Schiesserei in Rüti ZH

25. Dezember 2018 15:10; Akt: 25.12.2018 20:13 Print

Erschossener wurde wohl Opfer einer Blutrache

Restaurantinhaber I. I. ist in der Nacht auf Dienstag von einem Unbekannten erschossen worden. Der Tote ist ein weiteres Opfer einer jahrelangen Fehde zwischen zwei mazedonischen Familien.

(Quelle: 20 Minuten)
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Am Weihnachtsmorgen hat ein Mann mehrere Schüsse auf einen Gastbetrieb in Rüti ZH abgegeben. Dabei wurde Restaurantbesitzer I. I.* (51) tödlich verletzt. Der Täter flüchtete und wurde bislang nicht gefasst.

Es soll nicht der erste tragische Vorfall in der Familie sein. Seit Jahren herrscht laut mazedonischen Medien zwischen der Familie I. und der Familie B. eine Familienfehde. Der Grund: eine Konzession über einen Strandabschnitt in der mazedonischen Stadt Struga, die die Familie B. schliesslich erhalten habe.
Laut einem Bekannten der Familie gingen die beiden Söhne des getöteten Restaurantbesitzers, S. I.* (23) sowie P. I.*, vor einigen Jahren mit Baseballschlägern auf ein Mitglied der Familie B. los. Deren Kopf ist laut mazedonischen Medien ein gefürchteter Mafioso.

Blutrache?

Der Angriff hatte Folgen: S. I. wurde am 13. Dezember 2015 erschossen. Das bestätigt eine Verwandte des Restaurantbetreibers gegenüber 20 Minuten. Dessen anderer Sohn P. I. wurde schwer verletzt und ist gemäss dem Bekannten seither invalid. Die Täter sollen der Vater und der Bruder des Mafioso sein, die die beiden Söhne mit automatischen Waffen in ihrem Auto beschossen hätten, so mazedonische Medien. Daraufhin soll die Familie von I. Rache genommen haben. So soll sie Mitte August 2017 die Erschiessung des Bandenführer in seiner Bar in Struga in die Wege geleitet haben.

Laut der mazedonischen Zeitung «Nova Makedonija» war der Mord an den Mafioso präzise geplant. Mehrere Personen sollen daran beteiligt gewesen sein. Der Täter soll das Lokal des Mafioso mehrere Tage lang immer wieder aufgesucht und das gleiche Getränk bestellt haben. Am Tattag soll der junge Mann bezahlt haben und noch kurz auf die Toilette gegangen sein. Als er zurück gekommen sei, habe er seine Pistole gezogen und dem Mafioso in den Kopf geschossen. Die letzten Worte des Täters sollen «Jetzt bist du unnütz» gewesen sein. Sowohl ein guter Freund als auch der Sohn des Mafioso sollen anwesend gewesen sein.

Mafioso-Killer floh in die Schweiz

Der Täter sei daraufhin mit einem Motorrad geflüchtet. Etwas weiter weg habe ein Mercedes samt Anhänger auf ihn gewartet. Der junge Mann sei auf diesen aufgesprungen und zum Ohrider Flughafen gebracht worden. Von dort aus nahm dieser den Flug nach Basel. In der Schweiz verliert sich seine Spur jedoch.

Toter nach Schiesserei in Rüti

Auch der Mafioso soll früher in der Schweiz gelebt haben und im Bauwesen tätig gewesen sein, bevor er nach Mazedonien zurückkehrte und mehrere Bars eröffnete. Mazedonische Medien bezeichnen das Familienoberhaupt auch «als den König der Prostitution» auf dem Balkan. Sogar Interpol und die US-Behörden sollen hinter ihm her gewesen sein.

«Das Töten geht ganz sicher weiter»

Angehörige des Opfers vermuten einen Zusammenhang mit der seit Jahren schwelenden Familienfehde. Aus Angst vor Blutrache soll der getötete Wirt seinen invaliden Sohn sogar in die Schweiz geholt haben. I. habe den Familienstreit immer beilegen wollen, so der Bekannte der Familie. Nun hat es ihn selber getroffen. Ob das Töten weitergeht? «Ganz sicher. Das ist Blutrache.»

Die Kantonspolizei Zürich will sich aufgrund den laufenden Ermittlungen nicht zu Details des Falls äussern. «Grundsätzlich fahnden wir jetzt nach dem Täter, der die Schüsse abgegeben hat», sagt Kapo-Sprecher Marc Besson zu 20 Minuten. Fragen zu Tatmotiv und -hergang sollen nach der Einvernahme des Täters geklärt werden.


Eine Nachbarin kannte das Opfer. (Video: 20M)

*Namen der Redaktion bekannt

(20 Minuten)