Umstrittene Stände

04. September 2015 14:44; Akt: 04.09.2015 15:31 Print

Junge Grüne und Künstler boykottieren Veganerfest

Die Organisatoren der Winterthurer Veganmania stehen in der Kritik, da sie umstrittene Aussteller dulden sollen. Aus Protest haben Teilnehmer abgesagt.

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Er erntet viele kritische Stimmen: Der Tierschützer Erwin Kessler ist unter anderem der Grund, dass einige Künstler ihre Teilnahme an der Veganmania zurückziehen. (Bild: Keystone/edi Engeler)

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Gleich zwei Teilnehmer sorgen am diesjährigen Strassenfest Veganmania auf dem Neumarkt in Winterthur für Aufruhr. Eigentlich sollte es nur um gesundes Essen und Information für Menschen, die auf Tierprodukte verzichten, gehen. Nun erhitzen aber ganz andere Themen die Gemüter, wie der Landbote berichtet.

Einerseits sorgt der Stand des Vereins des umstrittenen Tierschützers Erwin Kessler für Stirnrunzeln. Kessler ist Präsident des Vereins gegen Tierfabriken und kam 1998 wegen mehrfacher Rassendiskriminierung vor Gericht. Das Bundesgericht verurteilte ihn schliesslich aufgrund seiner antisemitischen Äusserungen in Zusammenhang mit der jüdischen Schächtpraxis. Nun wird der Veganmania vorgeworfen, Toleranz für Antisemitismus zu zeigen.

«Themen sind nicht Gegenstand des Strassenfests»

Ausserdem beschwert sich die anonyme Bewegung Indyvegan über den Verkaufsstand der Gruppe «Bliib Gsund». Diese wird der deutschen Sekte Universelles Leben zugeordnet. Der Sektenexperte Georg Otto sagte gegenüber dem Landboten, dass die Sekte ihre Anhänger dazu anhalte, Betriebe zu gründen, die im Sinne des Universellen Lebens wirken und einen Teil ihres Gewinns spenden.

Swissmeg, der Organisator der Veganmania, äussert sich auf seiner Website defensiv gegenüber den Vorwürfen: «An der Veganmania sollen möglichst viele Aspekte des Veganismus aufgezeigt werden. Andere Themen sind nicht Gegenstand dieses Strassenfests.» Erwin Kessler wiederum sieht sich als Opfer einer linksextremen Hetzkampagne. Allerdings sagte er vor Kurzem gegenüber dem Tagblatt, dass er noch immer zu den Aussagen, die er 1998 gemacht habe, stehe.

Künstler müssen mit Anfeindungen rechnen

Verschiedenste Künstler haben aufgrund ihres Unmutes gegenüber den Beteiligten ihre Teilnahme an der Veganmania abgesagt. So beispielsweise die vegane Slam-Poetin und Kabarettistin Gabriele Busse. Sie sagte gegenüber dem Landboten, dass sie keine Veranstaltung unterstützen wolle, die auf dem rechten Auge blind sei.

Auch die Jungen Grünen des Kantons Zürich haben sich von der Veganmania zurückgezogen. Künstler, die aber nach wie vor teilnehmen möchten, müssen nach Angaben eines Szenekenners teilweise sogar mit Anfeindungen rechnen, weil sie die Veganmania nicht boykottieren.

(zed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • citoyen am 04.09.2015 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Sektierer unter sich

    Veganer fühlen sich gegenüber Fleischfressern und Vegetariern als Gutmenschen. Sie tun keinem Tierlein etwas zuleide. Aber sogar gegenüber Gleichgesinnten fehlt ihnen das Basis-Set für Toleranz: Leben und Lebenlassen.

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  • Realität am 04.09.2015 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Kessler hat recht

    Grüne und Künstler wollen Realität nicht sehen: 5 Minuten bis 10 Minuten Todeskampf beim Schächten. Egal welche Religionsgruppe das macht. Schächten ist in der Schweiz verboten.

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  • Richter am 04.09.2015 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regen sich über zu viel auf

    Das wiener Schnitzel heute mittag war köstlich... und sonst noch welche Vegane-Probleme?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco S. am 30.09.2015 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    ich wollte junge grüne wählen. nun lass ich es! das strassenfest war wunderbar und friedlich. das der vgt auch vor ort war finde ich absolut richtig!

  • pleichi am 07.09.2015 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn sich zwei streiten ...

    Hier wird mal wieder eine tolle Idee "von innen heraus" boykottiert. Und wie es so schön heißt, wenn sich zwei streiten freut sich der Dritte - also alle die weiterhin "Tier" verkaufen!

  • Knight86 am 06.09.2015 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschwender

    Veganer sind die grössten Tier verschwender. All das Schlachtvieh das zu viel geschlachtet wird muss entsorgt werden ohne das jemand etwas davon hat. Lieber ein Stück gutes Fleisch essen alls den Veganismuss zu unterstützen. Wichtiger were es wen man die Tierhaltung noch mehr verschärfen würde und Schwarzeschafe in der Zucht öffentlich anprangern. Man sollte auch kein Fleisch aus dem Ausland Importieren sonder Schweizer Qualitäts Fleisch essen. Vilicht sollte man auch nicht jeden Tag Fleisch essen sonder zwischen durch Vegetarisch.

  • cecile am 06.09.2015 06:57 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!

    Ich esse Fleisch, aber wenig. Kessler macht das richtig, er will uns aufrütteln, bewusst machen, dass Tiere auch Lebewesen sind und leiden. Habe letztes Jahr Fleisch aus D geschenkt bekommen, das ich meinem Hund verfüttert habe - es war schrecklich. Das Fleisch "roch" nach Leiden und Tod. Kessler hat bei mir mit seinem VgT-Heft bewirkt, dass ich nach dem Lesen einige Tage kein Fleisch sehen kann, es sind Leichenteile. Als (noch) Fleischesserin unterstütze ich Kessler.

  • Sayadina am 05.09.2015 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und wieder einmal

    ... zeigt sich wohin Fanatismus führen kann. Warum versuchen extremistisch eingestellte Menschen immer, andere von ihren Ideologien zu überzeugen? Dürfen denn nicht verschiedene Meinungen nebeneinander existieren? Und zum Thema Ernährung: Das Hauptproblem ist für mich eher die Verschwendung, nicht der Fleischkonsum an sich