Experiment in Rheinau ZH

16. November 2018 08:12; Akt: 16.11.2018 08:28 Print

Crowdfunding fürs Grundeinkommen harzt

Die Sammelaktion für das bedingungslose Grundeinkommen in Rheinau ZH läuft seit einem Monat. Von den benötigten 6 Millionen Franken sind die Initianten weit entfernt.

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Gemäss der Website «Dorf testet Zukunft» kamen bis jetzt gut 140'000 Franken zusammen. Rund 18 Tage vor dem Ende des Crowdfunding ist das nur ein Bruchteil dessen, was es für die Finanzierung der 770 Teilnehmerinnen und Teilnehmer braucht.

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Über die Gründe, weshalb das Geldsammeln harzig läuft, können die Initianten nur spekulieren. Sie hätten aber schon häufiger den Vorwurf gehört, man wolle denen in Rheinau doch nicht die Ferien finanzieren, sagte Initiantin Rebecca Panian auf Anfrage von Keystone-SDA. Diese Betrachtungsweise finde sie persönlich «sehr traurig». Erstens würden nicht alle Rheinauer monetär vom Versuch profitieren und zweitens bewiesen die Rheinauer Mut, eine Idee auszuprobieren und damit Erkenntnisse zu generieren, «von denen wir alle profitieren».

Intensive Gespräche ausgelöst

Sie sei aber noch optimistisch und werde es auch bleiben, «auch wenn das Crowdfunding nicht funktionieren sollte». Der Grund: Sie hätten seit Januar so viel geschafft - beispielsweise ein Dorf gefunden. «Das hielt im Januar noch keiner für möglich.»

Auch würden die Menschen in Rheinau intensiv miteinander sprechen und sich beispielsweise Fragen stellen über das Verhältnis zur Arbeit und wie man in Zukunft zusammenleben wolle und könne. «Das sind wichtige Fragen, die uns alle angehen», sagte sie. «Mit dem Projekt 'Dorf testet Zukunft' haben wir jetzt ganz konkret eine Chance, zumindest ein Jahr lang konzentriert darüber zu diskutieren, wie es mit uns allen weitergehen soll.»

Grundstein gelegt für mögliche zweite Runde

Deshalb geben die Initianten auch nicht auf, sondern gehen aktiv auf grosse Investoren und Firmen zu. Leider seien diese bislang eher zurückhaltend, aber das Crowdfunding sei ja auch noch nicht vorbei. «Ausserdem sind auch sehr viele in Rheinau extrem aktiv und telefonieren und mailen.»

Für Panian ist klar: «Auch wenn dieser erste Finanzierungsversuch nicht funktionieren sollte, so hat auch diese Phase uns schon viel gelehrt und viele Kontakte eingebracht». Dies könnte ein Grundstein sein für eine zweite mögliche Finanzierungsrunde. «Ob und wie es weiter geht, muss auch Rheinau entscheiden.»

Projekt wird wissenschaftlich begleitet

Beim Projekt soll den Teilnehmenden für ein Jahr ein bedingungsloses Grundeinkommen bezahlt werden. Die Höhe der Beiträge ist je nach Alter abgestuft. Den Maximalbetrag von 2500 Franken erhalten Personen, die über 25 Jahre alt sind.

Teilnehmende, die mehr als den vorgesehenen Betrag verdienen, geben das Grundeinkommen in die Dorf-Kasse zurück, um damit den nächsten Monat zu finanzieren. Ein Wissenschaftsteam will das Projekt begleiten und die Veränderungen in der Gemeinde beobachten. Untersucht werden soll die Wirkung auf Familien, die Kaufkraft sowie das gesamte Dorfleben.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arbeiter am 16.11.2018 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben zu viel Menschen, die das ausnützen

    Ich arbeite hart für mein Lohn und am Ende des Monats bleibt nicht mehr viel übrig. WISO sollte ich noch mehr Geld verschenken? Das ich für noch mehr faule Menschen zahlen muss? Das Leben ist schon teuer genug,

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  • Beobachter am 16.11.2018 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Der grösste Schwachsinn der überhaupt möglich ist! Und dass auch noch Wissenschaftlich begleitet! Experten???? Auf so eng begrenztem Raum + ausgewählten Personen macht solch ein Versuch aber auch wirklich überhaupt keinen Sinn und hat erst recht keine Aussagekraft. Nicht mal wenn ein ganzer Kanton zu 100% mitmachen würde, was durch die vielen Verknüpfungen mit Bundeskompetenzen nicht funktioniert, wäre dass möglich.

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  • Unternehmer am 16.11.2018 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Geld wächst nicht auf Bäumen

    Ich habe auch ein Projekt: "ich teste Zukunft". Bitte schickt mir Geld. Im Ernst: ich hoffe die wissenschaftliche Begleitung hat mittlerweile gemerkt, dass das BGE niemand finanzieren will. Oder kann: wenn wir das Geld von den "Reichen" (also den Erfolgreichen) nehmen, dann sind die ganz schnell entweder weg oder arm. Und in Abwesenheit von Anreizen wird auch niemand mehr Wert schöpfen wollen und das ist wie Einkommen (und Wohlstand) generiert wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Taten statt Worte am 16.11.2018 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind wir in der Zukunft ohne Versuch

    Ich habe genug von den lästigen Diskussionen bezüglich AHV/ Pensionskassen % etc... warum nicht ein neues Modell versuchen, wenn sich schon ein Dorf zur Verfügung stellt? Ich verstehe die Ablehnung echt nicht

  • Patrick Fischer am 16.11.2018 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Thema noch nicht vom Tisch

    Steuersenkung, Privatisierung und abbau des Sozialstaats. Der neoliberalen Elite gefällt ein Bedingungsloses Grundeinkommen natürlich nicht. Merkt man auch wiederum in der Presse, das man nichts darüber liest, warum wir in Zukunft ein Grundeinkommen benötigen werden. Dieses Thema ist noch nicht vom Tisch. (hoffentlich) Ich bin auch der Meinung, das niemand einfach so Geld geschenkt kriegt. Dennoch muss ich eingestehen, das die Digitalisierung und Automatisierung viel mehr stellen kosten wird, als alle glauben. Und nein, diesmal werden nicht einfach andere Stellen entstehen.

  • Günther Zwahlen am 16.11.2018 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ich konnte während meiner Berufsausbildung unmöglich alles lernen, was ich heute wirklich brauche. Leider fehlt mir zu oft die Zeit, für meine teilselbständige Tätigkeit notwendige Zusatzqualifikationen zu erarbeiten; WER bezahlt mir Lohnausfall zur Ausbildungszeit oder für den Wegfall von Arbeit aufgrund fehlenden Könnens?!?

  • Remo Höhener am 16.11.2018 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Grundlohn

    Der Anreiz ist einfach nicht mehr da. Ich zum Beispiel hätte nie gearbeitet Wenn es einenGrundlohn gegeben hätte.

  • Tina Emil am 16.11.2018 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Läuft nicht

    Könnt ihr die Abstimmung mit dem iPhone bedienen?