Werbeplakate überklebt

15. August 2019 16:25; Akt: 15.08.2019 17:13 Print

Guerilla-Aktion will Swiss und Edelweiss ärgern

Die Juso der Stadt Zürich prangert mit einer Plakataktion Airlines als Klimasünder an. «Wahlkampf auf Kosten anderer», sagt die Vermarkterin.

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Sommerzeit ist Ferienzeit und deshalb strotzt es in der Stadt Zürich nur so vor Werbeplakaten von Airlines. Sie preisen etwa günstige Kurzstreckenflüge oder beliebte Destinationen mit Bildern von malerischen Sonnenuntergängen an. Der Juso sind die Plakate ein Dorn im Auge. 15 Mitglieder der Jungpartei, die sich gegen den Klimawandel ausspricht, haben sich deshalb dazu entschieden, am Donnerstag um 5 Uhr aufzustehen und die Airline-Poster mit eigenen Plakaten zu überkleben.

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Statt des Easyjet-Slogans «Es gibt billigere Airlines. Weil wir dich günstig, aber nicht um jeden Preis fliegen» steht da jetzt die Juso-Devise: «Es gibt keinen effizienteren Weg, C02 auszustossen. Weil wir dich günstig und um jeden Preis fliegen.» Beim Swiss-Plakat wurde der Slogan abgeändert zu: «Die Welt hat viel zu bieten. Bald nicht mehr.» Mit einer Frau auf dem Bild, die in einem Abfallberg steht.

«Sie machen unsere Welt kaputt»

Nathan Donno, Co-Präsident Juso Stadt Zürich, kann verstehen, dass die Aktion provokant wirkt. «Aber wir müssen darüber reden, dass die Politik und Airlines massgeblich für die Klimakrise verantwortlich sind. Sie machen unsere Welt kaputt.» Solange die Airlines den Profit vor die Umwelt und die Menschen stellen würden, seien solche Aktionen unerlässlich.

Dass die Juso die Gunst der Stunde nutzt, um Wahlkampf zu betreiben, bestreitet Anna Luna Frauchiger, Co-Präsidentin der Juso Stadt Zürich: «Bei der Aktion soll nicht unsere Partei im Fokus stehen, sondern die Thematik.» Sie fügt aber trotzdem an, dass es unerlässlich sei, bei den Wahlen am 20. Oktober Parlamentarier von progressiven Parteien zu wählen.

Selber auf ihr Flugverhalten angesprochen, sagen die Jungpolitiker, dass sie nicht gerne über das Thema sprechen würden. Es gehe nicht darum, was einzelne Individuen machten, sondern darum, wie die Gesellschaft als Ganzes, grosse Konzerne und die Politik handelten. «Nur durch Gesetze können Firmen und Menschen der Klimakrise entgegenwirken.»

Anzeige erstattet

Die Firma Clear Channel, die für die Vermarktung der betroffenen Werbeflächen verantwortlich ist, hält nichts von der Juso-Aktion. Sprecherin Ursulina Stecher sagt: «Es handelt sich hier wohl um Wahlkampf auf Kosten anderer, mit der Absicht eine hohe Medienpräsenz zu generieren.» Die Aktion bedeute zusätzlichen Arbeitsaufwand, der mit Mehrkosten verbunden sei. «Der Kunde bekommt aber auf jeden Fall die Leistung, für die er bezahlt hat», sagt Stecher.

Clear Channel werde Anzeige erstatten. Ausserdem bietet Stecher der Juso ein Angebot: «Wir könnten Ihnen tatsächlich eine reichweitenstarke Plakatierung anbieten, denn für Politwerbung haben wir attraktive Konditionen.»

Edelweiss ist bereit für konstruktiven Dialog

Easyjet, äussert sich nicht konkret zur Aktion der Juso. Es heisst aber: «Wir nehmen unsere Verpflichtungen im Umweltbereich sehr ernst.» Die Fluggesellschaft sei sich bewusst, dass die CO2-Emissionen des Flugverkehrs zum Klimawandel beitragen würden.

Easyjet sei im Vergleich effizienter als viele andere Fluggesellschaften, so die Airline. «Menschen haben die Wahl, wie sie reisen, und wenn sie sich für das Fliegen entscheiden, wollen wir eine der besten Möglichkeiten bieten.» Im vergangenen Jahr seien die CO2-Emissionen von Easyjet bei 78,46 Gramm pro Kilometer und Passagier gelegen. «Das ist ein Rückgang von 32 Prozent seit 2000 und wir haben das Ziel, dies noch weiter zu reduzieren.»

Mobilität als Ausdruck der vernetzten Gesellschaft

Bei Edelweiss hat man ebenfalls Kenntnis von der Aktion. «Da diese Plakatstellen nicht von Edelweiss bewirtschaftet werden, liegt es nicht an uns, darüber zu befinden», heisst es. Edelweiss sei aber jederzeit bereit, einen konstruktiven Dialog zum Thema Umweltschutz zu führen.

Bei der Swiss verzichtet man ebenfalls auf eine Stellungnahme zur Aktion. Wie Easyjet betont die Swiss, dass Mobilität «ein Ausdruck unserer erfolgreich vernetzten Gesellschaft» sei: «Wichtig ist daher aus unserer Sicht, dass die negativen Auswirkungen der Mobilität eingedämmt werden.»

(jen)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra am 15.08.2019 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    "Selber auf ihr Flugverhalten angesprochen, sagen die Jungpolitiker, dass sie nicht gerne über das Thema sprechen würden. Es gehe nicht darum, was einzelne Individuen machten, sondern darum, wie die Gesellschaft als Ganzes, grosse Konzerne und die Politik handelten." Doch darum geht es! Es ist ein reisen Frechheit wenn Politiker das Fliegen einschränken oder verbieten möchten, es aber selber ohne Einschränkungen machen! Egoismus pur, in einem Masse der dringend Massnahmen gegen solche Politiker erfordert!

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  • Ines am 15.08.2019 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wahltag ist Zahltag

    Auch wenn mir die Umwelt am Herzen liegt, werde ich mit Sicherheit keine SP und Grüne mehr wählen! Das Maul aufreissen und das Fliegen verbieten wollen und dann selber mit dem Flieger in den Urlaub jetten! Egoismus in höchsten Grad und ein absolutes No-Go! Wasser predigen und Wein trinken! Solche Politiker gehören alle abgewählt!

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  • Joe F. am 15.08.2019 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Illegal

    Das Anbringen dieser Plakate ist illegal und sollte entsprechend bestraft werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Smokey am 15.08.2019 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doch es kommt auf jeden drauf an

    Ööhm, doch es kommt sehr wohl auf die einzelen Personen drauf an. Ich weiss die Juso versteht nicht viel von Wirtschaft aber, dass die Angebote den Anfragen folgen ist doch sehr einleuchtend...

  • Expat am 15.08.2019 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasser Predigen usw......

    Dass die nicht gerne über ihr eigenes Flugverhalten sprechen wollen sagt genug. Sich selber den Städtetrip gönnen, aber die anderen kritisieren ist schlechter Stil.

  • Urs Kuhn am 15.08.2019 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Nur langsam pressieren

    Es ist erst 03 vor 12 also noch genug Zeit !

  • Realist am 15.08.2019 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ächt its?

    Und jetzt geht weiter Zalando shoppen...

  • Joe CE am 15.08.2019 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sag nein zu Ökoterrorismus

    Ökoterrorismus ist Realität. Die Hemmschwelle nimmt ab. Wenn wir dem nicht strikt Einhalt Gebieten erfolgen schon bald die ersten Übergriffe auf Personen.