Betrüger unterwegs

18. Juni 2015 08:13; Akt: 18.06.2015 08:50 Print

Jugendliche fallen auf Lederjacken-Trick rein

Teure Armani-Jacken haben sich zwei junge Zürcher andrehen lassen. In Wahrheit kauften sie billige Plastikware – und waren offenbar nicht die Einzigen.

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Matteo L.* (20) dachte, er habe das Geschäft seines Lebens gemacht. Zusammen mit seinem 19-jährigen Kollegen hatte er einem Italiener sechs angebliche Lederjacken der Marke Armani Collezioni abgekauft. «Er erzählte uns, die Jacken kosteten zwischen 2500 und 4500 Franken.» Die zwei gaben dem etwa 30-jährigen Italiener insgesamt 500 Franken dafür. Matteo L.: «Wir hofften, die Jacken teuer weiterverkaufen zu können, und waren sehr glücklich über den guten Deal.»

Angefangen hatte alles ganz harmlos. Der Italiener hatte am vergangenen Samstag mit seinem gemieteten weissen Renault Clio bei der Schmiede Wiedikon in Zürich angehalten und Matteo und Chrigi nach dem Weg zum Flughafen gefragt. «Er suchte nach einem Italiener, der ihm helfe», erzählt der italienischstämmige Matteo. Man kam ins Gespräch und der Italiener erzählte, dass er gerade von einer Fashion Show in Zürich komme und nach New York weiterfliege.

«Er schien so ehrlich zu sein»

Dann wollte der Mann den beiden ein paar Lederjacken schenken, die er wegen der Zollgebühren nicht nach New York mitnehmen wollte. Er zeigte die angebliche Markenware von Armani. Bald war nicht mehr von einem Geschenk, sondern von einem Verkauf die Rede. Um zu beweisen, dass es sich dabei wirklich um Leder handle, machte der Mann noch einen Feuerzeug-Test.

«Er schien so ehrlich zu sein und seine Geschichte echt», sagt Matteo. Darum erklärten sich die zwei jungen Männer bereit, sechs Jacken zu übernehmen. Nach einem kurzen Hin und Her einigten sie sich auf einen Kaufpreis von insgesamt 500 Franken. Matteo: «Ich war überglücklich und dachte, ich könne die Jacken teuer im Internet verkaufen.»

Weitere Opfer im Kanton Zürich

Nach einer Weile kamen den beiden aber Zweifel und sie gingen in einen Markenladen am Paradeplatz. «Dort erklärte man uns, dass wir keine Lederjacken, sondern billige Plastikware gekauft hatten.» Matteo schämt sich seither. Im Internet hat er herausgefunden, dass der Lederjacken-Trick rund um den Globus angewendet wird.

Auf Auktionsplattformen hat Matteo zudem Angebote aus dem Kanton Zürich mit denselben Jacken und derselben Geschichte gefunden. Matteo: «Wir sind nicht die Einzigen, die hereingelegt wurden.» Nun will er die Masche publikmachen. «Ich möchte, dass niemand mehr diesem Dieb auf den Leim geht.»

Trick ist der Polizei bekannt

Bei der Stadt- und Kantonspolizei kennt man den Lederjackentrick. «Der kommt immer wieder mal vor, die letzte Anzeige wurde im Februar dieses Jahres erstattet», sagt Kapo-Sprecher Marc Besson. Die Polizei warne grundsätzlich davor, unbekannten Leuten auf der Strasse etwas abzukaufen. «Es ist immer besser, vorsichtig zu sein und auf sein Bauchgefühl zu hören.» Wenn man verdächtige Strassenverkäufer beobachte, solle man zudem sofort die Polizei informieren.

*Name geändert

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(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • harry schlotter am 18.06.2015 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    herje herje

    Meine Mutter meinte mal:" wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, ist es meistens nicht wahr." Bei diesen Preisen sollte einen dies aber schon selber auffallen...

  • DerfreundlicheFreund am 18.06.2015 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Naiv

    Manchmal frage ich mich wie Naiv Leute sein können. Wenn mir ein wildfremder mehrere Edeljacken für einen Bruchteil des angeblichen Preises verkaufen will, weil er den Zoll nicht bezahlen will (aber geht an Fashionshows und hat mehrere Armani-Jacken im Wert von X tausend Franken, da könnte man doch etwas stutzig werden. Aber was Gier nicht alles mit sich bringen kann.

    einklappen einklappen
  • Andreas Gasser am 18.06.2015 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Dass man Unbekannten...

    ...auf der Strasse nichts abkaufen soll, lernt man eigentlich schon im Primarschulalter. Ich kann da nur den Kopf schütteln. Tja, teures Lehrgeld bezahlt. Immerhin ist der Betrag einigermassen verkraftbar...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom am 19.06.2015 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trick

    Die zwei glauben sicher auch noch an den Weihnachtsmann ... Den selben Trick wollte auch schon jemand vor 20 Jahren bei mir versuchen ...

  • Samuel Hauser am 19.06.2015 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrgeld

    Das Geld wurde gut investiert, aus dieser Angelegenheit haben sie bestimmt viel für das Leben gelernt.

  • Martin am 19.06.2015 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Null Mitleid

    Sorry, aber gibt es heute immer noch so naive Jugendliche? Was starren die den ganzen Tag auf ihre Smartphones, wenn sie nichts dabei lernen? Vor 30 Jahren hatte diese Masche ja noch gute Chancen, aber heute, in der modernen aufgeklärten Welt, sollte man doch meinen, dass alle Alarmglocken klingeln bei so einem Angebot. Selber Schuld

  • Antonella am 19.06.2015 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Hahaha sorry das ich lache... Aber jeder Italiener oder jeder der schon in Italien war, weiss dass die waren die auf der Strasse verkauft werden, keine originale sind.... Ja gut 500.- für 6 Plastikjacken ist nicht so viel... In den Läden gibt es zum teil Plastikjacken auch für 129.- pro stk.... Man kann sie ja versuchen weiter zu verkaufen auf Flohmärkten ..einfach für weniger....

    • Peter Egloff am 19.06.2015 12:49 Report Diesen Beitrag melden

      Ebay oder ricardo

      Die Jacken einfach wie geplant bei ricardo/ebay einstellen mit dem Vermerk "Die Jacken die von 20min bekannt gemacht wurden" und die Jungen machen vielleicht sogar noch einen Gewinn !

    einklappen einklappen
  • Klärli, Gelernte Schneiderin am 19.06.2015 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten

    Leder ist als Material nicht derart teuer, dass der Verkaufspreis derart viel höher ist. Das teure ist in der Produktion das Zuschneiden und Nähen. Ich denke, wer so viel für die Marke bezahlt wird abgezockt.