Ermordeter Sohn

22. März 2011 13:29; Akt: 22.03.2011 13:37 Print

Kanton Zürich reagiert auf «Fall Bonstetten»

Aus den tragischen Ereignissen aus dem «Fall Bonstetten» zieht der Kanton Zürich seine Lehren und lässt die Gefährdung der Kinder künftig prüfen.

Bildstrecke im Grossformat »
Gustav G. (links) am Dienstag, 24. März 2015, im Zürcher Obergericht. Der Angeklagte versucht in der Berufungsverhandlung eine mildere Strafe zu erreichen. Die Anklage verlangt erneut die Verwahrung. Das Bezirksgericht Winterthur hatten Gustav G. (rechts) am 28. August 2013 wegen Mordes schuldig gesprochen und verhängte eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren. Der damals 60-jährige Vater, Gustav G., hatte seinen Sohn Florian am 26. Februar 2010, in einem Zimmer des Hotels Krone in Winterthur umgebracht. Der Sarg des kleinen Florian am 5. März 2010 bei seiner Beerdigung in Kloten ZH. Eine Nachbarin beschrieb den Vater als ernsthaften Mann mit einem fröhlichen Kind: «Florian war ein sehr fröhliches Kind, er lachte ständig.» Florian war am 27. Februar 2005 in Valencia, Spanien, geboren worden. Später zogen die unverheirateten Eltern nach Bonstetten, wo sie sich Anfang 2008 trennten. Seitdem herrschte Streit um das Sorgerecht des Buben. Gustav G. (nicht im Bild) bekam das alleinige Sorgerecht für sein Kind zugesprochen – das, obwohl die Behörden wussten, dass G. 1990 seinen damals 13-jährigen Sohn Reto zu töten versucht hatte. Hinter der Tat stand die Befürchtung des Vaters, seine Ex-Partnerin könnte den Knaben in ihr Heimat Brasilien entführen. Er sei in Panik gewesen, gab der Schweizer vor Gericht an. Wegen des Falls lief auch ein Strafverfahren gegen die Bonstetter Gemeindebehörde, weil sie Gustav G. die Obhut über Florian zugesprochen hatte. Es wurde jedoch 2014 eingestellt, da die Gefährlichkeit des Vaters selbst für Experten nicht erkennbar gewesen sei. Dieser Entscheid wurde selbst vom Bundesgericht gestützt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bei Sorgerechtsfällen im Kanton Zürich muss das Gefährdungspotenzial für das Kind abgeklärt werden, wenn das entsprechende Elternteil «eine risikobehaftete Vergangenheit» aufweist. Die Zürcher Justizdirektion hat in einer Weisung die Bedingungen formuliert.

Die Weisung an die Vormundschaftsbehörden ist eine Konsequenz aus dem «Fall Bonstetten» beziehungsweise aus einem von der Zürcher Justizdirektion in Auftrag gegebenen Gutachten zur Tätigkeit der Vormundschafsbehörde der Zürcher Gemeinde Bonstetten im Knonauer Amt.

Im Februar 2010 hatte ein 61-jähriger Vater seinen vierjährigen Sohn in einem Winterthurer Hotelzimmer umgebracht. Die Behörde hatten dem Mann die Obhut für den kleinen Bub übertragen, obwohl er einige Jahre zuvor versucht hatte, seinen Sohn aus erster Ehe zu töten. Wegen Mordversuchs war er in den neunziger Jahren zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Im Kreisschreiben vom 10. März, über das der «Tages-Anzeiger» in seiner Dienstagausgabe schreibt, führt die kantonale Direktion der Justiz und des Innern die Bedingungen auf, wann die kommunalen Vormundschaftsbehörden bei Entscheiden über elterliche Sorge, Obhut und Besuchsrecht zwingend eine Abklärung des Gefährdungspotenzials für das Kind anordnen müssen.

Gutachter müssen vollständig unabhängig sein

Das unabhängiges Gutachten ist dann nötig, wenn das Elternteil rechtskräftig wegen einer Tat verurteilt worden ist, für die das Gesetzt mehr als drei Jahre Freiheitsentzug vorsieht und die sich gegen die körperliche, sexuelle oder psychische Integrität eines Familienmitglieds richtet.

Für die Dauer der Abklärungen müsssen «geeignete Massnahmen zum Schutz des Kindes» angeordnet werden. Beigezogen werden dürfen nur Gutachterinnen oder Gutachter, die vom abzuklärenden Elternteil vollständig unabhängig sind, diese also nicht bereits behandelt oder therapiert hatten.

Im «Fall Bonstetten» hatte die behandelnde Therapeutin des Mannes einen Kurzbericht erstellt. Nach Ansicht des von der Justizdirektion zur Klärung des Fall eingesetzten Experten war dieser Bericht als Risikogutachten unbrauchbar.

(sda)