Demo in Zürich

31. Juli 2014 21:59; Akt: 01.08.2014 15:36 Print

Israel-Gegner stören Rede von Doris Fiala

«Lügnerin!», skandierten Palästina-Anhänger bei Doris Fialas Rede an der sonst friedlichen Pro-Israel-Demo in Zürich. Als die Situation zu eskalieren drohte, griff die Polizei ein.

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Es war der einzige heikle Moment an einer sonst friedlichen Pro-Israel-Kundgebung mit rund 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Donnerstagabend auf der Rathausbrücke. Während der Rede der Zürcher FDP-Nationalrätin und Aussenpolitikerin Doris Fiala mischten sich plötzlich ein paar junge Palästina-Anhänger unters Volk. Zunächst verhielten sie sich ruhig, zivile Polizisten behielten sie jedoch im Auge.

Der Nahost-Konflikt bewege alle Menschen, sagte Fiala. Man könne und solle die Politik Israels – zum Beispiel die Siedlungspolitik – diskutieren, so wie dies auch bei anderen Staaten geschehe. Doch müsse die Kritik «in einem Dialog unter zivilisierten Menschen und Nationen» erfolgen und «der Sache verpflichtet bleiben».

«Jede Form von Rassimus und Antisemitismus ist inakzeptabel und eines Rechtsstaates unwürdig», rief Fiala und erntete dafür viel Applaus. Wer solches toleriere, müsse als Feind einer offenen Gesellschaft bezeichnet werden. Als Fiala Stellung bezog und etwa erwähnte, dass Israel durch Kriege, Raketenbeschuss und Terroranschläge zur Selbstverteidigung gezwungen sei, betitelten sie die jungen Palästina-Anhänger als «Lügnerin!»

Nationalhymnen gesungen

Polizisten in Kampfmontur, die die Zugänge zur Rathausbrücke ohnehin kontrollierten, forderten die Gruppe auf, den Platz zu verlassen. Doch diese widersetzten sich, störten die Kundgebung weiter und suchten offenbar die Konfrontation mit Isreal-Anhängern. Nun griff die Polizei ein und führte mehrere Personen weg. Ansonsten verlief die Kundgebung - zu der wie schon in Genf am Mittwoch die Gesellschaft Schweiz-Israel (GSI). aufgerufen hatte – friedlich. Die Teilnehmer sangen etwa gemeinsam «Imagine» von John Lennon, aber auch die Nationalhymnen von Israel und der Schweiz.

In seiner Rede betonte Rolf Walther, Präsident der Zürcher GSI-Sektion, dass Antisemitismus in diesem Land nichts zu suchen habe. Er spielte damit auf üble Vorkommnisse im Zusammenhang mit einer pro-palästinensischen Kundgebung vor zwei Wochen am selben Ort an. Der Protest richte sich nicht gegen Muslime und ebenso wenig gegen die Palästinenser, sondern «einzig gegen jene ihrer Führer, die seit Jahren die Vernichtung Israels verlangen». Walther rief dazu auf, in Stille der Toten auf beiden Seiten zu gedenken. «Sogar jener, die daran gehindert wurden, Menschen in Israel zu töten.»

Bei der ersten Pro-Israel-Demonstration in der Schweiz seit Kriegsbeginn hatten am Mittwoch in Genf 200 bis 300 Personen teilgenommen. «Wir wollen eine Friedensbotschaft überbringen, jeder Tote ist einer zu viel», sagte der Präsident der Gesellschaft Schweiz-Israel, Pierre Weiss.

Jüdinnen und Juden gegen den Krieg

Gegen den Krieg in Gaza hatten am Dienstag in Zürich gerade mal rund 30 Jüdinnen und Juden demonstriert. Dazu aufgerufen hatte die Bewegung «Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina». Sie forderten eine Feuerpause in Gaza, das Ende der Blockade, Schluss mit den Bomben auf die Zivilbevölkerung in Gaza und den Raketen auf die Zivilbevölkerung in Israel.

Seit Beginn der israelischen Offensive am 8. Juli wurden bis Donnerstag fast 1400 Palästinenser getötet, die meisten davon Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 56 Soldaten bei den Kämpfen und drei Zivilisten durch Raketenbeschuss der Hamas. 225'000 Palästinenser sind in 86 Einrichtungen des UNO-Hilfswerkes UNWRA geflüchtet.

(sda/rom)