Schutz vor Übergriffen

24. Oktober 2017 12:27; Akt: 24.10.2017 13:21 Print

Juso fordern Frauenräume in Nachtclubs

Nachtclubs sollen künftig geschützte Frauenräume anbieten, damit sich Partygängerinnen vor Grapschern in Sicherheit bringen können. In der Szene hält man nichts davon.

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Juso-Präsidentin Tamara Funiciello fordert geschützte Frauenräume in Clubs mit einer Kapazität ab 300 Gästen. (Bild: Keystone/Nick Soland)

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Clubs ab einer Kapazität von 300 Personen sollen künftig einen Frauenraum anbieten müssen – allenfalls mit finanzieller Unterstützung des Staats. Das forderten die Jungsozialisten an der SP-Delegiertenversammlung. Grund: «Ein solcher Raum erlaubt es, sich sicherer zu fühlen und nicht die üblichen Grapschereien oder anderes übergriffiges Verhalten erleben zu müssen.»

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Obwohl eine Mehrheit der Delegierten den Antrag abgelehnt hat, will sich Juso-Präsidentin Tamara Funiciello nicht bremsen lassen. Der Ist-Zustand sei unzumutbar: «Heute bleibt den Frauen nur die Flucht aufs WC», sagte Funiciello zu «Watson».

«Botschaft wäre eine Art Kapitulation»

Bei der Schweizer Bar und Club Kommission (SBCK) lehnt man diesen Vorschlag für obligatorische Frauenräume ab. «Die Botschaft wäre eine Art Kapitulation, ein Zeichen, dass das Zusammenleben nur mit Schutzräumen geht», sagt Sprecher Alexander Bücheli. Zudem würde eine solche Einführung zu teuren Umbauarbeiten führen – und somit zur Schliessung von mehreren Clubs.

Vielmehr setze man bei der SBCK auf die Schulung und Sensibilisierung von Club-Angestellten. So beispielsweise auch mit dem Code «Isch d Luisa da?», mit dem belästigte Frauen und Männer seit Neustem in zehn Winterthurer Clubs diskret um Hilfe bitten können. Auch die Zürcher Clubs sollen den Code bald übernehmen.

Nachtleben-Experte hält nichts von der Idee

Totalen Quatsch findet Nachtleben-Experte Alex Flach die Idee, wie er in seiner Kolumne für den «Tages-Anzeiger» schreibt: «Das würde selbstverständlich jede Ausgang-Euphorie abwürgen.»

Und: Eine temporäre räumliche Geschlechtertrennung trage nicht zur Lösung des Sexismus-Problems bei. Auch Frauen würden die Interaktion mit dem anderen Geschlecht schätzen. «Diese Räume wären meist leer», prophezeit Flach.

«Nutzen das tabuisierte Grauen für PR-Stunt»

«Die Juso setzen mit ihrer Forderung voraus, dass bei Sexismus die Opfer und Täter nach Geschlecht unterteilt werden können», so Flach. Das sei aber falsch: Besonders in der Gay-Szene käme es oft zu Belästigungen von Männern.

Flachs Fazit zur Juso-Forderung: «Die Juso nehmen also die Offenlegung eines tabuisierten Grauens, das auf der ganzen Welt unzählige Leben zerstört hat, zerstört und zerstören wird – und nutzen sie für einen PR-Stunt.»

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