ETH verweigert Zulassung

07. Oktober 2019 07:21; Akt: 07.10.2019 10:50 Print

«Die ETH verletzt die Rechte von Behinderten»

von J. Furer / S. Ehrbar - Die ETH wollte einen behinderten Studenten nicht zulassen. Ein Experte sagt: Damit verstösst die Hochschule gegen das Gesetz.

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Die ETH Zürich muss einem Studenten, dem sie die Zulassung verweigern wollte, 10'000 Franken Entschädigung bezahlen und ihn zum Studium zulassen. Das hat die Beschwerdekommission entschieden. Die Hochschule hatte argumentiert, wegen seiner verminderten Studierfähigkeit dauere sein Studium zu lange (20 Minuten berichtete). Experte Islam Alijaj sagt, was er davon hält.

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Werden Behinderte in der Schweiz genügend unterstützt?

Herr Alijaj, wie beurteilen Sie das Verhalten der ETH?
Mit ihrem Verhalten verletzt die ETH nicht nur das Behindertengleichstellungsgesetz, sondern handelt krass gegen die UN-Behindertenrechtskonvention, die die Begegnung von Menschen mit Behinderungen auf Augenhöhe verlangt.

Wie meinen Sie das?
Es obliegt nicht der Schulleitung, zu entscheiden, was Studierende mit Behinderungen können und was nicht. Es ist die Pflicht der ETH und anderer Hochschulen, die Rahmenbedingungen für den Nachteilsausgleich zu schaffen und nicht die Pflicht von Menschen mit Behinderungen, schon nur für eine Chance so kämpfen zu müssen.

Was müsste sich ändern?
Hochschulen wie etwa die ETH müssen diese Flexibilität schaffen, welche sie schlussendlich nichts kosten würde ausser ein Eingeständnis. Dies zeigt deutlich die Notwendigkeit einer Erneuerung des Bildes der Behinderung in der Gesellschaft: Menschen mit Behinderungen haben ein Potential, zu welchem sie genau so das Recht haben, es ausschöpfen zu können wie alle anderen. Grundsätzlich einem Menschen dieses Potential abzusprechen, ist nicht richtig.

Was braucht es für diesen Wandel?
Für dieses neue Verständnis braucht es mehr Berührungspunkte im Alltag zwischen Menschen mit und ohne Einschränkungen. In der Schweiz leben 1,8 Millionen Menschen mit Behinderung, und sie sind im Alltag kaum sichtbar.

Sind Ihnen weitere ähnliche Fälle bekannt?
Ein Beispiel: Nach meiner KV-Lehre wollte ich ein Studium beginnen: Wirtschaft oder Wirtschaftsinformatik. Mit einem Hochschulabschluss und entsprechenden Hilfestellungen hätte ich eine Chance im ersten Arbeitsmarkt gehabt, war ich überzeugt. Doch Vertreter meiner Lehrfirma und der Invalidenversicherung überredeten mich, dass eine IV-Rente und eine geschützte Arbeitsstelle besser für mich seien.

Wieso?
Erst im Nachhinein erfuhr ich, dass Betriebe für jeden besetzten Arbeitsplatz Beiträge von der IV bekommen. Zudem hängt die Höhe der IV-Rente vom Ausbildungsgrad ab. Ich fühlte mich hintergangen. Weder mein Arbeitgeber noch die IV hätten Interesse an meinen Ausbildungsplänen gehabt. Finanzielle Fehlanreize aufseiten der Institutionen haben mich um mein Studium gebracht. Dieses Ereignis hat mich schlagartig politisiert.

Was raten Sie Betroffenen?
Das ist ein wichtiger Grund warum ich für den Nationalrat kandidiere (für die SP, Anm. der Redaktion): Wir Menschen mit Behinderungen müssen immer noch für grundlegende Dinge kämpfen und es müssen in der Politik Grundlagen erschaffen werden, um auch das Potential und die Mitarbeit von Menschen mit Behinderung zu fördern. Diesen Kampf für das eigene Recht aufzunehmen, rate ich allen Betroffenen. Wir müssen uns zusammenschliessen.

Macht die ETH genug? Muss sich an den Hochschulen generell etwas ändern?

Es braucht mehr Flexibilität in der Bildung und Arbeitswelt. Gerade Hochschulen wie die ETH haben eine geballte Ladung an Brainpower und Intelligenz, welche sie nutzen könnten, um Lösungen zu schaffen für Menschen mit körperlichen Behinderungen, damit sie ebenso im Leben teilhaben können. Wichtig: Mit der Innovations-Förderung ist es noch nicht getan. Sie müssen ebenfalls die Vorreiter-Rolle einnehmen, indem sie ihre Lösungen auch anwenden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Germane am 07.10.2019 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Halbjährliche Prüfungen

    und max 1x Nachprüfung pro Fach. Das würde auch andere Dauerstudenten zum Arbeiten bringen. Und Eignungstest sollten auch wieder eingeführt werden. Wer auf Kosten der Algemeinheit ausgebildet wird, der sollte auch Leistung bringen müssen.

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  • Schämu am 07.10.2019 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Recht hat nicht immer recht

    Man sollte differenzieren können über die Art der Behinderung bei einer Zulassung. Schliesslich kann auch nicht jeder ein Lokführer werden.

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  • Meli am 07.10.2019 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel erfolg

    Alles gute wünsche ich!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • L.Z. am 07.10.2019 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    auch ich kann nicht alles

    Also wenn dieser Mann mit 20 studiert hätte würde ich das ja verstehen, aber so kurz vor der Pensionierung finde ich das daneben. In letzter Zeit findet man viele Artikel, wo sich Behinderte benachteiligt fühlen! Ob Bergbahn- Zug- Theater, es gibt einiges, wo man Abstriche machen muss und den gesunden Menschenverstand walten muss, aus Sicherheitsgründen oder nicht in den rush-houer!

  • Berner am 07.10.2019 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nicht alles Gold was glänzt

    Also.. ich kenne diesen Jürg. Er wäre reine Zumutung für ETH und ihre Studenten. Ärger vorprogrammiert. Ich mag Zürcher nicht aber nicht mal ihnen würde ich Herr Brechbühl wünschen.

  • Anna am 07.10.2019 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Netz vergisst nie

    Herr Brechbühl , wie ich gelesen habe hat sich in den letzten 22 Jahren hauptsächlich prozessiert. Gegen alle. Gegen Inselspital, gegen Uni Bern, gegen Gemeinde Steffisburg, gegen die IV, gegen Justiz und Polizeidirektion Bern, gegen die Steuerverwaltung , gegen Berner Zeitung und jetzt gegen ETH. Mit allem Respekt: das ist nicht normal. Ich glaube kaum dass die ganze Schweiz etwas gegen Herr Brechbühl hat. Eher dass er gegen alle und alles kämpf. Man kann auch dadurch viel Geld verdienen. Da braucht man kein Studium auf Kosten der Steuerzahler. Alles kann man nachlesen.

  • Siggsaggsugg am 07.10.2019 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder darf es probieren.

    An die Aufnahmeprüfung soll jeder mit entsprechendem Abschluss dürfen, ob er er nun Mann, Frau, Genderungeklärt, Kind, Tetraplegiker, Ungeboren, Sternenziege, Napalmbehälter oder Laubbläser ist. Danach weiss man ja, ob es weitergeht oder nicht. Wers nicht schafft, soll was anderes tun.

  • Cavi33 am 07.10.2019 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht hat die ETH

    Da hat die ETH recht, ewige Studenten haben wir schon genug. Die haben dann nach 20 Semestern immer noch nichts geschnallt und sind bald 40.