, Vertreter des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks, und eine Reporterin der Redaktion der «Rundschau» stehen am Dorfplatz der Gemeinde Uitikon-Waldegg. Auf den ersten Blick nichts Aussergewöhnliches - doch Pütter und die Mitarbeiter des Arbeiterhifswerks haben genau hingesehen. Sie sind überzeugt: Die Pflastersteine, die den gepflegten Dorfplatz der Gemeinde zieren, wurden von Kinderhänden gefertigt. Belegt wird dies - so Pütter - durch eindeutige Merkmale an den Steinen: «Diese Bearbeitung - das ist ein typisches Zeichen. Daran wurde mit Hammer und Meissel und kleinen Händen gearbeitet.» Pütter ergänzt gegenüber dem SF-Magazin «Rundschau», er habe «noch keinen Steinbruch unangekündigt besucht, wo keine Kinder gearbeitet hätten».


Offiziell ist Kinderarbeit in Indien verboten. Trotzdem werden dort rund 150 000 Jungen und Mädchen zu harter körperlicher Arbeit in Steinbrüchen gezwungen. Diese druch Kinderarbeit günstig bearbeiteten Steine werden auch in die Schweiz exportiert. Einige davon befinden sich nun im Zentrum von Uitikon-Waldegg.

Und wie denkt man in der betroffenen Gemeinde über den fragwürdigen Import? Fedy Lienhard, Werkvorstand Uitikon-Waldegg: «Es war dem ganzen Gemeinderat nicht bewusst, dass da Kinderhände im Spiel sein könnten. Sonst hätten wir die Steine selbstverständlich nicht gekauft.» Lienhard schiebt den Schwarzen Peter an die Lieferanten weiter, der ihn postwendend zurückgibt: «Das ist Mangagranit aus Südindien. Für die Farbe ist der Stein günstig. Wer zahlt, soll sich Gedanken machen, was er ausliest», meint Mario Merion von der Firma Interstein gegenüber der «Rundschau».

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der Stadt St. Gallen. Laut Elisabeth Béery, Direktorin für Bau und Planung in St. Gallen, werde in jeder Ausschreibung der Stadt darauf geachtet, dass die Aufträge unter Beibehaltung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen ausgeführt werden.

Mit welchen Begründungen die Gemeinde Uitikon-Waldegg die Bestellung der indischen Pflastersteine rechtfertigt und was der Lieferant dazu zu sagen hat, zeigt der heutige Beitrag «Pflastersteine aus Kinderhand» des SF-Magazins «Rundschau» (siehe Info-Box).

rre